Veränderung

13 Angewohnheiten, die wir auch nach Corona beibehalten sollten

Josephine Bewerunge & Viola Priss

Corona nervt. Freundschaften, Familie und Freizeit müssen neu organisiert werden. Aber vielleicht kann uns die Zwangsentschleunigung sogar etwas beibringen? fudder hat Angewohnheiten gesammelt, von denen wir auch nach Corona profitieren können.



1. Houseparty-Dates mit alten Freunden organisieren

Bevor Corona uns alle dazu zwang, unser Sozialleben gänzlich ins Internet zu verlagern, schienen Apps wie Houseparty & Co völlig überflüssig. Verständlich, schließlich kann auch im 21. Jahrhundert kein Smartphone echte menschliche Kontakte ersetzen. Allerdings wird es auch im post-pandemischen Zeitalter Freunde geben, die wir nicht mal eben auf einen Kaffee treffen können. Deswegen ist es gut zu wissen, dass sich gemütliche Weinabende, verrückte Tanzsessions oder gemeinsame Kochabende auch über die Entfernung organisieren lassen, nicht nur zu zweit, sondern eben auch zu viert, zu fünft oder gar zu zehnt. Es lebe der technische Fortschritt!

2. Mehr Zeit in der Natur verbringen

In Zeiten, in denen bereits der Gang zum Supermarkt ein tägliches Highlight darstellt, sind Spaziergänge im Freien ein echter Luxus. Da ist es wenig überraschend, dass sich die Dreisam momentan vor lauter Fußgängern und Joggern kaum retten kann. Die kurzen Ausflüchte ins Grüne erlauben, die Realität zumindest für einen Moment auszublenden. Daran sollten wir uns erinnern, wenn der Laden irgendwann wieder läuft und jegliche Erinnerung an die tristen Tage in Isolation hinter dem Alltagstrott zu verblassen droht. Nichts ist schöner, als auf einem ausgedehnten Spaziergang mal wieder richtig durchzuatmen – egal, ob es ein Virus ist oder ein stressiger Job, der uns die Kehle zuschnürt.

3. Nicht so eitel sein. Oder vielleicht doch

Da sich der Großteil des Tages momentan in den eigenen vier Wänden abspielt, sind Klamotten theoretisch kein Muss. Die Frage, ob und wie man sich morgens zurechtmacht, stellt sich also unter völlig veränderten Umständen. Daraus ergibt sich die einzigartige Möglichkeit, das Selbstbild unabhängig vom Urteil anderer zu schärfen. Muss man sich wirklich jeden Tag schminken, um sich wohl zu fühlen? Sind Jogginghosen ein Produktivitäts-Killer? Vielleicht lernt ja der ein oder andere Perfektionist, wie erholsam es sein kann, den Fokus auch mal auf Komfort zu legen. Und die Sofa-Chillerin merkt, dass der Traum von einem ganzen Tag im Schlafanzug ganz schnell zum Albtraum wird, wenn er sich wiederholt. Und aus Tagen Wochen werden.

4. Puzzeln

Wann hast du das letzte Mal gepuzzelt? Was bis vor Kurzem noch eine ferne Kindheitserinnerung zu sein schien, avanciert gerade zu einem globalen Trend unter Erwachsenen. Kein Wunder, schließlich ist Puzzeln nicht nur eine erstklassige Beschäftigungstherapie, es hilft uns auch, das Handy mal eine Weile beiseite zu legen und uns auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Wer weiß, vielleicht taugt das gute alte Puzzle ja nicht nur zur Überbrückung des Hausarrests, sondern erfreut sich auch in Zukunft einer völlig neuen Wertschätzung.

5. Kleine Unternehmen unterstützen

Die durch Corona bedingten Veränderungen wirken sich auch auf unser Konsumverhalten aus. Nicht nur ist die Dankbarkeit für scheinbar alltägliche Dinge wie Nudeln und Klopapier gewachsen. Es wächst auch das Bewusstsein für kleine Unternehmen, die aufgrund der Krise um ihre Existenz fürchten müssen. Zahlreiche Bars, Cafés oder Theater, Freiberufliche und Selbstständige sind jetzt mehr als zuvor auf die Solidarität ihrer Kunden angewiesen. Diese muss sich momentan zwar noch darauf beschränken, Gutscheine oder Lieferservices in Anspruch zu nehmen. Doch auch, wenn die Geschäfte nach und nach wieder öffnen, kann eine bewusste Entscheidung den kleinen Unternehmen dabei helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Zum Beispiel, indem wir in der urigen Buchhandlung um die Ecke nach neuem Lesestoff suchen, oder unser Obst und Gemüse beim Hofladen oder auf dem Markt kaufen.

6. Öfter die Großeltern anrufen

Seien wir ehrlich, die meisten von uns plagt öfter mal das schlechte Gewissen, wenn wir an unsere Großeltern denken. Weil sie sich riesig freuen, wenn wir uns melden, und weil wir genau das schon wieder viel zu lange nicht mehr getan haben. Aber spätestens, seitdem das Virus Deutschland erreicht hat, horchen wir häufiger nach, wie es den Großeltern geht. Schließlich können sie nicht einfach unbesorgt einkaufen gehen. Sie können sich nicht auf sozialen Medien ablenken, wenn sie sich einsam fühlen, und sie müssen als Risikopatienten doppelt aufpassen, sich nicht zu infizieren. Ein Anruf ist deswegen gerade noch viel mehr wert als sonst, und er kostet weder viel Aufwand noch viel Geld. An diesen Gedanken sollten wir festhalten, wenn der gewohnte Alltag allmählich zurückkehrt und sich unsere To-Do-Liste wieder zu füllen beginnt. Für einen kurzen Anruf ist immer Zeit, das wissen wir jetzt.

7. Verweilen

Kinder können das noch: Löcher in die Luft starren, Träumen, Stromern und Staunen. Wir brauchten erst eine geringere Anzahl an Möglichkeiten, weniger auferlegte To-Do's und eine Lockdown um zu merken: Stehen zu bleiben kann auch das Gegenteil sein von Stillstand.

8. Zuhören

Nicht wie sonst in der Kneipe, in der Mensa oder Büro einen Smalltalk nach dem nächsten stemmen, weniger "Und, wie?", mehr "Erzähl mal, wie geht es Dir eigentlich damit?" Und: "Lass uns morgen um die selbe Zeit hören. Ok?" Weniger Kontakte kann bedeuten, so haben wir gelernt, mehr von den Kontakten zu haben.

9. Improvisieren statt kaufen

Die Sojamilch meiner Freundin war die ersten 2 Wochen ausverkauft. Unter gewöhnlichen Umständen, wäre sie einfach zum nächsten Supermarkt gefahren. Diesmal wollte sie wissen, wie Sojamilchzufuhr und Quarantäne zusammen passen können und, YouTube sei Dank, ist sie nun stolze Sojamilchproduzentin und fühlt sich ziemlich autark.

10. Der Trost von Fremden

Was Lächeln auf der Straße für einen Effekt haben kann, da reicht kein Virus der Welt ran. Merken, fortsetzen, anstecken. Funktioniert sogar mit Mundschutz!

11. Die Rückeroberung Balkoniens

Und wenn's zu eng wird zwischen den ganzen Minipaprika, Oregano und Kapuzinerkresse hilft: Vorfreuen, auf irgendwann dann doch wieder Sand statt Erde zwischen den Fingern.

12. Schenken, Spenden und Teilen macht glücklich

Der Gabenzaun an Gleis 8, die Masse an nie-leer-zu-gehen-scheinenden Zu-Verschenken- Kisten, das Einkaufen als soziales Ereignis für die kranke Nachbarin, aber auch das Daheim bleiben aus Solidarität beweisen es. Nächstenliebe macht nachweislich glücklich, reicher und ist die beste Medizin gegen fast alles.

13. Was alles möglich ist, wenn ganz viel nicht möglich ist

Zum Beispiel doch backen können, sich doch nicht furchtbar fühlen nach 5 Wochen ohne Haare färben, immer noch Neues im selben Viertel entdecken. Und vor Allem: Dass ganz viel ganz schön sein kann, selbst in einem Krisenzustand.