Studium

12 skurrile und historische Fakten über die Uni Freiburg

Arlette Weiland

Nicht immer geht es an der Uni spannend zu. Interessant wird es aber, wenn man auf die 565 Jahre Uni-Geschichte blickt. fudder hat mit Sandra Haas, Kuratorin des Uniseums, gesprochen. Sie verrät, Geheimnisse über die Albert-Ludwigs-Universität.

1. Nimm zwei: Wer verbirgt sich hinter Albert Ludwig?

Man sollte meinen die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg verdankt ihren Namen einer Person. Doch Sandra Haas, Kuratorin des Uniseums, klärt auf:

"Eigentlich sind es zwei Personen, die der Universität ihren Namen gaben. Erzherzog Albrecht VI. war Gründer der Hochschule – davon leitet sich Albert ab. 1820 nahm die Universität zum Dank den Namen des Großherzogs von Baden, Ludwig, an. Dieser hat die Universität mithilfe einer Stiftung erhalten."

2. Gleichberechtigung? Langsame Emanzipation an der Universität

Freiburg kann stolz sein, dass hier als erstes in ganz Deutschland auch Frauen zum Studium zugelassen wurden. Wenn auch erst seit 1900 durch einen Erlass des Großherzogtums Baden. Zuvor durften Frauen höchstens als Gasthörerinnen zum eigenen Vergnügen an Vorlesungen teilnehmen – sofern der Professor einverstanden war, sagt Sandra Haas.

3. Semestereröffnung im Münster?

Lange hatte die Universität keine eigenen Gebäude. So war das Münster von zentraler Bedeutung für die Hochschule. "In der Anfangszeit der Universität fanden die Senatssitzungen, Semestereröffnungen und Promotionen im Münster statt", sagt Kuratorin Haas. Fast 100 Jahre nach der Gründung 1457 wurden zwei Gebäude am heutigen Rathausplatz aufgekauft und zu einem zusammengeschlossen. Das heutige Neue Rathaus war der erste zentrale Sitz der Uni, so Haas. Die erste Universitätsbibliothek hingegen entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – und zwar dort, wo sich heute die Buchhandlung Rombach befindet.

4. Vier Fakultäten und das Lehrfach ’Schöne Wissenschaften’

Heute gibt es an der Universität Freiburg 288 Studiengänge. In den Anfängen war die Universität simpler strukturiert. "Ursprünglich gab es nur vier Fakultäten. Dabei war die Theologie die ranghöchste, es folgten Jura, Medizin und die Philosophische Fakultät. Diese hatte das geringste Ansehen, denn es gab noch kein Abitur und man besuchte zuerst zwei Jahre die Philosophische Fakultät, bevor man etwas anderes studieren konnte", so Kuratorin Sandra Haas. Außergewöhnlicher sei das Lehrfach ’Schöne Wissenschaften’. Dieses beschäftigte sich mit französischer und italienischer Literatur. Auch interessant: Ursprünglich war die Universität keine Forschungseinrichtung. Ihr Ziel sei es gewesen,Wissen zu bewahren und zu verbreiten.

5. Nur Katholiken und Latein

Von Religion ist der Unialltag heute nur wenig geprägt. Früher seien jedoch alle Universitäten konfessionell eingeteilt gewesen. Freiburg war dabei katholisch. "Erst mit der Aufklärung hat damals Josef II. veranlasst, dass auch Nicht-Katholiken studieren und lehren dürfen", sagt Haas, "eine Besonderheit Freiburgs ist, dass die Universität bereits 1791 ihren ersten protestantischen Rektor hatte."

6. Der Student von damals: mit Schnabelschuh statt barfuß zur Uni

Das Gesicht kindlicher als heute, die Kleidung eleganter. Schnabelschuh und knöchellange Kutte in gedeckter Farbe – so dürfte man sich die Studenten von damals vorstellen. Die Kleiderordnung war streng und zeigte: Ich gehöre zu den Akademikern. Außerdem fand der Lehrbetrieb ausschließlich auf Latein statt. Erst im 18. Jahrhundert wurde der vorgeschriebene Dresscode abgeschafft und Deutsch als Unterrichtssprache eingeführt, sagt Kuratorin Haas.

7. Flucht aus der Stadt versus Online- Lehre – Uni in Krisenzeiten

In ihrer langen Geschichte musste die Universität bereits einige Krisen bewältigen. Wo sich Einschränkungen heute mit Online-Lehre lösen lassen, verließen Studierende in Krisenzeiten früher die Stadt und mussten sich andernorts neu zusammenfinden, so Kuratorin Haas. Während der Pest floh man zum Beispiel mehrmals nach Villingen. Gute Luft, die Räume des Franziskanerklosters und ausgebaute Verkehrswege seien dafür ausschlaggebend gewesen. Zu Beginn verließen die Studenten die Stadt unorganisiert und auch eine Bewilligung sei notwendig gewesen, um sich andernorts niederzulassen. Über weitere Krisenzeiten sagt Sandra Haas: Auch als Freiburg unter Ludwig dem XIV. zu Frankreich gehörte, ließ sich die Universität für eine Zeit in Konstanz nieder.

8. Die Universität als Gericht – schlüpfrige Lieder mit schweren Folgen

Ein eigenes Gefängnis? Was heute kaum vorstellbar ist, war früher alltäglich. Es war üblich, dass jede Universität ihre eigene Gerichtsbarkeit hatte – und eben auch sogenannte Karzer, erklärt Kuratorin Haas des Uniseums. Doch wie schaffte man es in den Karzer? "Die Studenten haben nachts randaliert in der Stadt. Im 16. und 17. Jahrhundert sind sie gerne vor Frauenklöster gezogen und haben schlüpfrige Lieder gesungen. Sie haben auch Feiern, etwa Hochzeitsfeiern in der Stadt gesprengt, sich einfach dazugesellt und die Feier so übernommen", sagt Haas. Handgreiflichkeiten gegen die Polizei, Schlägereien mit Handwerkern und Beleidigungen von Professoren konnten ebenfalls zu einem Aufenthalt im Karzer führen. Anstatt diesen anzutreten, verließen manche lieber die Stadt. Die hygienischen Umstände seien katastrophal gewesen, auch zur Abschreckung.

9. Berichte aus dem Karzer: von Winterpalais und Sommerresidenz

Ein Aufenthalt im Karzer konnte von einem halben Tag bis zu drei oder vier Wochen dauern, so Sandra Haas. Dabei hielt man sich nicht den ganzen Tag dort auf, sondern durfte nach Ablegung eines Eides seine Vorlesung besuchen und musste anschließend zurückkehren. Klingt entspannt? Erst als die Universität ihre Gerichtsbarkeit immer weiter an das Landesgericht abgeben musste, verbesserte sich die Situation im Karzer. "Später hat man einen Winter- und Sommerkarzer gehabt. Das nannten die Studenten Winterpalais, dort saß man im Winter ein und es gab eine Heizung. Die sogenannte Sommerresidenz wurde nicht beheizt", sagt Haas. Sogar eigene Bettwäsche durften die Studenten mitbringen. Schmerzlich war wohl eher die Gebühr für Heizkosten, Strom, Wasser und warmes Essen.

10. Gibt es die Karzer heute noch?

1920 wurde die Karzerstrafe abgeschafft. Der Studierendenausschuss Asta protestierte die Abschaffung der Karzerstrafe, denn "jeder Student muss einmal im Leben im Karzer eingesessen haben, das gehört zum Studentenleben. Das ist heute unvorstellbar", sagt Haas lachend. Der alte Karzer sei 1944 bei einem Luftangriff zerstört worden, Fotos gäbe es jedoch noch im Uniseum. Mit diesem könne man auch die Räume im Kollegiengebäude I besichtigen.

11. Unterrichten für Wein und Getreide

Die Uni produziert noch heute ihren eigenen Wein. Früher hatte dieser eine weitaus größere Bedeutung. So wurden die Professoren mit Wein und Getreide ausbezahlt. Wo dies gelagert wurde? Im Bursenkeller, welcher sich im Kellergeschoss des heutigen Uniseums befindet. Dieser wurde zuvor aber auch als Lehr- und Wohnheim genutzt. Später als Luftschutzbunker oder Partykeller. Auch heute kann er noch als Location gemietet werden.

12. Esel statt Stuhl – ein exzentrischer Professor im 15. Jahrhundert

Eine Anekdote aus dem 16. Jahrhundert berichtet die Kuratorin des Uniseums zum Schluss: Der Dozent Heinrich (Loriti) Glarean sei für seine exzentrischen Auftritte in den Anfangszeiten der Universität bekannt gewesen. "Er ist mal mit einem Esel in die Aula eingeritten. Auf Nachfrage seiner Kollegen, sagte er, dass er ohne seinen Esel keinen Sitzplatz bei der akademischen Disputation bekommen hätte. Und so hat er eben selbst für seinen Platz gesorgt und sich auf seinen Esel gesetzt."