Natur

11 Fakten zu Schönberg und Schneeburg

Maya Schulz

Die Schneeburg und der Schönberg sind ein beliebtes Ausflugsziel um Freiburg. Von dort kann man die Vogesen sehen. Wir verraten euch 11 Fakten zu Schönberg und Schneeburg, die ihr vorher noch nicht kanntet.

Als ich im Frühjahr 2019 von Hamburg nach Freiburg zog, tauschte ich Hafen gegen Schwarzwald. In den ersten Tagen fühlte sich die neue Stadt noch sehr fremd an. Doch ein Ausflug auf den Schönberg und die Schneeburg vertrieb dieses Fremdheitsgefühl.

1. Geschichte und Lage

Die Lage der Burg in einer Höhe von 516 Metern auf dem westlichen Nebengipfel des Schönbergs zwischen dem Freiburger Stadtteil Sankt Georgen und der Gemeinde Ebringen bietet in mehrere Richtungen weiten Ausblick zur Überwachung der Umgebung. Erbaut wurde die Burganlage im 13. Jahrhundert, bewohnt bis ins 16. Jahrhundert. Sie bestand aus drei Teilen: Im Südosten lagen zwei Wohngebäude, im Nordwesten der Bergfried, von dem heute noch zwei Außenmauern erhalten sind, und in der Mitte der Hof, auf dem noch heute die wieder aufgebauten Reste des Brunnens zu sehen sind. Was die Gründungs- und Besitzfrage der Schneeburg betrifft, so tauchen zwei Namen immer wieder auf: die verschwägerten Familien Hornberg und Schnewlin (manchmal auch Snewlin). Letztere waren im 13. Jahrhundert eine der angesehensten und wohlhabendsten Familien in Freiburg und stehen im Verdacht, Namensgeber für die Schneeburg zu sein. Auf EBIDAT, der Burgendatenbank des Europäischen Burgeninstituts (versuch das dreimal hintereinander zu sagen!), heißt es, der Erbauer der Burg sei zwar nicht bekannt, aber der früheste Besitz kann im Jahre 1312 durch die Hornberger nachgewiesen werden. In den folgenden Jahrhunderten folgten Streitigkeiten um Erbansprüche und die Burg wechselte mehrfach den Besitzer. Um 1500 wird die Burg erstmals "verlassen" genannt. Über die genauen Gründe dafür, dass die Burg verlassen wurde, variieren die Quellen - einige Zeit wurde wohl vermutet, sie sei im Zuge des Bauernkrieges 1525 zerstört worden. Die Webseite der Gemeinde Ebringen klärt auf: "Nachdem die Herrschaft sich […] einen Wohnsitz im Dorf errichtet hatte, verlor die kleine Burg endgültig ihre ursprüngliche Bedeutung und wurde dem Verfall überlassen."

2. Schönberghof

Wo heute die Gaststätte Schönberghof Alt und Jung mit Spätzle und Bier versorgt, lag früher der Versorgungshof der Schneeburg-Bewohner. Wer es bis zur Schneeburg hinaufgeschafft hat, braucht nur noch 10 Minuten zu Fuß bis zur Gaststätte.

3. Die Transkription "Schönberg" ist falsch

Wer dieses historische Wissen erst einmal verarbeiten muss, kann sich bei der Lektüre der alemannischen Wikipedia-Seite (ja, die gibt es!) von Schönbergund Schneeburg entspannen.

4. Etymologie

Den Sprachwissenschaftlerinnen oder -wissenschaftlern unter euch ist es wahrscheinlich sofort aufgefallen: Auf den alemannischen Wikipedia-Seiten ist von "Schimberg" die Rede. Die standarddeutsche Bezeichnung des 644 Meter hohen Hausbergs der Gemeinde Ebringen war zwischen 1700 und 1900 an die Stelle der alemannischen Bezeichnung "Schimberg" oder "Schinberg" getreten. Der Wortteil "schin" leitet sich entweder vom mittelhochdeutschen Wort "schin" ab, was "scheinen" oder "von weitem sichtbar" bedeutet, oder stammt vom mittelhochdeutschen "schina/schine" ab, welches die abgeflachte Form eines Berges beschreibt. Etymologisch ist die Dialektbezeichnung also falsch übernommen worden.

5. Schon immer ein beliebter Ort

Funde von Mammut-, Wildrind- und Wollnashorn-Knochen sowie Steinartefakte wie Faustkeil und Speerspitzen lassen vermuten, dass der Schönberg schon in der Steinzeit bewohnt wurde. Auf seinem Gipfel, wo heute ein Sendemast des SWR das 21. Jahrhundert bezeugt, befand sich demnach einst eine jungsteinzeitliche Siedlung.

6. Dreißigjähriger Krieg

Am 3. August 1644 wurde der Schönberg zum Schauplatz des ersten Tages der Schlacht bei Freiburg im Dreißigjährigen Krieg zwischen Bayern und Frankreich. Frankreich versuchte, das an kaiserlich-bayerische Truppen gefallene Freiburg wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Schlacht endete am 10. August mit einem Sieg Bayerns am Lorettoberg und großen Verlusten auf Seiten der französischen Armee. Einige Dörfer rund um den Schönberg wurden im Zuge der Kämpfe geplündert und stark in Mitleidenschaft gezogen. Friedrich Schiller schrieb in seiner "Geschichte des dreyßigjährigen Kriegs" folgendes über die Schlacht bei Freiburg: "Das Ungestüm der französischen Tapferkeit scheiterte […] an der Standhaftigkeit der Bayern und der Herzog von Enghien [bedeutender französischer Feldherr] musste sich zum Rückzug entschließen, nachdem er bei 6000 seiner Leute umsonst hingeschlachtet hatte. Kardinal Mazarin [von 1642 bis 1661 regierender Minister Frankreichs] vergoss Tränen über diesen großen Verlust, den aber der herzlose, für den Ruhm allein empfindliche Enghien nicht achtete. "Eine einzige Nacht in Paris", hörte man ihn sagen, "gibt mehr Menschen das Leben, als diese Aktion getötet hat"." Heute erinnert das Schlachtenkreuz auf dem Schönberg an die Schlacht am 3. August. Es steht an Stelle des Beinhauses, in dem erst 30 Jahre nach der Schlacht die auf dem ganzen Berg verstreut liegenden Gebeine der Gefallenen bestattet wurden. Dieses Massengrab entwickelte sich – zum Missfallen der Kirche – zu einem Wallfahrtsort der katholischen Bevölkerung der Region und es wurden offenbar häufig Knochen als Reliquien entwendet. Da die Kirche die Wallfahrten nicht unterbinden konnte, wurden die noch verbliebenen Gebeine der Gefallenen schlussendlich abtransportiert, wodurch in den folgenden Jahrzehnten die Verehrung des Ortes ein Ende fand.

7. Schönberg-ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response)

Wer nach all diesem Wissen eine kleine visuelle Pause einlegen will und gerade keine Zeit hat, den Schönberg selbst zu bewandern, kann ganz einfach in den Genuss hochauflösender ASMR-Videos von Schönberg und Schneeburg kommen. Entweder bei Sommerwetteroder auch als Narnia-Wunderland im Schnee. Auch abgesehen von diesen Spots hat der Youtube-Kanal "Black Forest" von entspannenden Naturgeräuschen direkt aus dem Schwarzwald, die beim Lernen und Einschlafen helfen, bis hin zu einer 4K-Walkingtour mitten durch die Stadt einiges zu bieten.

8. Glückauf

1935 begann man mit dem Erzabbau am Schönberg, stoppte diesen jedoch nur sieben Jahre später wegen des niedrigen Eisengehaltes von nur 20 bis 30 Prozent. Angesichts des voranschreitenden Zweiten Weltkriegs waren zu dieser Zeit die wesentlich eisenhaltigeren und damit förderungswürdigeren Erze aus Frankreich (Lothringen) und Schweden begehrter. Aufgrund der Abbauarbeiten sind auch tiefere Schichten des Berges durch Bohrungen gut erforscht worden. Noch heute bezeugen die Fundamente beim ehemaligen Mösleschacht die Bohrungsarbeiten.

9. Flora

Der Schönberg ist nicht nur historisch interessant, sondern erfüllt auch seine Rolle als vielfältiges Biotop mit Bravour. Rund 3,4 Quadratkilometer des Schönbergs sind waldbestanden. Er zeichnet sich außerdem durch hohe Artenvielfalt aus. Etwa 80 Prozent der in Deutschland vorkommenden Orchideenarten sind auf dem Schönberg zu finden. Außerdem war der Schönberg der einzige bekannte deutsche Fundort des Wolfs-Röhrlings (Rubroboletus lupinus), einer wärmeliebenden Pilzart, die in basenreichen Laubwäldern meist in Süd- und Osteuropa zu finden und vermutlich giftig ist. Zum Verwechseln ähnlich sieht er dem ebenfalls recht seltenen Glattstieligen Hexen-Röhrling. Seit 1982 wurde der Wolfs-Röhrling allerdings auch am Schönberg nicht mehr gesehen.

10. Fauna

Auch die Tierwelt kommt auf dem Schönberg nicht zu kurz. Neben den Klassikern Wildschwein, Dachs und Co. beheimatet der Schönberg mindestens acht Fledermaus-Arten, die allesamt in der Roten Liste gefährdeter Arten als gefährdet oder sogar stark gefährdet eingestuft werden. Zudem wurden mindestens 60 verschiedene Schmetterlingsarten am Schönberg gesichtet, von denen ebenfalls viele bedroht sind. Zu den über 80 auf dem Schönberg vorkommenden Brutvogelarten gehören auch Wiedehopf, Orpheusspötter und Bienenfresser, die eigentlich eher im mediterranen Raum leben und am Schönberg einen ihrer nördlichsten "Wohnorte" haben. Berühmteste Vertreter der Insektenwelt auf dem Schönberg sind Gottesanbeterin und Ameisenlöwe.

11. Summ summ Sumsergarten

Im nordwestlichen Teil des Schönbergs liegt das Naturschutzgebiet Jennetal, zu dem auch der Sumsergarten gehört. Benannt ist der etwa 7100 Quadratmeter große Garten nach dem Freiburger Arzt und Pionier des Naturschutzes Erwin Sumser (1891-1961). Schon früh fürchtete Sumser die Gefährdung der Pflanzen am Schönberg, insbesondere der Orchideen, sodass ihr Schutz ihm neben seiner medizinischen Tätigkeit zur zweiten Lebensaufgabe wurde. Ab Dezember 1931 kaufte oder pachtete er floristisch wertvolle Grundstücke, zäunte sie ein, verhinderte ihre landwirtschaftliche Nutzung und setzte sich auch mit Öffentlichkeitsarbeit für den Umweltschutz ein. Auch heute noch sind im Sumsergarten ehrenamtliche Naturschutzbeauftrage unterwegs, die Besuchern die Besonderheiten des Naturschutzgebietes erklären.