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10 Tipps, wie Du frühzeitig mit dem Lernen anfangen kannst

Susanne Hilpert

So ziemlich jeder Studierende hat schon mal das Lernen aufgeschoben. Wer sich in der Prüfungszeit des vergangenen Semesters versprochen hat, zukünftig alles besser zu machen – ganz ohne Stress und Druck –, für den haben wir Tipps, wie das gelingen kann.

Der eine scrollt stundenlang durch den Instagram-Feed, obwohl er genau weiß, dass er gut daran täte, sofort mit dem Lernen anzufangen. Die andere geht lieber joggen, und redet sich damit raus, zumindest etwas Gutes für den Körper zu tun. Das geht so lange gut, bis man am Ende des Semesters angekommen ist, und erschreckt feststellt, dass man in zwei Wochen fünf Klausuren zu schreiben hat. Und obwohl wir wissen, es wäre sinnvoll, frühzeitig mit dem Lernen anzufangen, tun es die wenigsten. Wir verhalten uns so, obwohl wir genau wissen, wie stressig und nervig es gegen Ende des Semesters wieder einmal werden wird, denn die kurzfristige Belohnung erscheint uns in diesem Moment viel attraktiver als die langfristige. Oder anders ausgedrückt: Wir haben heute keine Motivation zu lernen.

1. Motivation wird überbewertet

Dabei wird Motivation von vielen Experten als nicht tragend bezeichnet. Um langfristig eine Sache zum Erfolg zu führen, benötigen wir keine übermäßige Motivation, sondern Willenskraft. Oder wie es Stephen Guise, Experte für Gewohnheitsbildung, formuliert: Motivation ist nicht "verlässlich". Er rät deshalb zu Mini-Gewohnheiten. Selbst hat er angefangen mit nur einer Liegestütz pro Tag bis er sie langsam zu einem ausgewachsenem Sportprogramm steigerte.

Wie funktioniert es, dass wir vom Wissen darüber, möglichst früh zu beginnen und nicht auf Motivation zu hoffen, ins Tun kommen? Wie können wir frühzeitig gute Gewohnheiten etablieren, um später weder in Hektik zu verfallen, noch unter Druck zu geraten?

Die gute Nachricht: Das neue Semesters hat gerade erst begonnen – dieses Mal können wir es besser machen, als zuvor.

Die schlechte Nachricht: Ganz ohne Mühe funktioniert es leider nicht – dafür aber nicht nur komplett stressfrei, sondern auch mit besseren Ergebnissen.

2. Gute Gewohnheiten sind unverzichtbar

Am besten funktioniert es, regelmäßig und frühzeitig zu Lernen, wenn wir bereits Gewohnheiten etabliert haben, denn dann hat sich unser Handeln automatisiert. Wir benötigen weniger Willenskraft. Wir führen es einfach aus, da es bereits in Fleisch und Blut übergegangen ist – so wie Zähne putzen.

3. Wie kann man gute Gewohnheiten etablieren?

Jede Gewohnheit durchläuft vier verschiedene Phasen. Wir nehmen einen Auslösereiz war, haben ein Verlangen, reagieren, um dieses Verlangen zu stillen, und werden dafür belohnt. Dieses Muster lässt sich auf zahlreiche Alltagsgeschehen anwenden. Beispielsweise gehen wir an einer Eisdiele vorbei, bekommen Lust auf etwas Süßes, kaufen uns zwei Kugeln Eis und genießen es, das Eis zu essen – vielleicht sogar in geselliger Runde mit unseren Kommilitonen.

4. Nach der Reaktion sollte eine Belohnung erfolgen

Weil wir uns lieber kurzfristig belohnen, als lange auf Belohnungen zu warten, ist es wichtig, sich regelmäßig nach dem Lernen zu belohnen. Gute Noten sind zwar eine tolle Aussicht, liegen aber vergleichsweise weit in der Zukunft, um als Belohnung für das heutige Lernen ausreichend zu sein. Was in einem halben Jahr in unserer Leistungsübersicht steht, ist weniger interessant für uns als heute Spaß zu haben. Gerade deshalb ist es wichtig, sich nach einer Lerneinheit zu belohnen. Wie diese Belohnung aussehen kann, ist ganz individuell.

5. Kopple Gewohnheiten aneinander

Eine weitere Möglichkeit, neue, erwünschte Gewohnheiten zu etablieren, besteht darin, sie mit bereits bestehenden Gewohnheiten zu verbinden. Diese sollen einer einfachen Wenn-Dann-Logik folgen. Beispielsweise: Wenn ich mir morgens die Zähne geputzt habe, lerne ich zehn Minuten lang Vokabeln.

6. Auch kleine Zeiteinheiten summieren sich

Dabei wirken sich auch kleine Anstrengungen wie zehn Minuten Vokabeln lernen positiv aus. Die Willenskraft, die dafür benötigt wird, ist bei nur zehn Minuten lernen geringer als bei sechs Stunden lernen. Sechs Stunden lernen schaffen die meisten nur dann, wenn sie bisher zu wenig gelernt haben, die Prüfungszeit aber verdächtig nahe gerückt und der Druck deutlich spürbar geworden ist. Über ein Semester gerechnet, lassen sind in täglich zehn Minuten sehr viele Vokabeln lernen – und zwar ganz stressfrei. Hat man Lust, sich länger mit den Vokabeln zu beschäftigen, kann man länger lernen. Nur eines ist Pflicht: die minimale Anforderung täglich zu schaffen.

7. Große Lerneinheiten in kleine Teile zerlegen

Für Fortgeschrittene bietet sich die Zeitmanagement-Methode der Pomodoro-Technik an. Diese Technik basiert darauf, fünfundzwanzig Minuten lang zu lernen, danach folgen fünf Minuten Pause bis zum nächsten fünfundzwanzig-minütigen Block. Auf diese Art und Weise lassen sich auch ganze Lerntage strukturieren und in kleine Happen aufteilen. Fünfundzwanzig Minuten Zeit reichen beispielsweise aus, um Seminare vor- bzw. nachzubereiten.

8. Tracke deinen Erfolg

Um die Kraft zum Lernen nicht nur an einem einzigen Tag aufzubringen, sondern dauerhafter, kann man sich selbst tracken. Hierzu druckt man sich beispielsweise eine Monatsübersicht aus. Das Blatt sollte möglichst gut sichtbar sein, so dass der Blick immer mal wieder darauf fällt, und uns so an die Lerneinheit erinnert. Jeder Tag, an dem gelernt wurde, wird angekreuzt. Ziel ist es, die Ketten von Kreuzen nicht abreißen zu lassen. Hat man die ersten Tage hinter sich, spürt man meist selbst den Willen, die Kette der Lerneinheiten nicht mehr unterbrechen zu wollen.

9. Stelle dir selbst die richtigen Fragen

Um sich selbst zu aktivieren, ist es sinnvoll, sich immer wieder zu fragen, weshalb man sich gerade für dieses Studium entschieden hat. War es der Antrieb, Menschen zu heilen, ein Fachgebiet für andere zugänglich zu machen oder vielleicht der Wunsch zu forschen? Oftmals helfen uns solche Fragen, um fokussiert zu bleiben.

10. Was ist die eine Sache, die ich heute tun kann, um Erfolg zu haben?

Auch die Frage, was man heute tun kann, um gute Noten zu bekommen, fokussiert uns einerseits auf eine einzige Aufgabe, und andererseits darauf, dass wir es selbst in der Hand haben, das Ergebnis positiv zu beeinflussen – und das täglich.