Zugreisen

10 Tipps für eine erfolgreiche Interrail-Reise

Nico Preikschat

Das Interrail-Ticket feiert dieses Jahr 50. Jubiläum. Es lockt jährlich Tausende, um Europa mit dem Zug zu erkunden. Unser Autor ist seit eineinhalb Monaten per Interrail unterwegs und hat die wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Reise gesammelt.

Für viele junge Europäerinnen und Europäer ist es der große Traum: Nach dem Schulabschluss, während des Studiums oder in der Ausbildung mit dem Zug Europa zu bereisen. Damit die Interrail-Tour keine Enttäuschung wird, haben wir zehn Tipps für die Reiseplanung.

1. Den passenden Pass kaufen

Wer sich zum ersten Mal mit Interrail auseinandersetzt, kann von der Vielzahl an Pässen und Optionen leicht überfordert sein. So kompliziert ist es aber nicht. Als erstes solltest Du Dich für einen von zwei Passtypen entscheiden. Der sogenannte One Country Pass gilt nur in einem einzigen Land, während man mit dem Global Pass durch alle 33 teilnehmenden Interrail-Länder reisen kann. Abhängig davon, wie lange Deine Reise dauern soll, musst Du anschließend die Anzahl der Reisetage festlegen. Sehr beliebt ist etwa ein Interrail-Pass, der an 15 Tagen innerhalb von zwei Monaten gilt. Am teuersten, aber auch am entspanntesten ist es, einen Pass für einen bestimmten Zeitraum zu kaufen. Zu guter Letzt musst Du entscheiden, ob Du den Interrail-Pass als digitales Dokument auf dem Smartphone ("Mobile Pass") oder in ausgedruckter Form nutzt. Die digitale Version ist günstiger und kann sofort eingesetzt werden.

2. In Hostels übernachten

Nichts wäre schlimmer, als nach Wochen oder Monaten des Reisens zurückzukehren, ohne neue Leute kennengelernt zu haben. Es ist der vielleicht beste und eindeutig spaßigste Teil des Interrail-Erlebnisses mit anderen Reisenden ins Gespräch zu kommen und etwas gemeinsam zu erleben. Hostels sind dafür der ideale Ort, denn dort übernachten überwiegend junge Menschen, die selbst umherreisen. In Mehrbettzimmern mit sechs oder acht Personen ist es quasi unmöglich, nicht miteinander ins Gespräch zu kommen.

So entstehen schnell spontane Bekanntschaften, man geht miteinander etwas trinken oder erkundet zusammen die Stadt. Gerade für Alleinreisende sind Hostels deshalb empfehlenswert. Sie kosten außerdem weit weniger als alle anderen Unterkünfte, bieten Gruppenaktivitäten wie Kneipentouren an und verfügen oft über eine Gemeinschaftsküche. Ratsam ist es, verschiedene Hostels zu vergleichen, statt übereilt eines zu buchen. Bei riesigen Mehrbettzimmern mit mehr als zehn Personen etwa solltest Du stutzig werden. Rezensionen anderer Reisender auf Portalen wie Hostelworld sind ein guter Qualitätsindikator.

3. Früh buchen

Für viele klingt es verlockend, mit dem Interrail-Ticket einfach draufloszufahren, ganz frei zu sein. Abgesehen davon, dass für viele Schnellzüge sowieso eine Reservierung erforderlich ist, ergibt es gerade bei kleinem Budget aber mehr Sinn, die Reiseroute frühzeitig festzulegen, um Unterkünfte im Voraus buchen zu können. So kannst Du wirklich viel Geld sparen und Dir zugleich die begehrtesten Hostels sichern. Viele meiner besten Unterkünfte waren kurz vor Reisebeginn schon nicht mehr verfügbar oder doppelt so teuer. Deshalb gilt: Mut zum Planen!

4. Sparen im Osten

In den Köpfen vieler Westeuropäer wirken die Staaten Mittel- und Osteuropas manchmal wie eine Blackbox. Wer war schon im weit entfernten Spanien, aber noch nie in unserem Nachbarland Polen? Natürlich liegt es nahe, sich bei der Reiseplanung eher Richtung Westen zu orientieren, aber dabei sollten die Länder östlich von Deutschland nicht vergessen werden. Sie bieten einen entscheidenden Vorteil: Sie sind günstig. Hostels etwa kosten pro Nacht zwischen 10 und 25 Euro, während in Paris, London oder Mailand durchaus 35 Euro pro Nacht fällig werden können. Doch nicht nur deshalb sind Städte wie Budapest, Krakau oder Prag bei Backpackern so beliebt. Es gibt dort ein ausgeprägtes und preiswertes Nachtleben. Deshalb schadet es nicht, auf der Interrail-Reise einige Stopps im Osten einzulegen, statt zum dritten Mal nach Paris zu fahren.

5. Die richtige Ausrüstung

Anders als bei einer Klassenfahrt oder einem Wochenendtrip sollte man sich vor der Interrail-Reise gut überlegen, was man mitnimmt und wie man es transportiert. Ein Koffer ist sicher das unpraktischste Gepäckstück, am gängigsten sind große Reiserucksäcke. Besonders vorteilhaft ist es, sich einen Rucksack zu besorgen, der wie ein Koffer beladen werden kann: Nicht von oben, sondern mittels eines ganzseitigen Reißverschlusses. Auch ein sogenannter "Daypack", also ein kleinerer Tagesrucksack, ist sehr praktisch. Insgesamt gilt: Weniger ist mehr. Es macht wirklich keinen Spaß, an jedem Reisetag dutzende ungenutzte Kleidungsstücke in den Rucksack zu pressen. Gerade an unförmigen Schuhen kannst Du sparen und dafür lieber ein paar T-Shirts mehr einpacken, um nicht ständig waschen zu müssen.

6. Handtücher und Schloss mitnehmen

Diese beiden Gegenstände sind einen eigenen Tipp wert, denn sie werden überall gebraucht. In kaum einem Hostel werden Handtücher gestellt, meist ist dafür ein Aufpreis fällig. Deshalb solltest Du auf jeden Fall eines mitnehmen, idealerweise ein kompaktes Mikrofaserhandtuch. Auch Vorhängeschlösser brauchst Du überall: Um Dein Gepäck im Rucksack zu sichern und um den Spind im Hostel abzuschließen. Also: Handtuch und Schloss sind ein Muss!

7. Mobiles Internet

Dieser Tipp klingt banal, ist aber ganz besonders wichtig: Vor Reisebeginn solltest Du sicherstellen, dass Dein Handyvertrag genügend mobiles Internet bereitstellt, um unterwegs online bleiben zu können. Google Maps oder andere Navigations-Apps etwa erfordern eine Netzverbindung. Meiner Erfahrung nach ist auf Reisen mindestens die doppelte Menge an mobilem Internet nötig, die man zuhause verbraucht, weil man viel draußen unterwegs ist und lange nicht überall kostenloses WLAN findet. Auch in Zügen gibt es in vielen Fällen kein Internet. Wenn Du noch gar keinen Vertrag oder einen mit wenig Datenkapazität hast, solltest Du Dich also nach Alternativen umsehen. Dank kostenfreiem Roaming lässt sich fast jeder Mobilfunktarif im EU-Ausland nutzen.

8. Mal den Bus nehmen

Manchmal ist es sinnvoll, als Interrailer von der Schiene auf die Straße zu wechseln, um Geld oder Zeit zu sparen. So mancher Bus kostet nämlich weniger als eine Sitzplatzreservierung. Als ich beispielsweise von Paris nach Genf gefahren bin, hätte ich 30 Euro für Zugreservierungen ausgeben müssen – der Bus kostete mich nur 19 Euro. Auf dem Balkan wiederum gibt es größtenteils nur Busverbindungen. Zugfahren ist zwar eindeutig komfortabler, gerade über Grenzen hinweg, aber eben nicht in jedem Fall die beste Lösung. Schau Dir Deine Strecke also genau an und vergleiche Busse und Bahnen miteinander. Um die besten Zugverbindungen zu finden, nutze die "Rail Planner"-App von Interrail.

9. Auch alleine reisen

Natürlich hängt es von Deinen Bedürfnissen ab, mit wem und wie lange Du reisen möchtest. Es ist allerdings ganz normal, alleine unterwegs zu sein. Keiner schaut Dich schief an, wenn Du ohne Begleitung in einem Hostel auftauchst – im Gegenteil! In den gut eineinhalb Monaten, die ich bisher unterwegs bin, habe ich fast ausschließlich Alleinreisende getroffen. Es ist eine ganz besondere Erfahrung, auf sich selbst gestellt zu sein, und so lernt man viel leichter neue Leute kennen als in einer großen Freundesgruppe. Oft tun sich mehrere Backpacker zusammen und unternehmen gemeinsam etwas. Wenn Du alleine losziehst, wirst Du also keinesfalls dauerhaft alleine sein. Es ist die Erfahrung wert, zumindest für einige Tage ein "solo-traveller" zu sein. Der größte Vorteil dabei ist, dass Dir niemand Vorschriften macht und Du genau das tun kannst, worauf Du Lust hast. Klingt gut, oder?

10. Zeit lassen

Europa hat so viel zu bieten, dass es verlockend wirkt, von Ort zu Ort zu hetzen, um möglichst viel zu sehen. Das ist aber keine gute Idee! Es fühlt sich überhaupt nicht toll an, kaum irgendwo angekommen zu sein und schon wieder aufbrechen zu müssen. So lernt man niemanden kennen, sieht kaum etwas von den Reisezielen und ist bald sehr erschöpft. Es ist schon anstrengend genug, längere Zeit unterwegs zu sein. Entweder solltest Du also genug Zeit für Deine Interrail-Reise einplanen oder die Zahl der Reiseziele beschränken. Nach meiner Erfahrung ist es sinnvoll, zwei Nächte in kleinen und vier Nächte in großen Städten zu verbringen.

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