Das kotzt mich an

10 Dinge, die einen Fahrkartenkontrolleur nerven

Anika Maldacker

Jäger auf Schwarzfahrer oder einfach Menschen, die sich erbarmen den Job zu machen? Fahrkartenkontrolleure haben nicht den beliebtesten Beruf. Wir haben mit einem Freiburger Kontrolleur der VAG gesprochen und gefragt, was stört.

1. Das schlechte Image der Kontrolleure

Für viele sind die Fahrscheinkontrolleure oft die Bösen. Aber wir sind auch für viele Fahrgäste die ersten Ansprechpartner in der Bahn. Der Fahrer ist hinter der Scheibe, die VAG ist eher telefonisch erreichbar. Oft fragen uns die Fahrgäste einfach, was ihnen auf dem Herzen liegt. Es ist nicht so, dass wir nur auf Kundinnen und Kunden ohne Fahrscheine ausfindig machen wollen. Wir machen auch viel Kundenservice. Die Leute sind dann glücklich, wenn sie nicht extra irgendwo anrufen müssen. Wir helfen den Fahrgästen auch gerne ungefragt. Beim Park-and-Ride-Platz in der Bissierstraße gibt es beispielsweise einen Automaten, wo oft Leute rumstehen und man sofort merkt, dass sie Hilfe brauchen. In solchen Situationen zu helfen, ist dann eine schöne Seite des Berufs. Und wenn es etwas gäbe, was mir gar nicht gefiele, würde ich den Job nicht machen.

2. Nicht alle Fahrgäste begegnen uns aggressiv

Wir haben mehr als 80 Millionen Fahrgäste im Jahr, rund zwei Prozent der Kontrollierten haben keinen Fahrschein. Davon wiederum gibt es einen ganz kleinen Teil, der das nicht akzeptieren will. Man muss das immer in Relation sehen. Manche Fahrgäste lachen sogar, wenn sie merken, dass sie keinen gültigen Fahrschein haben. Viele ärgern sich mehr über sich selbst als über uns.

3. Es ist dennoch verletzend, beleidigt zu werden

Wir verstehen, dass Fahrgäste sich nicht freuen, wenn sie ohne Fahrschein erwischt werden. In den acht Jahren, in denen ich den Job mache, haben aber leider die Beleidigungen zugenommen. Es gab auch schon körperliche Angriffe, aber das ist die Ausnahme. Was die Beleidigungen angeht, braucht man aber ein dickes Fell. Das nervt schon, wenn man mit harten Schimpfwörtern beleidigt wird – es tut auch weh. Im Einzelfall muss man Anzeige erstatten.

4. Wir sind nicht die Fiesen in der Bahn, sondern können auch mitfühlen

Obwohl es unser Job ist, zu kontrollieren, können wir verstehen, dass es sehr unangenehm ist, ohne Fahrschein erwischt zu werden. Wir Kontrolleure sind auch Menschen, wir haben Familien. Wir versuchen auf die Fahrgäste einzugehen. Wenn es ihnen peinlich ist, versuchen wir sie abzuschirmen. Wenn Menschen weinen, dann steigen wir mit den Leuten aus, damit sie sich beruhigen können.

5. Dass wir im Team arbeiten, soll uns auch schützen

Wir arbeiten nicht im Team, um bedrohlicher zu wirken, sondern auch aus Eigenschutz. Und auch, damit es mehrere Beobachter gibt, falls eine Situation mal eskaliert. Manchmal ist es auch einfacher, wenn man zu zweit beim Fahrgast steht und eine Person noch was am Telefon abklären kann, während die andere die Personalien aufnimmt.

6. Wenn sich andere Fahrgäste einmischen, ist das oft hinderlich

Manchmal ist es auch gut, dass man zu zweit ist, wenn sich andere Fahrgäste einmischen. Das ist zwar oft gut gemeint, aber kann für den Fahrgast peinlich sein. Schwierig wird es, wenn sich dann andere Leute einmischen. Das macht die Situation nicht einfacher.

7. Wir gehen von der Unschuldsvermutung aus

Wenn wir jemanden kontrollieren und die Person erklärt, dass sie die persönliche Monatskarte daheim vergessen hat, dann gehen wir davon aus, dass das stimmt. Wir erklären dann das Prozedere. Wir denken nicht sofort das Schlechteste vom Fahrgast.

8. Es stimmt nicht, dass wir Provision kriegen

Viele werfen uns vor, dass wir Provision kriegen für jeden entdeckten Schwarzfahrer. Das ist aber zum Glück nicht so. Es gibt Vorgaben, an die wir uns halten müssen. Ist das Ticket gültig oder nicht? Viele denken auch, dass wir verstärkt am Monatsbeginn kontrollieren. Das ist auch nicht richtig. Wir sind festangestellt und arbeiten den Monat über im selben Rhythmus von Betriebsbeginn bis zum Betriebsschluss – übrigens auch an Feiertagen und am Wochenende, genauso wie die Fahrerinnen und Fahrer.

9. Es nervt, wenn die Leute sich nur auf eine Tür stürzen

Anstatt sich auf alle Türen zu verteilen, wollen alle Fahrgäste hinten rein. Das verzögert den Betriebsablauf und macht auch das Abstandhalten schwer.

10. Bahnfahren ist auch in der Corona-Pandemie sicher

Auch wenn es oft heißt, dass die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmittel nicht so ernst genommen wird, muss ich doch lobend hervorheben, dass es ein kleiner Bruchteil ist, der sich nicht daran hält. Es beschweren sich zwar einige darüber, aber die meisten halten sich daran. An jeder Haltestelle wird außerdem gelüftet. Ich denke das Bahnfahren ist schon sehr sicher.

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