Mahnwache für George Floyd

10.000 Demonstranten setzen in Freiburg ein Zeichen gegen Rassismus

Simone Höhl

Black Lives Matter: Bis zu 10.000 Menschen gedenken bei einer Mahnwache in der Freiburger Innenstadt des getöteten George Floyd - und anderer Opfer von Polizeigewalt, auch in Deutschland.

Der Platz der Alten Synagoge in der Freiburger Innenstadt ist voll. Als die Mahnwache zum Gedenken an den getöteten US-Amerikaner George Floyd am frühen Samstagmittag beginnt, schätzt die Polizei, dass sich rund 5000 Menschen versammelt haben. Und es kommen immer mehr. In der Spitze werden es 10.000.


"I can’t breathe" und "White Silence is Violence"

Viele Menschen tragen Schwarz und halten selbstgemalte Schilder hoch. "Black lives matter", steht auf einem, auf dem Plakat einer älteren Frau steht: "Freiburg – kein Platz für Rassismus". Drei junge Frauen schreiben auf Pappe den Satz "I can’t breathe". Der Schwarze George Floyd hatte gesagt, dass er nicht atmen kann, als er am Boden lag und ein weißer Polizist ihm sein Knie ins Genick drückte. Der Satz wird bei vielen Protesten in den USA skandiert. Am Samstag wird auch in etlichen deutschen Städten demonstriert.

"Wer Rassismus sucht, muss gar nicht so weit über den Teich gucken." Demo-Teilnehmer
"Es ist ein Privileg", sagt eine Sprecherin zur Möglichkeit sich frei zu äußern, erinnert aber gleichzeitig an Ungerechtigkeit. "Wer Rassismus sucht, muss gar nicht so weit über den Teich gucken", sagt ein junger Mann. Und ein 29-Jähriger aus Gambia bittet schließlich alle, eine Minute nachzudenken und sich hinzuknien. Als der ganze Platz wieder aufsteht, gibt es Applaus. "Ich habe Erfahrungen mit Rassismus gemacht", fährt Baboucarr Boye am Mikrofon fort und berichtet von Bulgarien. Aber er erzählt auch, wie in Freiburg zweimal Passanten auf ihn zukamen und sagten, er solle in sein Land zurückgehen.

Schwarze würden als bedrohlich angesehen, nur wegen ihrer Hautfarbe, meint Boye und fordert dazu auf, Alltagsrassismus nicht unkommentiert zu lassen, sondern auf Menschen zuzugehen und Kontakt zu anderen Kulturen zu suchen: "Hautfarbe spielt keine Rolle – weil wir alle atmen."

Zu der Mahnwache in Freiburg aufgerufen hatten das Antidiskriminierungsreferat der Uni, die Gruppen "Our Voice" und "Here and Black" sowie die universitäre BIPoC-Gruppe (Black, Indigenous and People of Color). Viele Teilnehmer tragen Mundschutz. Auf die Aufforderung der Organisatoren, untereinander Abstand zu halten, bewegt sich die Menge auf dem Platz auseinander.

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