Zwischen Melodram und Stand-Up-Comedy: A-Capella-Nacht auf dem ZMF

Gina Kutkat

Die beiden A-Capella-Bands des gestrigen Abends, Basta aus Köln und Naturally 7 aus New York City, hätten unterschiedlicher nicht sein können: die einen komisch-charmant, die anderen dramatisch-religiös. Doch in einem waren sie sich einig: Musik funktioniert auch ohne Instrumente. Ob das wirklich so ist? Gina hat es sich angehört.



Basta

Basta wissen, wo ihre Stärken liegen. Sie sind die Traum-Schwiegersöhne, "Die Prinzen" in spießig. Sie wollen gemocht werden und sie werden gemocht, diese fünf Männer um die vierzig, die perfekte Stimm-Akrobatik in lustige Texten über Frauen, Männer und deren kleine Problemchen in instrumentlose Songs verpacken. Ihr Konzept der seichten Unterhaltung funktioniert: das Publikum schenkt ihnen zum Dank Standing-Ovations.



Basta jonglieren mit ihren Stimmen, wie sie auch mit Texten jonglieren. Abba's "SOS" wird hier zu einem Song über das schlechte Essen auf Tour: "Bei Esso ess' ich". Das Publikum liebt sie dafür genauso wie für die kleinen Wahrheiten über die "Spielerfrauen" der Fußballnationalmannschaft. Charme und  komödiantisches Talent, ein bißchen Schauspiel und eine Menge guter Ideen, das ist das Erfolgsgeheimnis von Basta.



In den Überbrückungspausen lockern die stilvollen Kölner das sitzende Freiburger Publikum mit Gags auf, die den bekannten Stand-Up-Comedians Deutschlands in nichts nachstehen. Jeder Song birgt eine kleine Geschichte: mal geht es um die perfekt aussehende Freundin, die einen Schönheitschirurgen zum Vater hat, mal um die Liebste, die zuviel heult, in Basta-Worten dann "Du Tropfst".

Klar, dass Basta auch das Schauspiel und die Persiflage beherrschen: Herbert Grönemeyer wird "Er gehört zu mir"- singend ganz gut durch den Kakao gezogen und Dean Martin singt im betrunkenen Zustand Madonna's "Like A Virgin". Zum Abschied gibt es dann einmal Karel Gott's "Biene Maja" für alle.

 



Naturally 7

Sieben Kerle, sieben gewaltige Stimmen und mehr als sieben gute Gründe, um Naturally 7 den Preis für die größte Melodramatik auf einer Bühne des ZMF zu verleihen. Balsam für die Seele ist das nämlich, was die New Yorker nach einer kurzen Pause den Zuschauern um die Ohren spülen. Bevor mir jedoch an dieser Stelle das Wort Schmalz herausrutscht: lieber zu den A-Capella-Qualitäten übergehen.

Denn die sind einfach atemberaubend. "Vocal Play" nennen Naturally 7 ihre Musik. A-Capella-Band wäre schlicht und einfach eine Untertreibung, denn die sieben Amerikaner singen nicht, sie zaubern. Und eigentlich haben sie sehr wohl Instrumente auf der Bühne. So "spielt" Warren Thomas Percussion und Gitarre, Rod Eldridge ist der Trompeter. Die Besetzung wird vervollständigt durch Drums, Bass, Geigen, Flöten - und alles per Vocals.



Meine Augen hängen die meiste Zeit an Basser Armand, der seinen Gesang durch Luft-Bass-Spielen kontrolliert und so tiefe Töne aus seinem dünnen Körper fahren lässt, dass der Boden vibriert. Naturally 7 performen eigene Songs, kramen aber auch ein paar alte Schmachtfetzen aus: "More Than Words" von Extreme, "Scarborough Fair" von Simon und Garfunkel und "Amazing Grace", für die gläubigen Jungs von Naturally 7 sowas wie eine Hymne. Liebe, Glaube und Hoffnung - Begriffe, als deren Boten sich Naturally 7 verstehen.

Damit es nicht allzu kitschig wird, glänzen die Sieben mit Rap-Einlagen und einem großartigen Live-Sample per Loop-Recorder.



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