Zwischen Küchenfenster und Playboy-Lounge: Eine Begegnung mit Joachim Gauck

Marius Buhl

Zuerst hielt Bundespräsident Joachim Gauck heute Nachmittag im Konzerthaus die Festrede zum 60. Jubiläum des Walter-Eucken-Instituts, dann begegnete er fudder-Autor Marius Buhl - während dieser sich gerade einen Pfannkuchen buk:



Wir waren beide etwas überrascht, Joachim Gauck und ich, als wir uns heute getroffen haben. Er, der Pastor, Nummer eins im Staat, Bundespräsident der Herzen. Und ich, grad Hunger auf Pfannkuchen.


Geplant war das bestimmt nicht, zumindest nicht von mir. Jedenfalls stehe ich da, gieße etwas Pfannkuchenteig in die Pfanne und schaue dabei aus dem Küchenfenster. Was ich sehe, lässt mich wundern: Im Hinterhof, auf den ich nun blicke, steht ein schwarz-glänzender BMW, ein 7er, feine Karre.

Eigentlich nichts Seltenes, da hinten stehen öfters schnelle Autos, es ist der Hintereingang zum Konzerthaus. Robert Zollitsch habe ich schon gesehen, Reinhold Messner, die Wise Guys. Und auch die Philharmoniker verabscheuen die schnellen Wagen nicht. Verwunderlich heute ist nur das Kennzeichen. Auf dem sonst ganz normal wirkenden Schild stehen lediglich zwei Ziffern: 01.

Nervös wie ein Jungministrant in einer Papstaudienz

Ich ahne, was gleich passieren wird, zücke das Smartphone und erwische den genau richtigen Moment. Schwungvoll öffnet sich die Konzerthaushintertür, eine Entourage schwarzgekleideter Kleiderschränke schreitet staatstragend über den Asphalt des Hinterhofs. Die Kulisse: alles andere als staatstragend, von der lausigen Terrasse der Playboy-Lounge, wo sich hin und wieder ein „Model“ eine Zigarette gönnt (heute nicht), über die taubenkackebeschmierten Rückwände der Sedanhäuser, zu der bunkerhaft wirkenden Fassade des Konzerthauses ist alles mausgrau.

Nicht so der Bundespräsident: Gut gelaunt trippelt der Principe seinen Schränken nach, lächelt nach links und nach rechts und wirkt völlig entspannt. Ich dagegen: nervös wie ein Jungministrant in einer Papstaudienz. Drücke den Auslöser meiner Kamera, wieder und wieder - und bin dann verwirrt. Auf dem Bildschirm sehe ich den kleinen Mann mit den grauen Haaren, wie er langsam aufblickt, die Hand hebt und euphorisch winkt.

Gilt das mir? Ich schaue nach links und rechts, da ist sonst niemand. Ob es der Pfannkuchengeruch ist? Hat der Hunger? Entzückt blicke ich vom Smartphone auf, will ebenfalls grüßen und ihm zurufen. Doch das "Mister President" bleibt mir im Halse stecken, der Präsident ist schon im Auto verschwunden. Die Türe kracht ins Schloss, das Polizeimotorrad düst davon und der Präsident hinterher.

Ich schließe das Fenster. Die Pfannkuchen sind verbrannt.

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