Zwiebelfisch: Naidoo-Stern und Bad Religion-Kreuz

David Weigend

Das Thema Branded Pop wirft einige interessante Fragen auf: Müssen Bandlogos sinnhaft sein? Warum gibt es ein Auto, das nach Bon Jovi benannt wurde? Warum sind Schriftzüge von Metalbands meist in Frakturschrift gehalten? Diese Fragen haben die Redakteure des aktuellen Zwiebelfisch-Magazins aus Freiburg beantwortet.



Was ist Zwiebelfisch?

Das Magazin Zwiebelfisch ist die praktische Umsetzung von dem, was die Studenten an der Freien Hochschule für Grafik-Design in Freiburg lernen. So ein Magazin zu stemmen, ist anspruchsvoll. Denn die Heftmacher müssen sich nicht nur um die Gestaltung, sondern auch um die Finanzierung kümmern.



Die aktuelle Ausgabe

...behandelt das Thema Branded Pop. Aufhänger und Haupttext ist ein lesenswertes Gespräch von Gerrit Terstiege mit Diedrich Diederichsen. Darin geht es um das Zusammenspiel von Marken und Popkultur: Mit welcher Strategie versuchen sich Bands und Popstars zu vermarkten? Diederichsen bringt da den Begriff "Sound-Logo" ins Spiel, etwa, wenn eine Automarke mit einer verballhornten Version von Iggy Pops "The Passenger" beworben wird.

Die Texte in "Zwiebelfisch" sind meistenteils Zweitveröffentlichungen. Das Diederichsen-Interview ist bereits in der Designzeitschrift Form erschienen.

Der Glücksgriff

112 Seiten in Farbe zu drucken, das würde normalerweise wohl über 10.000 Euro kosten. Die Mitarbeiter der Freien Hochschule für Grafik-Design untestützen die Jungredakteure zwar mit Rat und Tat, doch nicht mit Geld. Jochen Schnekenburger, 26, der Graphikdesign im siebten Semester studiert und am aktuellen Heft mitgearbeitet hat, ist es aber gelungen, die Heidelberger Druckmaschinenwerke für den Zwiebelfisch zu gewinnen. "Die drucken ja eigentlich nicht, sondern stellen nur die Druckmaschinen her", sagt Jochen.

Der Clou: Die Heidelberger haben das Magazin in ihrer Testdruckerei gedruckt. Jochen hat auf gut Glück beim Geschäftsführer angerufen und es hat funktioniert. „Der fand das super, obwohl er Zwiebelfisch noch gar nicht kannte.“



Making of

Im Kernteam waren 16 Studenten ein Jahr lang mit der Produktion des aktuellen Zwiebelfischs beschäftigt. Jochens Job war es zum Beispiel, einen Essay über die Entstehung von Punk in New York graphisch umzusetzen. "Ich hatte also Fließtext Word und sollte daraus einen ansprechenden Magazinartikel basteln. Die Herausforderung lag für mich darin, den Artikel graphisch nicht zu überladen", sagt Jochen.



Bandlogos

Symbole, Logos, Silhouetten, Schriftzüge - all das gehört inzwischen zur Identität bestimmter Bands: Der Jamiroquai-Büffelhut, das Herz-Pentagramm von HIM, der Mann im Fadenkreuz bei Public Enemy. Diese Symbole müssen nicht immer sinnhaft sein. Das ist eine schöne Erkenntnis, die man aus der Lektüre eines Zwiebelfisch-Artikels gewinnt.



Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten auf Anfrage eines Fans nach dem Neubauten-Männeken (S. 18): "Dieses Logo ist ein toltekischer Petroglyph -die Tolteken waren eine mittelamerikanische Kultur, vor Maya, Azteken, Inkas - ein Steinzeichen. Die Frage nach der Bedeutung erübrigt sich insofern, als keine Tolteken mehr da sind, die uns das mitteilen könnten und sie auch keine Schriftkultur hatten. Insofern ist da jede Deutung offen, und ich wollte nur ein Zeichen benützen, das erst mal nichts bedeutet, das man mit Bedeutung anfüllen kann. (...)"



Jochen findet die Rolling Stones-Zunge ein gelungenes Bandsymbol, denn "jeder weiß, was damit gemeint ist." Wolfgang Wick, der Koordinator von Zwiebelfisch, sagt: "Dagegen finde ich dieses Sternchen von den Red Hot Chilli Peppers weniger gelungen. Da hätte ich als Grafiker lieber eine rote Peperoni gesehen. Auch das M-Wappen von Madonna finde ich als Logo missglückt. Ihr Name ist eher das Branding.



Das Designforum

"Beim vielgeliebten Bob Dylan ist gar nicht so bekannt, dass er in den USA auch Werbung macht für Immobilien, Sprudelwasser und Unterwäsche. Unsere Referenten werden das auf dem Designforum zeigen", sagt Wolfgang Wick.

Der 48-Jährige organisiert diese Veranstaltung, die am Samstag im E-Werk über die Bühne geht und das Thema Branded Pop ausführlich thematisiert - in Gesprächen (unter anderem mit Klaus Theweleit über Bob Dylan), einer Lesung (Dietmar Dath über seine neuen Lieblingsbands), einer Ausstellung sowie Livemusik am Abend und DJ-Sets bis zum Morgengrauen.



Ausblick

Das neunte Zwiebelfisch-Magazin erscheint voraussichtlich im Dezember mit dem Thema "Chelsea Hotel - Zufluchtsort der Ausgeflippten". Auch Jochen Schnekenburger wird im März nach New York reisen, um diesen legendären Treffpunkt der Beat Generation zu fotografieren.

Mehr dazu:

Was: 5. Designforum Freiburg, Vermarktungsstrategien der Popmusik
Wann: Samstag, 28. Februar,  10.30 Uhr - open end
Wo: E-Werk, Escholzstr. 77
Eintritt: Tageskarte für Studenten inklusive Zwiebelfisch-Magazin 18 € VVK / 26 €, Abendkarte ab 20 Uhr 8 €, Nachtkarte ab 24 Uhr 5 €.