Zwei Stunden Retro-Rutsche: Blumentopf im Jazzhaus

Daniel Weber & Florian Forsbach

Der T, der O, der P, der F. Gestern Abend stattete wieder einmal Deutschraps Baldherrenmannschaft Blumentopf Freiburg einen Besuch ab. Bei ihrem Tourauftakt spielten die fünf Münchner im ausverkauften Jazzhaus und kombinierten Retro-Rutsche mit frischem Output. [Mit Fotogalerie!]



Man kommt ja als Rezensent von etwas Blumentopfigem eigentlich nicht drumherum, die Bandgeschichte der fünf Münchner zu rekapitulieren: 20 Jahre, sieben Studioalben, dazu inzwischen regelmäßige Solowürfe, Fußball-Raporter in der ARD bei vier großen Turnieren - und vor allem eine breite Fanbasis sowie der Ruf des Bühnenabrissunternehmens.

Diesem wurden Cajus, Holunder, Roger, Sepalot und Schu auch im Jazzhaus wieder gerecht, in dem sie nach ihrer Freestyle-Tour 2009 erneut Halt machten. Die mittelgroßen bis großen Bühnen dürften die graumelierten Rapper inzwischen in jeder bundesdeutschen Stadt schon bespielt haben. Jazzhaus, das E-Werk, der Alte Güterbahnhof oder auch das ZMF-Zirkuszelt haben sie im Breisgau zumindest schon abgehakt.

Nach dem sympathischen Support-Act Roger Rekless, der Stunden zuvor schon an der Wall of Fame in der Ganter-Unterführung seine Spuren hinterlassen hatte, stellten sich zuerst die MCs Roger und Cajus vor die Decks von Sepalot, um die ersten Strophen von "T.O.P.F." aus dem 2001er Album „einsA“ zu rappen, ehe dann abwechselnd auch Holunder und Schu die Kombo komplettierten. Von da an ging es in ziemlich genau zwei Stunden zwischen Retro-Rutsche und frischem Output vom aktuellen Album „Nieder mit der GbR“ durch den Abend.



Zwischen Brechern wie „Affentanz“ und Kopfnickernummern wie „Manfred Mustermann“ takteten die Münchner immer wieder ihren großen Katalog eng innerhalb einzelner Songs, wenn die eine Strophe aus dem einen Song in eine andere aus einem anderen überging. Das Topf’sche "Jump Around" namens "Party Safari" läutete Sepalot mit einer astreinen Scratch-Routine ein.

In die zwei Freestyle-Sessions webten die Münchner lokale Themen wie den Sportclub, Rothaus Bier, oder den zweifelhaften Doping-Ruf der Uni-Klinik ein. Großes Kino! Auch der Heilbronner Schrägstrich Freiburger MC Waldo The Funk, der zuletzt die in Rapkreisen beachtete LP Tokyis veröffentlichte, wurde als Gast auf der Bühne empfangen. Am Ende mündete das Konzert in einer Zugabe mit dem melancholisch melodischen Track „Blattgold auf Anthrazit“. Eine Zeile darin lautet: „Hätte ich drei Wünsche frei / Dann wüsste ich grad kein’“. Blumentopf ließen an diesem Abend wieder einmal keine Wünsche offen.



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Fotogalerie: Florian Forsbach

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