Zwei Mal Pelle: Eine Meinung

Alexander Ochs & Christian Beller

Tja. Da ist uns bei fudder ein Fehler passiert: Sowohl Christian als auch Alex waren gestern Abend für uns beim Konzert von Pelle Carlberg im Swamp. Weil wir Euch keins der beiden Reviews vorenthalten wollten, gibt es heute also zwei Mal Pelle, von zwei Männern, mit einer Meinung.

Pelle zum Ersten: Alex



Pelle Carlberg, der König des schwedischen Pop, überflutete das Swamp mit zuckersüßen Melodien – ironisch gebrochen durch seine witzigen Texte. Dabei war das Publikum so was von hautnah mit dabei, wie das dem Schweden schon jahrelang nicht untergekommen ist.


Als Support wagte sich Tristan Brusch auf die Bühne, „der sensible Junge an der Gitarre“, wie er sich selbst charakterisierte. Wahlweise mit Gitarre oder Banjo lieferte er als „Shoegaze-Singer/Songwriter“, dies wieder eine Selbsteinschätzung, sehr ruhige, introvertierte Songs ab, die für ein Warm-up zu lauwarm und halbgar waren, als dass sie irgendjemandem richtig hätten einheizen können.

Ganz anders Pelle Carlberg: In Begleitung seines entspannt trommelnden und auch mal trötenden oder Xylophon spielenden Schlagzeugers Johathan Hummelman und seines soliden Bassisten Martin Nordvall konnte er das Freiburger Publikum mit seinen süßen, großartigen Melodien gleich für sich erwärmen. Sehr eingängige, leicht folkgeschwängerte Indiepop-Songs mit Sixties-Anleihen, wobei er wie ein klassischer Singer/Songwriter für den Gitarren- und Gesangspart zuständig ist.



Da das Swamp sehr gut gefüllt war, tat sich ein kleines Nähe-Problem auf. „Normalerweise haben wir eher das Problem, dass die Leute weit weg stehen und wir sie näher ranholen müssen. Aber so nah am Publikum haben wir schon lange nicht mehr gespielt“; erklärt der Frontmann.

Pelle auf die Pelle rücken war also angesagt; ganz ohne Berührungsängste.



Dafür, dass seine Musik nicht zu zuckrig aus den Boxen tropft, sorgen die sympathischen Ansagen und die witzigen Texte, die das Ganze ironisch brechen. So erweist sich Pelle Carlberg in seinen Texten als guter Geschichtenerzähler. In „Middleclass Kid“ lässt er (s)eine schwedische Kindheit Revue passieren. In „I touched you at the soundcheck“ erzählt er von seiner Begegnung mit dem „The Smiths“-Drummer bei einem Gig in Kopenhagen. Und einer Kritikerin, die einen Auftritt seiner früheren Band Edson verriss, schneiderte er gleich einen Song auf den Leib: Er trägt den verräterischen Titel „Go to Hell, Miss Rydell”.

"Dial ‘14 80 20’ when you are in Uppsala. You will probably reach the parents of my old friend Fredrik“, rät der 1969 geborene und damit gar nicht mal so alte Schwede. Telefonisch inspiriert ist auch ein weiterer Song. Pelle Carlberg im Gespräch mit Johan, dem Chef des Indiepop-Labels Labrador. „There’s no single!“, beschwert sich der Plattenboss nach dem Anhören des neusten Bandmaterials. Sein Rat: „You could try to write a better one.“ Okay, sagt sich Pelle Carlberg – und liefert hämisch-schelmisch eine zünftige Single ab mit dem Titel “Hit Song”.

Die Schweden-Combo war von ihrer Freiburg-Premiere so angetan, dass sie erst nach mehreren Zugaben ihre gut gelungene Gute-Laune-Musik verstummen ließ und die Instrumente beiseite legte.





Pelle zum Zweiten: Christian



Nach den USA und Großbritannien ist Schweden die drittgrößte Musikexport-Nation der Welt und besonders im Bereich der Popmusik war Schweden schon immer eine internationale Größe.

Im Gegensatz zur deutschen Musiklandschaft gibt es dort eine frische und lebendige Indie-Pop-Szene. Eine der besten Adressen für wunderbare neue Popmusik ist das seit knapp 10 Jahren bestehende Label Labrador und gestern bekam man endlich auch mal in Freiburg die Gelegenheit eine der bekanntesten Persönlichkeiten von eben diesem Label live zu bestaunen.



Der 1969 in Uppsala geborene Singer/Songwriter Pelle Carlberg hatte schon in frühester Jugend erste Auftritte mit vielen unterschiedlichen Bands, die aber weitgehend unbekannt blieben. Dies änderte sich, als 1998 Edson gegründet wurde. Pelle Carlbergs unverwechselbare Stimme, gepaart mit großartigen Texten und wundervollen Melodien dürfte auch jeden Belle & Sebastian-Fan glücklich gemacht haben. Auch wenn sich Edson nach drei Alben trennten, die Musik auf den beiden Soloplatten von Pelle Carlberg blieb im Grunde dieselbe und so überrascht es auch wenig, wenn der vierfache Vater bei seinen Solokonzerten auch den ein oder anderen Edson-Song anstimmt. Aber dazu später mehr.

Der Konzertabend im Swamp wurde zunächst von Tristan Brusch eröffnet, einem gerade mal 19-jähriger Musiker aus Tübingen, dem die Anspannung deutlich anzumerken war. Das Publikum im mit etwa 80 Besuchern sehr gut gefüllten Swamp reagierte verhalten auf den kurzen Auftritt des jungen Herrn. Es gab höflich Applaus, aber so richtig vermochten die allein mit Gitarre oder Banjo vorgetragenen Lieder nicht zu begeistern.

Als Pelle Carlberg dann kurz vor 22 Uhr mit seinen beiden Mitmusikern die Bühne betrat, taute auch das Publikum langsam auf. Es machte einfach Spaß, dem sympathischen Schweden zuzusehen und zuzuhören. Die mühselige Anreise, bei der das Auto der Band leider irgendwo bei Nürnberg stehen gelassen werden musste, war den Jungs nicht anzumerken. Das Set umfasste all die wundervollen Songs mit so fantastischen Titeln wie „I Love You, You Imbecile“, „How I Broke My Foot And Met Jesus“ oder „Clever Girls Like Clever Boys Much More Than Clever Boys Like Clever Girls“.



Aus dem Edson-Repertoire wurden „148020“ und „Sunday, Lovely Sunday“ gespielt, als erste Zugabe hat Pelle Carlberg dann allein den „Mika“-Hit „Grace Kelly“ gecovert, bei „Pamplona“ hat das gesamte Publikum fleißig „Nana nananananananaaa“ mitgesungen und dazwischen gab's immer wieder schöne Geschichten zu hören, zum Beispiel die Story über die schwedische Musikkritikerin, die das letzte Edson-Album verrissen hat und auf der dann auch Pelle Carlbergs erste Single „Go To Hell, Miss Rydell“ basiert oder über den benötigten Hit-Song auf „In A Nutshell“.

Hits gab es auf jeden Fall genug zu hören und als mit tosendem Applaus nach der zweiten Zugabe Schluss war, hatte man wirklich einen „Sunday, Lovely Sunday“. Bleibt zu hoffen, dass auch weiterhin ein paar Leute soviel Engagement zeigen, um so großartige Künstler wie Pelle Carlberg nach Freiburg zu holen!



Mehr dazu:

Pelle Carlberg: Website& MySpace