Zwei Jahre OpenOffice für die Stadt: Versuch einer Bilanz

Christoph Müller-Stoffels

Vor knapp zwei Jahren hat sich die Stadt Freiburg von Microsoft losgesagt und auf das Open-Source-Produkt OpenOffice umgestellt. Wir haben nachgefragt, wie die Erfahrungen mit der kostenlosen Software sind. Die Bilanz fällt überwiegend positiv aus.



Auch wenn die Umstellung von Microsoft Office auf das Open Source-Produkt OpenOffice nicht so schnell funktioniert hat, wie sich die Verantwortlichen das erhofft hatten, ist doch inzwischen ein erheblicher Teil der Software der Stadt Freiburg ausgetauscht. Das war nicht immer einfach, wie Edith Lamersdorf vom Pressereferat der Stadt berichtet.


"Natürlich hat man es bei so einer Umstellung mit Schwierigkeiten zu tun. Manche sind dabei echt, manche nur gefühlt." Rüdiger Czieschla, der die Umstellung federführend vorangetrieben hat, hat sich im vergangenen Juni in ein Sabbatjahr verabschiedet. "Er meinte, jetzt, wo alles angelaufen ist, könnten wir das auch ohne ihn." Dabei ist immer noch viel zu tun.

Das größte Problem war, OpenOffice mit den über 300 verschiedenen Fachanwendungen in Einklang zu bringen, die in den unterschiedlichen Ressorts der Stadt zum Einsatz kommen. Diese dürfen bereits seit 2004 nur noch Web-basiert sein. "Bei uns kümmert sich vor allem ein Mann unheimlich engagiert um die ganze Angelegenheit. Aber mehr als arbeiten kann er natürlich auch nicht."

Vollzogen wurde der Schritt vor knapp zwei Jahren insbesondere, um etwa eine halbe Million Euro an Lizenzgebühren an den amerikanischen Softwarehersteller Microsoft einzusparen. Ob das gelungen ist, kann Lamersdorf nicht wirklich sagen.

"Es ist schwer zu beziffern, wie viel Geld wir letztlich eingespart haben, denn wir hätten mit Microsoft in Verhandlungen treten müssen, und zu dem Zeitpunkt sind die mit den Gebühren runtergegangen, weil viele Städte und Kommunen den Schritt zu OpenOffice gegangen sind." Fakt sei aber, dass die Lizenzgebühren eingespart würden. Allerdings stünden dem Kosten für die Umschulungen gegenüber. Wirkliche Einsparungen lassen sich wahrscheinlich erst in einigen Jahren beziffern.

Von Vorteil sei dabei, dass bereits 2002 von der Stadt eine einheitliche IT-Strategie beschlossen wurde, die besonders darauf ausgerichtet ist, einfachere Arbeitsplätze (gemeint sind die, die nur ein Schreibprogramm benötigen) als Thin Clients einzurichten. Die Programme sind dabei auf den zentralen Servern gelagert.

Nachdem ab dem 28. November 2008 OpenOffice an allen Arbeitsplätzen der Verwaltung zur Verfügung stand, wurden bis zum 31. März 2009 alle Beschäftigten in 52 Einführungsveranstaltung über die Unterschiede zwischen MS Word und OpenOffice informiert. In einem stadtinternen Wiki stehen allen alle wichtigen Infos und Antworten zur Verfügung. "Alle rund 200 Sekretariate und Schreibkräfte sind darüber hinaus in zweitägigen Seminaren auf die Umstellung vorbereitet worden", ergänzt Lamersdorf. "Die Schulungen wurden von der derzeit besten OpenOffice-Kennerin in Deutschland und Fachbuchautorin Jacqueline Rahemipour gemacht."

Die Beschäftigten äußern sich überwiegend positiv zum neuen Werkzeug. So meint Daniela Kirst vom Haupt- und Personalamt: "Wir waren die Test-Pioniere bei der Anwendung. Und wir sind total begeistert von dem Programm. Es ist verständlicher, die Logik ist einfacher als bei Windows. Natürlich hat OO auch noch Kinderkrankheiten, aber es ist sehr ausbaufähig." Und Melanie Metzger aus der Stadtkämmerei ergänzt, sie habe keine negativen Erfahrungen mit OpenOffice gemacht. "Es braucht einfach Zeit, sich einzuarbeiten. Aber jetzt komme ich sehr gut damit zurecht."

Freiburg ist nicht die einzige Stadt, die Microsoft den Rücken gekehrt hat. Und so kann man auch mit anderen Städten und Kommunen Erfahrungen austauschen. Wenn es Probleme gibt, hilft man sich. "Erst gestern hatte ich eine Anfrage von der Stadt Rostock. Der Austausch ist allerdings nicht zentral geregelt, sondern von Ressort zu Ressort unterschiedlich und verläuft, wie in diesem Fall, auch zwischen den gleichen Ressorts der verschiedenen Städte."

Ob in den kommenden Jahren weitere Umstellungen geplant sind? Lamersdorf seufzt, lacht und meint dann deutlich: "Nein, jetzt ist es erst einmal gut." Es war eben doch nicht so einfach, wie man es sich vorgestellt hatte.

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