Zwei Glottertäler als Würstchenverkäufer auf dem New Yorker Weihnachtsmarkt

Anna-Lena Zehendner

Markus Reichenbach (29) und Andreas Beha (30) kommen aus dem Glottertal. Diesen Winter haben sie das dörfliche Idyll verlassen, um in New York auf dem Weihnachtsmarkt Würstchen zu verkaufen. Anna-Lena hat mit Markus über den Job im Big Apple gesprochen.



Markus, worin unterscheidet sich der Weihnachtsmarkt in NY im Vergleich zu unseren in Deutschland?

Unser Glühwein ist in Wirklichkeit Kinderpunsch und sie saufen es trotzdem wie verrückt. Alkohol ist hier schließlich  in der Öffentlichkeit verboten. Aber sonst sind sich die Weihnachtsmärkte sehr ähnlich. Es gibt viel Essen, Holz- und Handarbeiten und eben ganz viel Christbaumschmuck.

Wie sind Andreas und Du an den Job in New York gekommen?

Andy (Bild unten links) wurde von seinem Freund Ingo gefragt, ob er nicht auf dem Weihnachtsmarkt in New York arbeiten möchte. Er ist hier unser Chef und arbeitet bei German Delights, die deutsche Produkte nach Kanada und in die USA verkaufen. Schließlich hat Andy mich immer wieder damit angestochert. Irgendwie fand ich die Idee von Anfang an lustig. Es hat aber sechs bis acht Wochen gedauert, bis es konkret wurde und wir endgültig zugesagt haben.

Wie sieht eure Arbeit auf dem New Yorker Weihnachtsmarkt aus?

Wir haben  insgesamt vier Stände in Betrieb - zwei am Union Square und zwei am Columbus Circle. Am Union Square verkaufen wir unter anderem Erzgebirgische Schnitzkunst, Christbaumtrallala und alkoholfreien Glühwein. Am Columbus Circle grillen wir leckere Bratwürste und Käsekrainer wie kleine Götter.  Der Hot Dog-Stand gegenüber hat seit letzten Montag geschlossen – das will doch was heißen.



Macht dir die Arbeit Spaß?

Klar,  es ist super lustig. Wir sind hier eine tolle Truppe und es könnte nicht besser passen. Wir verstehen uns alle prächtig und da ich fast immer an einem der Stände arbeite,  die mit zwei Leuten besetzt sind, kommt selten Langeweile auf. Aber natürlich nur, wenn auch was los ist. Am Wochenende kann es durchaus vorkommen,  dass uns die Amis fast die Bratwurstbude einrennen. Uncool sind allerdings die Temperaturen. Aktuell messen wir hier 0 Grad.

Gefällt dir New York?

Eigentlich hasse ich Städte. Aber New York verschickt einfach jeden Tag aufs Neue. Es gibt so viel zu sehen und  zu entdecken. Ich habe es zum Beispiel vor ein paar Tagen mit der Tram verplant und bin letztendlich mitten im Naturkundemuseum gelandet – einfach toll.

Wie lang ist euer Arbeitstag?

Die Stände am Union Square öffnen um elf Uhr und schließen um 20 Uhr. Am Columbus Circle endet der Tag zur gleichen Zeit, beginnt aber schon um zehn Uhr. Unter der Woche ist auf den Weihnachtsmärkten immer weniger los und somit ist auch mal die Möglichkeit gegeben nur einen halben Tag zu arbeiten – kommt aber eher selten vor. Hinzuzurechnen zu den Arbeitszeiten sind,  je nach Location, noch 45 bis 90 Minuten Hin- und Rückfahrt mit der Bahn. Denn wir wohnen mit fünf weiteren Mitarbeitern in Brooklyn.



Was verdient man bei dem Job?

Flug von Frankfurt nach New York, von New York nach Vancouver – dort gehen Andy und ich anschließend noch hin – und von Vancouver schließlich wieder zurück nach Frankfurt. Außerdem Essen, wohnen und das Subwayticket. Ich habe keinen Schimmer, was das in Zahlen ist. Aber das Wichtigste und Beste ist das wahnsinnige Erlebnis und die tollen neuen Leute, die wir hier kennen lernen.

Seid ihr als Deutsche auf dem Weihnachtsmarkt eine kleine Attraktion?

Als Verkäufer bei einem Stand sind wir schon eine kleine Attraktion. Aber deutsche Touristen sind vor allem zu dieser Zeit sehr viele in New York. Das Erstaunliche ist, dass hier anscheinend  jeder dritte Verwandte oder Vorfahren in und aus Deutschland hat – das könnte man zumindest denken.

Würdest du es wieder tun?

Immer wieder und sofort! Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sie auf keinen Fall verpassen. Es ist im Vergleich zum deutschen Alltag eine einmalige und unvergessliche Zeit.

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