Interview

Zwei Freiburger Bräutigame freuen sich über die Ehe für alle

Carolin Buchheim

Der Termin steht: Mitte August wollen Stefan Lamb und Stefan Jockers aus Freiburg eine Lebenspartnerschaft eingehen. Die ist nun ein Auslaufmodell – und die Bräutigame freut’s.

BZ: Im August gehen Sie zum Standesamt, um eine Lebenspartnerschaft eintragen zu lassen. Noch ist unklar, wie es genau laufen wird, aber wahrscheinlich ist, dass Sie diese irgendwann in eine Ehe umtragen lassen können. Welchen Unterschied wird das machen?

Lamb: Die Ehe hat ganz klar eine höhere Wertigkeit als die eingetragene Lebenspartnerschaft. Dass sie uns nun bald auch offenstehen wird, macht mich sehr glücklich. Ich fühle mich nicht mehr nur toleriert, sondern auch akzeptiert.
Jockers: Genau! Es wird nicht mehr abgestuft, wir werden wirklich gleichgestellt sein. Man muss der Fairness halber sagen, dass das in vielen Dingen schon so war – etwa beim Ehegattensplitting. Das hatten wir aber nicht der Politik zu verdanken, sondern dem Bundesverfassungsgericht.
Lamb: Die wichtigste Neuerung ist sicherlich die Gleichstellung beim Adoptionsrecht. Für uns ist das kein Thema, aber es freut mich sehr für die ganze Community, für Regenbogenfamilien und alle, die Kinder haben oder Kinder wollen.

"Die Ehe ist ein Zeichen, dass man füreinander da ist und füreinander einsteht." Stefan Jockers
BZ: Warum ist die Ehe heute noch eine wichtige Sache? Man könnte sie ja auch als ziemlich spießig ablehnen.
Jockers: Klar, in der Ehe werden konservative Werte gelebt, aber wir verstehen uns überhaupt nicht als konservativ. Ich finde, wer sagt, dass das alles überholt und patriarchalisch ist, geht die Sache ein bisschen arg dogmatisch an. Die Ehe ist ein Zeichen, dass man füreinander da ist und füreinander einsteht. Man ist Familie. Das muss man nicht in der Ehe machen, es ist okay, wenn man das nicht macht. Aber wer das in der Ehe tun will, kann das nun tun.
Lamb: Man übernimmt Verantwortung füreinander.
Jockers: Die Vorteile der Ehe machen das Leben auch einfacher: Man muss keine Vollmachten für den Krankheitsfall geben, braucht kein extra Testament. Man ist verwandt und wird bei einem Notfall im Krankenhaus nicht behandelt wie zwei völlig Fremde.

BZ: Nach Jahrzehnten des Aktivismus und jahrelang blockierter Gesetzesvorhaben ging es in dieser Woche nun ganz schnell. Wessen Verdienst ist das Ihrer Meinung nach?
Jockers: Weder der von Kanzlerin Angela Merkel noch von Kanzlerkandidat Martin Schulz. Es war Volker Beck, der sicher schon zwei Jahrzehnte dafür gekämpft hat. Die heutige Entscheidung ist sein Lebenswerk.
Lamb: Und das an seinem letzten Arbeitstag im Parlament! Ich finde es toll, dass er dafür jetzt gewürdigt wird.
Jockers: Es ist einfach überwältigend, wie schnell es jetzt gegangen ist.
Zur Person

Stefan Jockers, 39, arbeitet als Fachspezialist für internationale Krankenversicherungslösungen in Basel. Stefan Lamb, 47, ist freiberuflicher Mediengestalter und Softwaretrainer. Sie leben gemeinsam im Stadtteil Herdern-Neuburg.

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