Zwei Freiburger berichten: Wie es ist, in jungen Jahren eine eigene Bar zu betreiben

Enya Steinbrecher

Keinen Bock mehr aufs Studium, lieber schnell eine Bar aufmachen? Was für viele junge Menschen ein Traum ist, haben Melisa Mulacic und Denis Büklü verwirklicht. Im Gespräch mit fudder erzählen sie, wie ihr Alltag aussieht.

An ihrem zwanzigsten Geburtstag unterschrieb Melisa Mulalic den Vertrag, um im Mai letzten Jahres das "Seven’s" in der Klarastraße im Stühlinger eröffnen zu können. Im November bereits musste sie die Bar aufgrund der Nachbarn wieder abgeben. Trotzdem hat sie aus dieser Zeit viel mitgenommen.


Sechs Monate lang führte sie das "Seven’s" fast allein – Angestellte hatte sie keine. Bei großen Reservierungen am Wochenende erhielt sie die Unterstützung ihrer beiden Brüder. "Morgens um zehn habe ich geöffnet, unter der Woche ging es bis mindestens Mitternacht", sagt Melisa. Am Wochenende schloss sie erst um drei Uhr nachts. Während der Öffnungszeiten war sie dauerhaft vor Ort.

"Ich wurde körperlich und verbal angegriffen, weil ich eine junge Frau war." Melisa Mulalic
Doch die Zeit vor Ort war nicht alles: Über eine Stunde verbrachte sie täglich mit Telefonaten, Einkaufslisten, der Buchhaltung oder dem Managen von Reservierungen. Sie ließ sich nicht beliefern, sondern kaufte selbst sein. In einer Gastrofamilie aufgewachsen, brachte sie zwar sechs Jahre Erfahrung beim Servieren und hinter der Theke mit, doch mit der Organisation war sie noch nicht vertraut.

Nach etwa zwei Monaten beschloss sie, erst ab 17 Uhr zu öffnen und den Sonntag zum Ruhetag zu machen. Finanziell stemmte sie alles alleine. "Ich habe die Jahre davor nur gearbeitet", sagt Melisa. Sie investierte nicht nur ihr Erspartes ins "Seven’s". Auch der Stress war groß. Dadurch hat sie abgenommen und auch nach Ladenschluss konnte sie ihren Kopf nicht abschalten.

"Man sollte sich einen Anwalt nehmen, der alle Verträge sichtet, und sich versichern lassen", sagt Melisa. Den Respekt muss man sich als junge Unternehmerin ebenfalls erst verdienen. "Ich wurde körperlich und verbal angegriffen, weil ich eine junge Frau war", sagt Melisa. Aus diesem Grund richtete sie eine Videoüberwachung ein, um gegen körperliche Gewalt gegen sie vorgehen zu können. Die verbalen Übergriffe ließ sie weiterhin an sich abprallen.

"Vor allem von älteren Gästen habe ich viele Sprüche zu hören bekommen." Dass sie zu jung sei, keine Ausbildung habe, und das so ja nicht ginge. "Ich habe es überhört und mich bei meiner Familie ausgekotzt."

"Es hatte keinen Sinn mehr." Melisa Mulalic
Als neue Nachbarn einzogen und es mit diesen Ärger gab, zog Melisa einen Schlussstrich. Am 1. November gab sie das "Seven’s" ab. "Es hatte keinen Sinn mehr", sagt die 20-Jährige. Heute kellnert sie wieder im Familienbetrieb. Ihre alte Bar besucht sie jedoch auch unter dem neuen Besitzer gerne und regelmäßig.

"Ich habe viele tolle Erfahrungen gemacht und mich im Guten getrennt." Stolpern potentielle Arbeitgeber in ihrem Lebenslauf über ihre Selbstständigkeit, sind viele skeptisch. Sie wurde gefragt, ob sie überhaupt aus der Selbstständigkeit zurück und sich noch einmal von einem Chef etwas sagen lassen könne. Andererseits seien die Leute auch beeindruckt. "Ich bereue jedenfalls nichts."

Denis Büklü betreibt seit Dezember die Bierbar "Freigeist"

Denis Büklü ist ebenfalls in einer Gastrofamilie aufgewachsen. Mitte Dezember machte sich der 28-Jährige mit der Bierbar "Freigeist" an der Johanneskirche selbstständig und pausierte dafür sein Jurastudium. Damit hat er sich einen großen Traum erfüllt.

Das Leben in einer Gastrofamilie hat ihn in dieser Hinsicht geprägt. "Ich hatte es besser als Komplett-Frischlinge", so Denis. Vor allem jedoch finanziell hat Denis Nachteile im Vergleich zu "den alten Hasen".

"Es gibt Tage, da bist du auch mal drei Stunden beim Amt." Denis Büklü

"Man hat ein Startkapital und die Bar muss sich möglichst schnell selbst halten." So seien die ersten Monate am Anfang immer ein Risiko und es könne täglich in die Hose gehen. Jeden Tag schaue er, wie es läuft und wer kommt. "Das strapaziert", gibt er zu. Regelmäßig sei er am Grübeln und auch jetzt hat ihn die Angst noch nicht verlassen.

Anfangs ist er deswegen froh, bei Null rauszukommen. Das finanzielle Polster müsse etwa eineinhalb Jahre reichen, bevor sich eine Bar selbst halten kann. "Als Jungunternehmer hat man das Kapital nicht." Wirklich angekommen glaubt er sich erst in drei bis fünf Jahren, obwohl es schon die ersten Stammkunden gibt.

Kisten schleppen, auffüllen, Händlergespräche, putzen – der eigentliche Alltag

Einen wichtigen Teil seiner Zeit verbringt er jedoch nicht mit dem Beraten und Bedienen der Kunden. Durchschnittlich eine Stunde am Tag nehmen Behördengänge und Papierkram auf sich. "Es gibt Tage, da bist du auch mal drei Stunden beim Amt", sagt Denis. Dazu kommen bisweilen harte körperliche Arbeiten in der Bar. "Kisten schleppen, auffüllen, putzen, Einkaufslisten schreiben, mit Händlern sprechen", sagt Denis. Starke Nerven sind eine Voraussetzung. Wenn es schlecht läuft, verschuldet man sich.

Auch Tipps hat Denis für angehende Kneipiers: "Wenn du eine gute Idee hast und risikofreudig bist, dann mach es. Wenn du was Sicheres möchtest, dann solltest du – eigentlich generell – dein Studium fertig machen." Selbstständig machen könne man sich danach immer noch.

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