Verletzte Stuten

Zwei Fälle in Freiburg und Umkirch: Keine konkrete Spur zum Pferdeschänder

Yvonne Weik

Nach den Misshandlungen zweier Stuten in wenigen Tagen ist die Stimmung in der Reiterszene noch ruhig. Die Polizei wertet Hinweise aus. Noch gibt es keine heiße Spur zum Pferdeschänder.

Die Nachricht hat nicht nur Pferdefreunde geschockt. Zwei Mal in wenigen Tagen hat ein Pferdeschänder in und um Freiburg Stuten verletzt, eine davon am Geschlechtsteil. Die Tatorte, Pferdehöfe in Freiburg-Rieselfeld und Umkirch, liegen nur rund fünf Kilometer Luftlinie auseinander. Auf halber Distanz mittendrin – das städtische Tiergehege Mundenhof.


Ein verurteilter Tierschänder kommt nicht in Frage

Noch gibt es weder einen Hinweis, ob die Taten miteinander zu tun haben, noch auf den oder die Täter. Ein 2016 verurteilter Tierschänder aus dem Elsass kommt für die Übergriffe definitiv nicht in Frage. Er sitzt laut Polizei seine zweijährige Freiheitsstrafe ab. Die Ermittler gehen davon aus, "dass die aktuellen Taten sexuell motiviert waren", sagt Polizeisprecherin Laura Riske auf Anfrage der BZ.

Serie im Jahr 2013 – Täter nicht gefasst

In der Reiterszene haben sich die negativen Nachrichten herumgesprochen. Noch ist von Hysterie nichts zu spüren, anders als im Jahr 2013, als eine Serie von Übergriffen in der Region Pferdefreunde in Angst und Schrecken versetzte. Ein Pferdeschänder hatte mindestens 14 sadistische Übergriffe auf Stuten verübt. Die Ermittlungsgruppe "Koppel" arbeitete mit mehreren Beamten an dem Fall. Ein Täter wurde nicht gefasst – bis heute. Ein Hauptsachbearbeiter, der damals in der Ermittlungsgruppe mitarbeitete, beschäftigt sich mit den aktuellen Fällen.

37 Pferde leben in Dietmar Freunds Pension in Opfingen-Wippertskirch. Von dort ist es nach Umkirch und Rieselfeld nicht weit. Natürlich hat er von den Tierquälereien gehört. Die Stimmung bei seinen Kunden sei ruhig. "Doch wenn noch ein, zwei Vorfälle kommen, werden die Stutenbesitzer nervös", glaubt Freund. Damals, während der Pferdeschänder-Serie, sei es furchtbar gewesen. Vier Wochen lang hat er nachts Stallwache gehalten, "danach ging ich am Stock". Und jetzt? Er prüfe genau, ob alle Türen und Hintereingänge verschlossen sind, und schaue auch nachts in den Stall.

Verletzte Stute lässt keinen in ihre Nähe

Thomas Müller, der Besitzer von "Tom’s Ranch" im Stadtteil Rieselfeld, ist auch am dritten Tag nach der Tat noch bedrückt. Seine Stute Apanatschi lässt nach wie vor keinen in ihre Nähe, nicht einmal ihn. Ihre tiefen Schnittwunden könne man deshalb nicht behandeln. "Aber sie läuft", freut er sich. Er hofft nun, dass der Täter gefunden wird. Vielleicht habe ja ein Radler auf dem angrenzenden Weg etwas beobachtet.

Polizei rät zu Videoüberwachung und Sicherung

Einige Anrufer hätten sich bei der Polizei gemeldet, sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Konkrete Hinweise seien aber nicht dabei. "Manche Pferdebesitzer wollten auch einfach wissen, wie sie ihre Tiere schützen können." Sie will sich nicht festlegen, rät aber zu Videoüberwachung und Sicherung der Zugänge.

Thomas Müller hat die Kameras für seinen Stall schon bestellt. Dietmar Freund ist von deren Nutzen nicht wirklich überzeugt, schließlich könne man ja nicht jede einzelne Box überwachen. "Wir lassen den Hund draußen", sagt er. Das sei besser als jede Videoüberwachung.

Gerücht: Angriff auch am Tiergehege Mundenhof

Am Freitag machte ein weiteres Gerücht die Runde: Auch am Tiergehege Mundenhof sei ein Tier angegriffen worden. Die Stadtverwaltung wollte sich bis Redaktionsschluss nicht äußern und verwies auf die Polizei. Auch zur Anfrage, ob es besondere Sicherheitsvorkehrungen gebe, gab sie keine Auskunft.
Die Polizei Freiburg bittet weiter Zeugen um Hinweise unter Tel. 0761/882-4421.

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