Stadtreinigung

Zwei Ex-Junkies räumen für die ASF den Drogenmüll in Freiburg weg

Bettina Gröber

Gebrauchte Spritzen gehören zu den besonders unangenehmen Aufgaben der Freiburger Abfallwirtschaft. Zwei Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich um die Hinterlassenschaften von Junkies – sie waren selbst Drogenkonsumenten.

Bereits im zweiten Jahr erledigen Stephan O. (47) und Frank H. (49), die ihre vollen Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, ihren Job. Sie suchen diejenigen Orte in der Stadt auf, die als sogenannte Hotspots des Drogenkonsums gelten – und an denen entsprechend viele Abfälle herumliegen.


"Im Sommer ist es schlimmer als im Winter", sagt Stephan O., "wenn die Leute wegen der Kälte nicht so gern rausgehen, wird es etwas weniger mit den Spritzen." Dennoch findet sich auch dieser Tage noch genügend Drogenmüll. Zum Beispiel im Colombipark, in dem die BZ sich mit den beiden ASF-Mitarbeitern trifft. In einer Ecke des Parks, wo sich früher ein Spielplatz befand, liegen gut sichtbar Spritzen verschiedener Größe, daneben stehen Bierflaschen, auch Medikamentenpackungen sind dabei. "Es ist Monatsanfang, da haben die Leute ihr Geld vom Amt bekommen", erklärt Stephan O. die Anhäufung – Geld, das in Drogen "investiert" werden kann.

Drogenabfälle gibt’s an vielen Orten in der Stadt

Dass sich in der Nähe von "Szenetreffs" und in öffentlichen Toiletten Drogenmüll findet, sei nichts Neues, sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Eine Einschätzung des Ausmaßes gestalte sich jedoch schwierig. Jedenfalls lasse sich aus dem, was die polizeiliche Rauschgift-Ermittlungsgruppe beobachte, "nicht bestätigen, dass es mehr als früher ist".

Ein detaillierteres Bild zeichnen dagegen diejenigen, die sich um die Entsorgung des Spritzenmülls kümmern. Denn nicht nur im Colombipark oder an anderen bevorzugten Konsumplätzen wie im Stühlinger-, Eschholz- und Seepark, an der Fauler- oder Rosastraße finden sich die Abfälle: "Die Rückstände aus der Drogenszene verteilen sich mittlerweile weiter auf das Stadtgebiet", schildert ASF-Geschäftsführer Michael Broglin. Ob angesichts dieser Ausdehnung die zwei Halbtagskräfte auf Dauer für die Beseitigung ausreichen werden, "da bin ich mir nicht sicher". Dass sich Spritzen weiträumiger verteilen und sich zum Beispiel auch auf Spielplätzen finden, bestätigt Frank H. – und findet das schlimm.

Stephan O. und Frank H. sind beide ehemalige Junkies und nun clean: Stephan O. seit fast elf Jahren, Frank H. seit 13. Das Verhalten der Drogenkonsumenten habe sich im Lauf der Zeit verändert, meint Frank H.. Es werde verstärkt und ohne Scheu in der Öffentlichkeit konsumiert: "Manche stellen sich sogar vor die Volksbank und setzen sich eine Nadel." In der Zeit, als er selbst noch Drogen konsumierte, "hätten wir an so etwas nicht mal im Traum gedacht". Gespritzt werde nicht nur Heroin, sondern immer mehr sogenannte Substitute, also Ersatzdrogen.

Die Abfälle werden gesondert entsorgt

Bei der Beseitigung tragen die beiden Mitarbeiter der ASF spezielle Sicherheitshandschuhe, die stichfest und aus demselben Material wie schusssichere Westen sind. Und sie verwenden Zangen und Schaufeln, um die Spritzen in den Müllsack zu befördern. Die Abfälle kommen in einen gesonderten Container, der abgeschlossen wird und den die ASF regelmäßig entsorgt. Michael Broglin warnt davor, selbst Hand anzulegen, wenn man eine Spritze entdeckt: "Auf keinen Fall selbst entsorgen." Zu groß sei die Gefahr, sich an einer gebrauchten Spritze zu verletzen und sich auf diesem Weg mit einer Krankheit zu infizieren. Im Falle eines Fundes solle man die ASF informieren, die dann tätig werde, so Broglin.

Für Stephan O. und Frank H. ist ihre Aufgabe kein "normaler" Job. Dass sie als Ex-User gerade im Drogenmilieu unterwegs sind, sehen beide als Vertrauensbeweis seitens ihres Arbeitgebers: "Da sind wir der ASF dankbar." Angefangen hatten sie 2012 als Zwei-Euro-Jobber, ein Jahr später waren sie täglich eine Stunde in Sachen Spritzenentsorgung unterwegs. "Das hat aber nicht gereicht", sagt Frank H. mit Blick auf das Ausmaß des Mülls. Natürlich sei es "keine besonders schöne Angelegenheit", mit den Hinterlassenschaften von Junkies zu hantieren. Doch "der schlimmste Feind eines cleanen Drogensüchtigen ist die Langeweile", weiß Frank H.. Die Arbeit gebe ihm eine Tagesstruktur, und die sei für die Drogenabstinenz wichtig.

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