Zune

Carolin Buchheim

Letzten Dienstag, ausgerechnet am World Usability Day, hat Microsoft in den USA Zune gelauncht, einen 30GB-Festplatten-Musik-Player. Zune soll, zusammen mit der Download-Plattform Zune Marketplace, der ultimative iPod- und iTunes-Killer werden. Und tatsächlich scheint Microsoft mit dem Zune mal nicht alles falsch gemacht zu haben, sondern nur fast alles.

Imitation is the greatest form of flattery lautet ein englisches Sprichwort.  Apple-Gründer Steve Jobs wird sich sicher geschmeichelt gefühlt haben, als Microsoft letzte Woche Zune auf den Markt brachte: Das Ding sieht dem iPod nicht unähnlich, und zwar nicht nur, weil man es neben 70er-Jahre-braun und schwarz eben auch in weiss bekommt. Microsoft hat dem Zune einen runden five-way-Controller verpasst, der dem beliebten iPod-Clickwheel ähnlich sieht, und ihn um zwei rechts und links davon angeordnete Tasten ergänzt. Insgesamt scheint der Zune angenehm zu bedienen sein: Selbst Hardcore-Apple-Blogger gaben in Rezensionen zu, dass der Zune-Controller 'iPod-easy' und intuitiv zu benutzen sei.


Sonst fällt am Zune auf den ersten Blick vorallem das grosse, sehr helle Display auf. Mit 3'' ist es ein halbes inch größer, als das des vergleichbaren 30gb iPods, und obwohl es bei diesem halben inch mehr die gleiche Auflösung wie das iPod-Display verwendet, scheint Cover-Art auf diesem Display ungleich besser zu wirken. Zudem schaltet das Display automatisch in Breitwandformat, wenn man Videos anschaut; die Funktion des Controllers passt sich dieser Ansicht ebenfalls an.

Um kurz ein paar weitere Äußerlichkeiten abzuhandeln: Fast alle Zune-Rezensenten lobten das Material des Zune und dessen Haltbarkeit. Zunes sind aus zweifarbigem Plastik, dass sich wohl angenehm stumpf anfühlen soll, und das Plastik des Displays übersteht wohl selbst Kratzversuche mit einem Schlüssel. Das Design des User-Interface erscheint wohl ebenfalls gelungen; die Menüs sind schnell und mit angenehmen Zoom-Effekten ausgestattet. Wie wichtig einem Größe und Gewicht eines Players ist, hängt sicher von den Nutzungsgewohnheiten ab, aber der Zune ist größer, schwerer und dicker als der vergleichbarer iPod.
Zudem fällt auf, dass nirgendwo am Zune auch nur ein einziges Microsoft Logo zu sehen ist. Empfindet sich Microsoft etwa selbst als so uncool, dass es seinen Kunden die Scham ersparen will, mit einem Microsoft Produkt in der Öffentlichkeit gesehen zu werden?

Die eigentliche Besonderheit des Zune kann man jedoch nicht sehen: Als erster Player verfügt der Zune über Wifi und kann sich mit anderen Zunes, die sich in der Nähe befinden, austauschen. Hat man die Wireless-Funktion freigeschaltet, so können andere Zune-Benutzer in unmitellbarer Nähe sehen, welche Musik man gerade hört und Playlists anschauen. Man kann über die WiFi-Funktion ebenfalls Songs, Bilder und Playlists mit Freunden tauschen. Wegen eben dieser Funktion vermarkte Microsoft den Zunemit dem Slogan 'The Social'.

'Warum sollte man mit anderen Zune-Besitzern Playlists tauschen wollen?' mag man sich im ersten Moment fragen, aber die Antwort hierauf ist einfach, wenn man bedenkt, wen Microsoft mit diesem Player erreichen will: Die WiFi-Funktion ist allein dann interessant, wenn man sich regelmäßig in einer Umgebung aufhält, in der viele andere Zune-Besitzer sind, mit denen man in Kontakt treten will. Da fallen einem Schulen, Hörsaale aber vielleicht auch die Regionalbahn, mit der man jeden Morgen zur Schule oder Arbeit fährt ein.  Ganz klar, der Zune ist ein Player für Teenies. Man braucht nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, welch Kauf-Hype sich in einer Klasse ausbreiten könnte, wenn ersteinmal ein paar Kids einen Zune haben, und damit wireless in den Schulpausen Songs tauschen.
Weiteres Zeichen für die Teenie-Orientierung dieses Produkts: Im Zune Marketplace, dem iTunes für Zune-Besitzer, bezahlt man nicht pro Track, sondern muss im vorhinein ein Abo und Download-Punkte kaufen, die man dann nach und nach verbraucht. Eine tolle Idee, wenn man User haben will, die noch nicht über Kreditkarten verfügen; eine schlechte Idee, wenn man User hat, die nur das gerade bezahlen wollen, was sie wirklich haben wollen, und kein Interesse daran haben, irgendwo ein Guthaben auf Halde liegen zu haben. Die Wireless-Tauscherei kommt allerding mit einer gewaltigen Einschränkung: Per WiFi übertragene Songs kann man nur 3 Mal innerhalb von 3 Tagen anhören. Fast alle Zune-Tester bemängelten diese DRM-Maßnahme, denn selbst wenn man einen Track nur eine Sekunde angespielt hatte, zählt dies als eine der drei erlaubten Nutzungen. Als problematisch erscheint in diesem Zusammenhang, dass Zune diese DRM-Maßnahme auch auf Creative Commons-geschützte (d.h. möglicherweise Copyright freie) Songs anwendet, und somit Creative Commons verletzt.



Und das hier kann der Zune noch: Er kann per Wifi mit benachbarten XBoxen kommunizieren und über sie Musik abspielen (aber unerklärlicherweise nicht mit und über Computer), er hat einen eingebauten AM/FM-Tuner (wofür man beim iPod Zubehör braucht), er kann mit mehr als einem Computer synchronisiert werden, ohne dass dabei alle Daten gelöscht werden (aber man kann so auf den Zune gezogenen Tracks nicht auf den eigenen Computer übertragen) und zudem verfügt er über angeblich redaktionell bearbeitete vorinstallierte Inhalte (wenn man sowas denn haben will).

Insgesamt wirft der Zune jedoch, wie so viele Microsoft-Produkte, einige Verständnisfragen auf: Warum nur ein Modell? Warum nur in 30GB? Warum vorinstallierte Inhalte? Warum dieses braun? Warum noch kein Video-Sharing? Wie ist das mit Viren per Wifi? Und: Warum steht noch nicht fest, ob dieser Player von Microsoft Vista, das ja im Januar gelauncht werden soll, supportet wird?

Der Zune trägt, ganz klar, die Anzeichen eines typischen Microsoft Rush-to-Launch, rechtzeitig zum Weihnachtgeschäft. Ein Zune-Kauf lohnt sich daher wohl, wenn überhaupt, erst in der nächsten oder übernächsten Generation. Das Zune-oder-iPod-Problem wird sich deutschen Nutzern ohnehin erst einmal nicht stellen: Microsoft Deutschland teilte uns heute mit, dass für Europa noch keine Ankündigungen bezüglich Zune vorliegen, und mit einem Launch des Players in Deutschland daher fürs Erste nicht zu rechnen sei.

Mehr dazu:

Zune: Website
Wall Street Journal:
Microsoft's Zune challenges iPod
Wired.com Blog: Hands on with the Zune Part One, Part TwoZDnet.com: CNN makes it official: Zune is ugly
Gizmodo: Zune: First Full Review