Zumba: Mehr als nur Arschgewackel

Julia Sommer

Zumba ist kein Tier und kein Musikinstrument, sondern ein Fitnesstrend, der Freiburg überschwemmt. Toller Reim, oder? Na ja. Wir wussten zuerst auch nicht so genau, was Zumba sein soll. Deshalb haben wir es ausprobiert. Und ja, vielleicht haben wir unser neues Winterhobby gefunden.



Schon länger bin ich auf der Suche nach einer Sportart, die mich auch an dunklen und kalten Abenden aus dem Haus bringt. Ich geh zwar regelmäßig schwimmen, aber da das Westbad wohl noch bis Februar 2011 geschlossen ist, hat man in Freiburg nicht viele Alternativen, die Ausweichbäder sind überfüllt. Und Joggen bei Kälte und Dunkelheit finde ich auch nicht sehr verlockend.


Eine Freundin erzählte mir von Zumba. Zumba ist spanischer Slang und heißt so viel wie „Bewegung und Spaß haben“.

Eigentlich bin ich Fitness-Trends gegenüber eher abgeneigt und bisher konnten mich Sportarten wie Tae Bo oder Step Aerobic nicht begeistern. Ob das bei Zumba anders ist?

Arthur Murray

Im Tanzstudio Arthur Murray wird der Fitness-Tanz seit einem Jahr zweimal pro Woche angeboten. Schon beim Betreten der Tanzschule schlagen mir lateinamerikanische Rhythmen entgegen. Die Gruppe am Samstag ist mit sechs Teilnehmerinnen überschaubar, was aber auch zur lockeren und persönlichen Atmosphäre im Tanzsaal beiträgt.

Freundlich empfangen mich die Mittänzer und die peruanischen Tanzlehrerin Eli. Wer lateinamerikanische Musik mag, könnte hier richtig sein. Die Musik löst meine Anspannung. Dani, eine aus der Tanzgruppe, sagt mir gleich, dass die Schritte nicht schwer seien.



Tanzlehrerin Eli demonstriert einfache Schrittkombinationen. Mir wird klar, wie ich meine Beine bewegen soll. Darauf komme es aber gar nicht genau an, meint Eli. Die Hauptsache ist: Spaß an der Bewegung und an der Musik zu haben; sich locker zu machen.



Als die Arme dazukommen, merke ich, dass meine Koordination seit der Schulzeit wohl etwas gelitten hat. Allmählich steigert sich das Tempo der Musik, im Raum wird es spürbar heißer. Wir kombinieren Schritte lateinamerikanischer Tänze wie Salsa, Rumba, Flamenco und  Reggaetón. Tänzerische Vorkenntnisse brauche man nicht für Zumba. „Ich hab' davor noch nie getanzt, aber ich mag die lateinamerikanische Musik, und die Bewegung dazu macht mir Spaß. Ich spüre hinterher, dass ich was getan habe und fühle mich einfach gut“, sagt Manja, 36, die vor einem knappen Jahr mit Zumba angefangen hat.



Ich hopse, hüpfe, springe und drehe mich, komme ins Schwitzen. Jetzt merke ich, was mit dem "Fitness-Aspekt" von Zumba gemeint ist. Und immer schön die Hüfte schwingen. Mir fällt es echt schwer, mich zu überwinden und meine Hüfte locker kreisen zu lassen. Im Spiegel sehe ich, dass meine Versuche nichts mit „sexy dancing“ zu tun haben. Für Lena, 18, ist es „das viele Arschgewackel“, was ihr bei Zumba so großen Spaß macht.

Am nächsten Morgen, einem Sonntag, winde ich mich ächzend aus meinem Bett. Die Ansage von Tanzlehrerin Eli stimmt. Zumba trainiere vor allem die Zonen, die für eine wohlgeformte Silhouette sorgen. Ich spüre es vor allem in den seitlichen Bauchmuskeln, im Po zieht es und meine Oberschenkel fühlen sich nach Gliederschmerzen an. Aber das finde ich gut. Ich mag Muskelkater.

Alberto „Beto“ Perez heißt der Mann, der sich Zumba 1999 in den USA ausgedacht hat. Er wollte Elemente aus Aerobic und Intervalltraining mit Musik und verschiedenen Tanzschritten kombinieren.

Rückgrat

Seit Juli bieten auch die drei Freiburger Fitnessstudios von Rückgrat Zumbakurse an, jeweils einmal pro Woche. Fabian Schneider von Rückgrat im Stühlinger sagt: „Das Angebot kommt gut an im Winterprogramm. Zumba machen überwiegend Frauen, aber jeder Altersstufe.“ Zum Fitnesstanz treffen sich heute 15 weibliche Teilnehmerinnen im Kurssaal.

Die Stimmung wirkt etwas angespannt – noch. Cris, Zumbatrainerin aus Brasilien, versucht gleich zu Beginn, die Stimmung zu lockern. Sie legt Latin-Musik ein und ruft: "Lasst die Kälte draußen, wir wollen Spaß haben! Macht euch locker, wir sind nicht mehr in Deutschland. Es wird heiß.“



Die Kombinationen der Tanzschritte sind jetzt länger als bei meinem ersten Zumba-Versuch und auch etwas schwieriger. Das Ganze erinnert mich hier ein wenig an Aerobic. Ich gerate schneller aus dem Tritt, dafür merke ich, dass ich nun, beim zweiten Mal, schon lockerer bin beim Arschwackeln. Als Samba ertönt, vergesse ich fast, dass ich eigentlich gerade versuche, einem Fitness–Programm zu folgen. Chris zeigt wirklich super, wie Samba funktioniert.



Viele der Teilnehmerinnen tanzen erst seit kurzem Zumba, doch scheint sich dieser Sport in Freiburg momentan zu einem Trend zu entwickeln. Ich hatte Spaß, auf jeden Fall mehr Spaß, als beim Durchpflügen im überfüllten Faulerbad. Koordination, Kondition und verschiedene Körperregionen habe ich spürbar trainiert. Nur etwas lockerer in den Bewegungen sollte ich wohl noch werden.

Marleene, 44,  sagt nach der Zumbastunde: „Ich kann abspannen und komme auf andere Gedanken. Für eine Stunde fühle ich mich trotz Winter wie im Sommer.“ Stimmt, denk ich, als ich kurz darauf mit dem Ohrwurm „Suavemente“ im Kopf auf mein Fahrrad steige und durch den Freiburger Schneematsch rutsche.

 

Zumba in Freiburg

Quelle: YouTube[youtube zmmcABy6vVw nolink]

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