Zu viel Kommerz: Freiburger Tätowierer haben keinen Bock auf das Freiburger "Tattoo Weekend"

Simone Höhl

Das erste "Freiburger Tattoo Weekend" findet am ersten Maiwochenende in der Mooswaldhalle in Hochdorf statt. Doch bei den einheimischen Tätowierern kommt die Veranstaltung gar nicht gut an.



Freiburger Tattoo-Studios haben keinen Bock auf eine Tätowier-Messe, die im Mai in Freiburg stattfinden soll. Der Veranstalter aus Münster habe keinen Bezug zur Stadt, übergehe die lokale Szene und sein Event sei der pure Kommerz, so ihre Kritik. Der Veranstalter weist die Kritik zurück und hat einen Anwalt eingeschaltet.


Das erste "Freiburger Tattoo Weekend" findet am ersten Maiwochenende in der Mooswaldhalle in Hochdorf statt. Veranstalter ist das Studio Starfire Tattoo, das internationale Tätowierer sowie Aussteller von Schmuck und Bekleidung ankündigt; Besucher können sich tätowieren und piercen lassen und eine Burlesque-Show sehen – Eintritt: 10 Euro.

Die Veranstaltung stößt fünf ortsansässigen Studios für Körperschmuck sauer auf. Sie wollen die Messe nicht besuchen und haben in Stellungnahme aufgerufen, es ihnen gleich zu tun. Als Boykottaufruf will das ihr Sprecher Ralf Fees vom Piercingstudio Visavajara nicht verstanden wissen: "Wir unterstützen's nur nicht", sagte Fees am Mittwoch, "weil rein der Kommerz im Vordergrund steht." Viele solcher Zusammenkünfte hätten den ursprünglichen Sinn des Austauschs untereinander verloren. "Freiburg braucht keine Tattoo-Convention aus der Retorte", sticheln die Fünf.

Sie kritisieren zudem, dass der Veranstalter die lokale und regionale Szene nicht ins Boot holt: "Das ist eine Sache des Respekts", sagte Fees. Nur ein Studio in der Stadt sei kontaktiert worden. Angst vor externer Konkurrenz? "Nein, sämtliche Freiburger Studios sind ausgebucht."

Eine Veranstaltung ohne lokale Partner kommt für die Profis von der Freiburger Messegesellschaft FWTM nicht in Frage. "Das hat was mit Stil zu tun, ist aber auch viel wirksamer", sagte auf Anfrage Messechef Daniel Strowitzki: Die Örtlichen machen kostenlos Werbung. Schon einmal gab es Debatten um das Thema: Als ein Stoffmarkt als geschlossene Veranstaltung auf die Messe kommen wollte. Die FWTM intervenierte, der Markt wurde geöffnet.

Der Veranstalter, der unter seinem Künstlernamen Tomy Starfire firmiert, hat zur Stellungnahme der Freiburger auf Facebook geschrieben: "Wir finden sie sehr gut und verstehen natürlich den Hintergrund." Auf BZ-Nachfrage klingt es weniger verständnisvoll. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Starfire. Er sei seit 28 Jahren Tätowierer, habe ein Studio in Kehl gehabt, dadurch Bezug zur Region und in Münster bereits acht Messen veranstaltet. "Wir machen das familiär."

Die Kritik kann er nicht nachvollziehen. "Ich bringe den Freiburgern Tätowierer aus 60 Ländern. Kein Mensch zahlt Eintritt für eine Messe mit Leuten, die er vor Ort hat." Er habe alle Freiburger Studios eingeladen, die er kenne – andere hätten sich einfach angemeldet, wie es üblich sei. Der Aufruf, nicht zur Messe zu gehen, sei geschäftsschädigend, sagte Starfire. Er hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

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[Disclosure: Ralf Fees ist fudder-Autor. Über seine Gegnerschaft zum Freiburger Tattoo-Event hätten wir auch berichtet, wenn dem nicht so wäre.]