Zu Feige zur Fortpflanzung

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie kompliziert die Fortpflanzung eines süßen Früchtchens ist? Die nicht nur im Mittelmeerraum sehr beliebte Echte Feige benötigt zur Fortpflanzung nicht nur andere Sträucher der gleichen Art, sondern auch ein hochspezialisiertes Insekt und einen Strauch einer anderen Feigenart.

Damit die Echte Feige geerntet und gegessen werden kann, müssen ihre Blüten, die nur einen sehr engen Eingang haben, bestäubt werden. Das kann nur die kleine Feigengallwespe, die den Großteil ihres Lebens in den Blüten und Früchten der Feige verbringt.


Aber nicht in den Echten Feigen, sondern nur in deren Varietät, der nicht essbaren Bocksfeige, wächst die kleine Gallwespe heran. Deren Männchen sind gar nicht erst flugfähig, sie befruchten die Weibchen gleich in der weiblichen Blüte der Bocksfeige, wo sie alle gemeinsam aufgewachsen sind. Die befruchteten Mädels machen sich daraufhin aus den Weg in die Welt.

Zuerst schauen sie bei den männlichen Blüten der Bocksfeige vorbei, um dort ein paar Pollen zu besorgen. Dann suchen sie nach einer weiblichen Feigenblüte, um diese zu befruchten und dort ihre Eier abzulegen. Dabei hat die kleine Wespe die Wahl: Entweder sie fliegt zu einer weibliche Blüte der essbaren Feige. Wenn sie dort hineinkriecht, ist die Eiablage erfolglos, weil ihr Legestachel zu kurz ist. Befruchtet wird die Feige aber, und es kann sich die lecker-süße Sammelfrucht mit den Samen ausbilden.

Oder sie entscheidet sich für eine Bocksfeigenblüte, wo sie ihre Eier problemlos ablegen kann. Dort geht die Mutterwespe zwar auch zugrunde, der Nachwuchs ist aber gesichert. Weil sich die Feige nur auf diese umständliche Weise fortpflanzen kann, werden einfach Zweige der Bocksfeige in die Essfeigensträucher gehängt.