Vor Ort

Zu Besuch beim Baron von Droste zu Hülshoff, der Likör und Cider herstellt

Julia Caspers

Idyllisch Richtung Schauinsland in Horben liegt die Villa Küchlin. Dort brennt Baron Benedikt von Droste zu Hülshoff eigenen Likör und produziert Cider. fudder hat ihn auf seinem Anwesen besucht und in die Maischefässer gelinst.

Von der Straße nach Horben abgehend führt ein verschlungener, fast versteckter Weg zum Hof der Familie von Droste zu Hülshoff. Er ist idyllisch gelegen, umgeben vom farbenprächtigen, herbstlichen Wald. Oberhalb des Anwesens, die den Namen Villa Küchlin trägt, grasen die hofeigenen Lamas. Eher unauffällig dagegen wirkt das moderne Gebäude gegenüber des Wohnhauses. Hier entsteht die "Badische Lösung", der hauseigene Apfel- und Walnusslikör von Baron Benedikt von Droste zu Hülshoff.


Die Schnapsbrennerei ist eine Kunst für sich. Benedikt

In einem der Räume lagern mehrere blaue Fässer, in denen sich die Apfelmaische befindet. Als Maische bezeichnet man ein Gemisch aus zerstückeltem Obst sowie speziellen Brennhefen, die den Fruchtzucker in Alkohol umwandeln. Außerdem werden Enzyme zum Aufspalten des Pektins hinzugefügt und die Maische muss angesäuert werden, damit sich kein Apfelessig bildet. Benedikt öffnet eines der Fässer und zeigt auf die braune, schwimmende Masse aus Äpfeln. Diesen Teil nennt man Tresterhut, erklärt er. Der Baron fasst mit seiner Hand tiefer in die Apfelmasse. "Und hier unten befindet sich dann der Most." Genau nach diesem riecht es nun auch im Raum. Es ist ein angenehmer, leicht säuerlicher Apfelduft.

Schnapsbrennen ist wie eine Beziehung

In der kommenden Woche möchte der 39 -jährige Baron daraus seinen Schnaps brennen. Dann wird aus je einem 120-Literfass Most durch Destillation etwa sechs Liter 85-prozentiger Schnaps entstehen. Dieser stellt wiederum die Grundlage des Likörs dar, der in Verdünnungsschritten auf den finalen Alkoholgehalt von 25 Prozent eingestellt wird. Für seinen Likör verwendet Benedikt vier verschiedene heimische Apfelsorten: Boskoop, Gold Rush, Topaz und Jonagold. Sie alle werden sortenrein vergoren, gebrannt und später in einem speziellen Verhältnis gemischt. Die Schnapsbrennerei sei eine Kunst für sich, sagt Benedikt, vergleichbar mit der Beziehung zu einem Partner: "Da musst du auch langsam und behutsam vorgehen, und dann wiederum feurig."

Ich wollte weder Abi machen, noch studierenBenedikt

Benedikt hat nicht damit gerechnet, einmal Schnapsbrenner zu werden. "Ich wollte weder Abi machen, noch studieren. Eigentlich hatte ich nur Musik im Kopf", lacht er. Allerdings verfolgte er das Musikmachen nicht konsequent und studierte zunächst Kulturmanagement und Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Studium motivierte ihn ein Förster für den Jagdschein und brachte somit einen Stein ins Rollen. Benedikt begann sich mehr und mehr für die Landwirtschaft zu interessieren und schlussendlich auch fürs Schnapsbrennen, sodass 2012 sein erster eigener Likör entstand. Der Name "Badische Lösung" sei bei einem Familientreffen im Schwarzwald entstanden und stehe für eine "süddeutsche Form der Diplomatie, bei welcher man auf wundersamen Wegen vom Dissens zum Konsens findet."

Auch die Vorfahrin des Barons stellte eigene alkoholische Getränke her

Der Baron wirkt unkonventioneller als es auf seinem Internetaufritt den Anschein macht: mit Mütze, Dreitagebart und pragmatisch gekleidet, führt er begeistert über den Betrieb. Seine Leidenschaft für das Schnapsbrennen wird deutlich spürbar: "Feiern mochte ich schon immer gern und auf der anderen Seite zu stehen, das macht genauso viel Spaß – jetzt werden die Anderen halt von mir versorgt." Vielleicht liege es auch im Blut, mutmaßt er. Schon seine Vorfahrin Annette von Droste zu Hülshoff, die berühmte Dichterin, habe in Meersburg selbst Wein angebaut.

Für Benedikt schließen sich Musik und Schnapsbrennen nicht aus – er hat schon einen Rap über seinen Likör geschrieben und legt manchmal unter seinem DJ-Namen "BVDZH" Musik auf.

Der Baron hat ein neues Projekt

Sein neuestes Projekt lautet allerdings: Cider. Auf die Idee sei er auch dank des heißen Sommers gekommen. "Ich habe angefangen Cider zu trinken und dachte mir – was ein geiles Getränk!" Warum also nicht die erste badische Version herstellen? Apfelbäume gebe es schließlich genug, sagt Benedikt und weist auf den steilen Abhang neben der Villa Küchlin, auf dem sich Apfelbaum an Apfelbaum reiht. Der Cider wird ausschließlich aus heimischem Obst gewonnen. Das Besondere ist aber, dass er nicht filtriert wird und somit naturtrüb bleibt, wie auch der Likör.

Als DJ ist es auch schlecht, wenn du nur das spielst, was dir gefällt und keiner tanzt. Benedikt
Die Herstellung findet allerdings nicht auf dem eigenen Gelände statt. Benedikt hat eine Mosterei gefunden, die den Cider nach seinem Rezept und Qualitätsvorgaben in ausreichenden Mengen produzieren kann. Das Wissen dazu hat er sich unter anderem mittels Fachliteratur angelesen.

Cider = Ebbelwoi?

Aber ist ein Cider gleichzusetzen mit einem Frankfurter Ebbelwoi oder dem französischen Cidre? Cider und Cidre seien im Grunde ein und dasselbe Getränk, meint der Baron, es gebe lediglich regionale und traditionelle Unterschiede im Herstellungsprozess. Bei beiden wird die Kohlensäure bei der Gärung gebunden. Beim klassischen Apfelwein hingegen, auch manchmal Most genannt, lässt man die Kohlensäure während der Gärung entweichen. Für den internationalen Vertrieb biete sich jedoch die Bezeichnung "Cider" an. Sein Likör kam im Ausland gut an und wurde 2013 bei den Cocktails Spirits Awards in Paris als einer der 14 besten Liköre Europas ausgezeichnet.

Von der Konzeption des Produkts bis hin zur Vermarktung liegt alles in Benedikts Hand. Das Design der Ciderflaschen hat er daher selbst entwickelt und dabei das Familienwappen neu interpretiert. Spätestens durch seine Arbeit als DJ weiß er, dass ein Produkt nur funktioniere, wenn die Anderen genauso begeistert seien. "Als DJ ist es auch schlecht, wenn du nur das spielst, was dir gefällt und keiner tanzt." Ähnlich wie im Musikgeschäft plant er einen offiziellen Release seines Ciders, am 11. November – eine Schnapszahl, wie kann es anders sein. An diesem Tag beginnt der offizielle Verkauf. Vorbestellen kann man den Cider schon über die Homepage sowie bei einigen lokalen Händlern. Benedikt wird auch mit seiner mobilen Bar unter dem Motto "Bar on-Tour" unterwegs sein. Zudem ist eine Releaseparty geplant, deren Datum noch online auf der Websiteveröffentlicht wird.

Badische Lösung: Web& Facebook & Instagram



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