Zu Besuch bei den Hackern des Chaos Computer Clubs Freiburg

Sarah Metzger

Jeder kennte das Klischeebild eines Hackers – doch trifft das auch wirklich zu? fudder-Autorin Sarah Metzger wollte sich selbst ein Bild von der Szene machen und besuchte den Freiburger Chaos Computerclub im Freiburger Westen.

Ein Mann mit Kapuze sitzt in einem dunklen Keller, das Gesicht nur von grünen Kommandozeilen auf seinem Bildschirm beleuchtet – so stellt man sich Hacker vor. Bei den Hackern des Chaos Computer Club in Freiburg sieht alles anders aus.


Wenn man zu ihnen möchte, führt der Weg tatsächlich erst einmal eine Treppe hinab in einen Keller. Zumindest soweit trifft das Klischee-Bild von Hackern zu. Unten angekommen folgt jedoch eine Art große Wohnung, mit Küche, Büro, Gemeinschaftsraum und Elektrowerkstatt. In diesen Räumen in der Dunantstraße im Freiburger Westen hat der CCCFr seinen Hackerspace, also sein Hauptquartier.

Montagabends wird es in den Räumen voll – dann Treffen sich die Mitglieder des CCCFr, um Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen, und "Sachen zu machen". Sachen, das lernt man hier schnell, können dabei alles Mögliche sein.

Kriminelle Hacker heißen "Cracker"

Das Stereotyp des "kriminellen Hackers" kennt man hier, und das Symbolbild des schwarz gekleideten Kapuzenmanns findet man mindestens genau so belustigend, wie wenn in den Nachrichten von "russischen Hackern" gesprochen wird. "Die Herkunft der Hacker lässt sich bei fast keinem Hackerangriff ermitteln", erklärt ein Mitglied, "und wenn doch, dann war er wahrscheinlich harmlos."

Viel gemein haben die Freiburger Hacker mit den vermeintlich russischen Cyberkriminellen ohnehin nicht. Um sich besser voneinander abzugrenzen, wurde versucht, für kriminelle Hacker den Begriff "Cracker" zu etablieren. Im Sprachgebrauch durchgesetzt hat sich das nicht, und sogar die Mitglieder des CCC selbst sprechen übergreifend von Hackern. Damit sammelt sich unter diesem Begriff ein ganzes Spektrum von Personen und Personengruppen mit unterschiedlichen Zielen und Herangehensweisen – und der weitaus überwiegende Anteil hält sich dabei an klare Regeln, die als "Hackerethik" zusammengefasst werden.

Neugier und Experimentierfreude

In Freiburg definiert man "hacken" für sich einfach grundlegend als "unübliches Benutzerverhalten", vor allem, was technische Geräte angeht. Getrieben von großer Neugier und Experimentierfreude und vor allem mit "Spaß am Gerät", wie die Mitglieder sagen, zerlegen sie dann zum Beispiel einen Router, um dessen Funktionsweise zu ergründen oder überlegen, wie man einem Spielzeugfisch mithilfe einer Amazon-Alexa sprechen beibringen könnte.

In der Ecke eines Raumes steht ein Sandkasten, auf den in Echtzeit das Höhenprofil des Sandes projiziert wird. Gräbt man ein Loch, wird die Stelle blau, der nebenan entstehende Hügel leuchtet rot. Das alles bekommt man so selbstverständlich gezeigt, dass man sich kaum zu fragen traut, warum so etwas gebaut wird – tut man es doch, ist "Weil wir es können!" die Antwort, auf die sich alle im Raum einigen können.

Eine unterstützende Community

Die Gespräche am Tisch drehen sich nicht nur um technische Spielereien. Regelmäßig driftet die Diskussion hin zu (netz-)politischen und gesellschaftlichen Themen, und dabei offenbart sich häufig ein differenzierter Blick auf kollektive Herausforderungen. "Wer sich mit Computern beschäftigt, ist in der Lage, mit Komplexität umzugehen, und das hilft auch beim Verstehen der Gesellschaft", mutmaßt ein Hacker.

Ende Dezember findet der jährliche Kongress des Bundes-CCC statt, dieses Jahr zum ersten Mal in Leipzig. Mit zuletzt rund 12.000 Besuchern existiert dabei eine ziemlich große Subgesellschaft von Hackern und Haecksen aus ganz Deutschland, die extrem divers ist. Dieser Diversität begegnet die Szene mit einer ausgesprochen offenen und wertschätzenden Grundhaltung, "all creatures welcome" ist dabei das Credo.

Auch für die Freiburger Hacker macht genau das einen Teil des Reizes dieser Veranstaltungen aus: eine angenehme und zwanglose Atmosphäre und eine unterstützende Community.

Netzpolitische und technische Themen

Vom Bundeskongress des CCC gehen schon lange politische Impulse und gesellschaftliche Debatten zu netzpolitischen und technischen Themen aus. Die Mitglieder des CCC Freiburg wünschen sich, das solche Themen auch unter dem Jahr eine Aufmerksamkeit bekommen, die ihrer Relevanz gerecht wird. Dafür setzt sich der CCCFr auch selbst ein – er versteht sich als Verein mit einem Bildungsauftrag und Veranstaltet Workshops, Kurse und Vorträge für alle Interessierten.

Und weil das alte Hauptquartier aus allen Nähten platzt, planen sie nebenbei den Umzug in einen neuen, größeren Hackerspace, um noch mehr Ideen verwirklichen zu können: "An Ideen mangelt es uns eigentlich nie – nur manchmal an den Mitteln und an den Leuten".
Der CCC Freiburg trifft sich vor allem montags und dienstags im Hackerspace in der Dunantstraße 16a. Interessierte sind jederzeit willkommen.
Die aktuellen Veranstaltungen, Aktionen und Kurse, auch für Einsteiger, findet man auf cccfr.de.