Zorbing: An der Hochfirstschanze wird in Riesenkugeln gerollt

Sebastian Wolfrum

Alles dreht sich – und so soll es sein. An der Hochfirstschanze in Neustadt wird seit Freitag Zorbing angeboten. Dabei klettern Menschen in eine riesige Plastikkugel und rollen damit den Abhang herab. Eine Testfahrt.

Wo ist oben, wo unten? Keine Chance, das Hirn kommt nicht mehr mit. Der Zorb dreht sich, rollt mit etwa 30 Kilometern in der Stunde den Auslauf der Sprungschanze in Neustadt runter. Blau, grün, blau, grün, der Horizont der Passagiere der transparenten Riesenkugel wechselt ständig zwischen Boden und Himmel. Dazu kribbelt der Bauch, Achterbahnfahren lässt grüßen.


Seit diesem Wochenende kann man einen neuen Menschenschlag im Hochschwarzwald treffen: die Zorbonauten. So nennt man die Wagemutigen, die die Kugel reiten. Das Ganze ins Rollen gebracht haben Philip Hog und Timo Grießenauer. Die beiden 29-jährigen Unternehmer aus Emmendingen bieten schon länger Geocaching Touren an, eine Art Schnitzeljagd mit modernen Ortungsgeräten. Jetzt haben sie erweitert und in die große Plastikkugel investiert.



Frisur verwuschelt, das Lächeln sitzt

Wer mitfahren will, hüpft mit einer Art Kopfsprung durch eine der beiden Öffnungen in den Zorb. Die PVC-Kugel mit 3, 20 Meter Durchmesser besteht aus zwei Bällen, die mit Schnüren miteinander verbunden sind. Innen ist es erstaunlich geräumig. An der Wand sind zwei Matten angebracht, die sich gegenüberliegen. Links und rechts davon Anschnallgurte, ein Sechs-Punkt-System. Bauch, Brust und Beine werden festgeschnallt, für die Hände gibt es Halteschlaufen.

"Der Ball, die Gurte und die Anlage sind TÜV-zertifiziert", sagt Grießenauer. Er betont den Sicherheitsaspekt. Zorbing ist in die Negativschlagzeilen gekommen, als in Russland zwei Menschen verunglückten, die in einem Ball im Kaukasus eine Skipiste herunterrollten. Der Veranstalter wurde verhaftet, er hatte keine Lizenz. Das soll in Neustadt nicht passieren können, Banden begrenzen die Strecke auf beiden Seiten. Das Konzept von Hog und Grießenauer wurde von Behörden eingängig geprüft und genehmigt.



Zorbing stammt aus Neuseeland und ist in Tourismusgebieten weltweit inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. In Deutschland findet man die Aktivität aber recht selten. In Verbindung mit einer Skischanze ist sie nach der Meinung von Rog und Grießenauer sogar weltweit einmalig. Verwaltung und Gemeinderat Titisee-Neustadts waren von Beginn an Fan des Projekts. Die städtische Fläche ist an die Zorbing-Unternehmer verpachtet. Die Bälle rollen an Feiertagen und Wochenenden, wenn andere Veranstaltungen stattfinden, ruht die Riesenkugel. Auch die heimischen Touristiker sind mit an Bord, die Hochschwarzwald Tourismus GmbH wird die Kugeln mit vermarkten.

Gestartet wird von einer kleinen Rampe am Kopf des Auslaufs. Die Kugel nimmt ziemlich schnell Fahrt auf. Zumal Zorbonauten gefühlt viel schneller kreisen, als es von außen aussehen mag. Die Veranstalter sprechen von etwa 30 Sekunden Fahrt, das Zeitgefühl geht bei den Fliehkräften aber schnell verloren. Erst wenn die Kugel den Gegenhang hinaufrollt und abbremst, kommt die Orientierung langsam zurück. Durchatmen, kurz schütteln, die Frisur ist verwuschelt, aber das Lächeln sitzt.



Preise und Buchen

Eine Fahrkarte kostet 22 Euro, zwei Personen zahlen 38 Euro. Gezorbt werden kann jeden Samstag, Sonntag und Feiertag noch bis einschließlich Oktober, immer von 11 bis 17 Uhr. Die Saison 2014 geht von Juni bis Oktober. Tickets gibt es vor Ort oder im Internet unter MyZorbing.deOriginal-Schwarzwald.de und Hochschwarzwald.de.

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