Zoot Woman im Jazzhaus: ein nie eingelöstes Versprechen

Alexander Ochs

Zoot Woman - das ist Elektropop der Achtziger Jahre, das ist das Versprechen einer großen Band, das aber nie eingelöst wurde. Gestern spielten die Blake-Brüder im ziemlich leeren Jazzhaus. Ihr Auftritt: Nurmehr ein schlechter Abklatsch früherer Konzerte, findet fudder-Autor Alexander Ochs.



Der Synthiepop der 80er Jahre feiert weiter fröhliche Auferstehung: Die britische Band Zoot Woman weiß ihn kühl und entschlackt zu zelebrieren. Doch was heißt hier Band? Im Stile eines "Live Act" stehen die Brüder Adam und Johnny Blake im dunklen Sakko auf der Bühne, ein jeder auf einer zwei Quadratmeter großen Plattform stehend, Adam am Keyboard, Johnny mit umgehängter Gitarre. Johnny singt einerseits hoch-kühl und zugleich warm-schmachtend. Doch damit hat sich die Live-Performance eigentlich schon, wenn man vom gelegentlichen Anschlagen eines Tons, einer Tonfolge oder eines Akkords absieht. Gitarrenläufe oder gekonnt über die Tasten huschende Finger sucht man hier vergebens.


Schon als das Duo die Bühne betritt, kommt die Musik vom Band: sphärische Synthesizer, Chöre, ein Hauch von Drama, bevor "We won’t break" ertönt. Gepflegter Elektropop, der aber live in der Zweierformation nur bedingt funktioniert. Wer eines ihrer früheren Konzerte der 14-jährigen Bandgeschichte gesehen hat, musste sich verwundert die Augen reiben: Was? Nur zwei? Ohne Mastermind Stuart Price, den genialen Soundtüftler, der schon Hand anlegen durfte bei Madonna, The Killers oder den Pet Shop Boys, und ohne richtige Band wirkt das ohnehin minimalistische Konzept einfach zu dünn. Was im Studio und auf Platte teilweise bestens funktioniert hat, kommt in dieser reduzierten Form artifiziell und bisweilen beliebig daher. Während die Jungs im Kunstnebel verschwimmen, schießt der Elektrosound zumindest manchem Konzertbesucher ins leicht schlackernde Tanzbein.

Insgesamt springt der Funke jedoch kaum über, was sicherlich auch daran liegt, dass sich höchstens hundert Besucher im Kellergewölbe verlieren. Auch wenn in Songs wie "Don’t tear yourself apart" oder "Information first" Anleihen aus der Techno- und Clubmusik der 90er Jahre hörbar werden, ist die Musik doch wenig abwechslungsreich. Der freiwilligen künstlerischen Selbsteinengung entspricht, dass keiner der beiden Musiker in den Dreißigern mehr als einen halben Quadratmeter Fläche bespielt. Spärliche Gesten, keine Ansagen, Halbplayback. So mancher Songtitel wie "Silhouette" oder "It’s automatic" nimmt sich da beinahe selbstreferenziell aus.

Und so wirkt die live zum Duo geschrumpfte Elektropop-Formation, die um die Jahrtausendwende so verheißungsvoll gestartet war, wie ein angedeutetes Versprechen – das aber nie eingelöst wird. Nur einmal, als die Beiden nach gut einer Stunde auf den Höhe- und Schlusspunkt des Abends zusteuern, den Clubhit "Living in a Magazine". Doch der stammt vom ersten Album, aus dem Jahr 2001. So, wie die Blake-Brüder ihre 80er-Synthie-Nostalgie in die Jetztzeit retten, müssen sie aufpassen, dass sie nicht zum Auslaufmodell wird.

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[Foto: Florian Forsbach]