Zois Lasalle: Battle-Rap straight outta Gundelfingen

Manuel Lorenz

Spast, Bitch, Arsch: Ist das der Umgangston unter Jugendlichen aus Gundelfingen? Wenn's nach Zois Lasalle geht offenbar schon. Der 19-jährige Kleinstadtrapper nimmt den Mund gerne voll und sagt über sich selbst: "Fick Mathe: Zois + Lasalle = der Beste".

"Bescheidenheit ist eine Zier, / doch weiter kommt man ohne ihr." Dieser Spruch stammt zwar nicht aus dem Reimbuch von Marius Bittner a.k.a. Zois Lasalle; der Rapper aus Gundelfingen scheint ihn sich aber zum Motto erwählt zu haben. "Die Freiburger Rapper sind verschlossen, zurückgeblieben und nicht innovativ", sagt er. "Ich versuche eher, mich von ihnen abzuheben, als mich mit ihnen gemein zu machen."


Er sagt es mit einem Augenzwinkern. Und mit demselben Augenzwinkern produziert er wie am Fließband Zeilen wie die folgenden: "Ich bin kein Rapper der Norm, Junge mein Rap ist enorm, denn ich bin step by step immer besser geworden, jeder checkt es sofort, ich bin zum Rapper geboren." Oder: "In einer Zeit in der sogar schon Aggro Berlin retro ist, braucht es einen talentierten arroganten Egoist." Für Lasalle scheint Rap vor allem auch ein Game zu sein. Und da gehören Selbstüberschätzung und Kampfansagen seit jeher dazu.

Die Botschaft kommt an. Schon zwei Rapper haben den Fedehandschuh aufgenommen. Zuerst Prisma mit seinem "Zois Lasalle Diss", auf den Lasalle mit seinem "MC Prisma Diss" antwortete, der allerdings nicht mehr online ist. Dann disste ALX den Gundelfinger in seinem Track "Zois + LaSalle". Gleich zu Anfang heißt es darin: "Zois, du bekommst den Lauf deiner Rifle aufs Nasenbein, lade danach deine Mutter zum Blasen ein." Prompt antwortete Lasalle vermittels seines "ALX Diss": "ALX, du Gerd, wo sind deine Reime abgeblieben? 'Du hast keine Fantasie' wär' noch reichlich übertrieben."



Lasalle selbst hat reichlich Fantasie und einen großen Output. Im Frühling und im Sommer 2011 produzierte er in Eigenregie zwei komplette Alben, die man auf Soundcloud anhören und herunterladen kann. Und: Zur Zeit schreibt er schon am nächsten, das aber erst 2012 fertig werden wird. Manchmal wünscht man sich, er würde sich dabei mehr Zeit lassen. Denn: Im ersten Augenblick machen seine Songs zwar Spaß, der Flow ist solide und die nach außen gekehrte Gundelfinger Mittelstands-Unbekümmertheit lassen einen schmunzeln. Spätestens beim dritten Track verliert man aber die Orientierung. Fast nie ist klar, worum es eigentlich geht. Immer wieder verliert sich Lasalle in Eigenlob, Nabelschau und Herumgedisse. Eine der wenigen Ausnahmen ist seine Wochenendhymne "Samstag", in der er stringentes Storytelling betreibt.

Auch würden seine Tracks davon profitieren, dass er die Beats selber produziert. Dass weiß er allerdings selbst und sucht noch händeringend nach jemandem, der ihm dabei hilft. Bis dahin ist er auf US-amerikanische Websites wie datpiff und hipstrumentals.com angewiesen, wo Beats zur nichtkommerziellen Nutzung frei zur Verfügung gestellt werden. Immerhin hat er schon mal jemanden, der ihm hochwertige Albumcover, Fotos und Videos macht: Yves Bierwald von Zephire Artist Network. Und das Taschengeld, um sich mit Diesel, Tommy Hilfiger und Ralph Lauren einzukleiden: original G(ufi)-Style halt.

High Tech - Lasalle

Quelle: YouTube
[youtube FGdjuNAtLSA nolink]

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