Zivilcourage: Wie schlichtet man eine Schlägerei?

Aljoscha Harmsen

Zwei junge Männer schlagen auf einen ein, ein vierter kommt hinzu, will den Streit schlichten und ist am Ende der, den es am schlimmsten erwischt: Genau das ist Florian (Name von der Redaktion geändert) am 7. März vor der Walthari Buchhandlung passiert. Aljoscha erzählt seine Geschichte und hat bei der Freiburger Polizei nachgefragt: Wie verhält man sich in einer solchen Situation richtig?



"Es ist eine typische Zwei-gegen-Eins-Situation", erinnert sich Florian. "Es gibt eine laute Diskussion, aber ich kann nicht verstehen, worum es geht. Ein paar Meter weiter weg von den Männern steht jedoch eine Frau." Dann sieht er, wie einer unvermittelt dem anderen die Faust ins Gesicht schlägt. Um zu helfen, versucht er, den Angreifer von seinem Opfer wegzuziehen. "Dann schlägt er unvermittelt auf mich ein."


Jetzt mischt sich der zweite Angreifer ein, der sich bislang zurückgehalten hat, und Florian muss sich gegen zwei junge Männer wehren. "Das war einer zu viel. Ein paar Schläge auf den Kopf, ein dicker Schädel, eine dicke Lippe, ein Veilchen und eine Verletzung unter dem linken Auge kassiere ich, bevor sie von mir ablassen." Florian muss später am Auge genäht werden. Sein Glück ist, dass weitere Passanten hinzukommen und die Angreifer zwingen, Florian loszulassen. "Und dann gehen die beiden Angreifer einfach in normalem Schritttempo davon, als wäre nichts gewesen."



Jetzt verständigt Florian die Polizei, die dank seiner Beschreibung die Angreifer findet und bei der Stadtbahnbrücke festnimmt. Er stellt anschließend eine Anzeige wegen Körperverletzung. 

"Ich habe eingegriffen, weil es mir egal war, aus welchem Grund der andere geschlagen wurde", sagt Florian heute. "Die hatten kein Unrechtsbewusstsein, das hat mich geärgert. Ich wollte, dass sie für ihre Tat Rechenschaft leisten." Nur eine Sache würde er heute anders machen: "Ich würde die Polizei rufen, bevor ich mich einmische."

Das rät auch Polizeisprecher Ulrich Brecht, denn "der Helfer ist sonst nachher der Verlierer. Die fallen über einen her und richten einen übel zu." Meinrad Drumm, Sachgebietsleiter der Prävention der Polizeidirektion Freiburg erklärt, wie man sich am besten verhält:



"Zuerst die Polizei rufen und dann denjenigen ansprechen, der den Konflikt auslöst. Während man auf die Polizei wartet, sollte man versuchen, umstehende Personen miteinzubeziehen, und zwar nicht mit den Worten 'Helfen sie mir', sondern immer direkt jemanden ansprechen, etwa so: 'Der Mann mit der braunen Jacke! Ich bitte Sie um Unterstützung!' Bloß kein Heldentum! Während man auf die Polizei wartet, sollte man sich die Personen einprägen und sich später als Zeuge melden."
Das Ansprechen reiche zumeist schon aus, weil die Täter so merken, dass sie beobachtet werden.

"Die meisten Leute haben Angst, selbst Zivilcourage zu zeigen, weil sie immer nur aus den Medien von Negativbeispielen wie dem Münchner Rentner in der U-Bahn hören", kritisiert Florian. "Warum kommt es nicht in den Nachrichten wenn jemand zum Beispiel für eine couragierte Hilfeleistung ausgezeichnet wird?" Diese Kritik gilt es allerdings ein wenig zu relativieren. Über den selbstlosen Einsatz des Freiburger Kioskbesitzers Edgar Wölfle etwa wurde in vielen Medien berichtet.

Florian jedenfalls erklärt seine Motivation zum Helfen ganz einfach: "Wenn jemand angegriffen wird, helfe ich und wenn ich selbst angegriffen werde und Hilfe brauche, möchte ich, dass mir jemand hilft. Das sollte selbstverständlich sein."