Zermarterte Hirne

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, womit sich zur Zeit weltweit Freunde des unnützen Wissens beschäftigen? Jedenfalls die, die der deutschen Sprache mächtig sind oder es übersetzt bekommen sind seit einer Woche im Fieber: Das komplizierteste Rätsel Deutschlands ist da, das Rätselrennen des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Seit 1990 schon denkt sich ein nur unter Pseudonym bekannter Münchener Jurist extrem krude Fragen aus.

Jedes Jahr während zwei Wochen im August treffen sich Verrückte online oder in der Realität, um die verworrenen und extrem kniffligen Fragen von CUS, dem Autor, zu lösen. Seit ca. 10 Jahren geht es in der ersten Frage immer um eine berühmte und eindrucksvoll große Brücke, die in einer Stadt mit besonderer Straßenbahn steht. Alles deutet auf die Golden Gate Bridge in San Francisco hin, doch (noch) nie war das richtige die Lösung.


Nicht umsonst gibt es nie mehr als 400 richtige Einsendungen, denn ein Teil des Rätsels ist es, anhand von Fakten aus den richtigen Antworten die korrekte Adresse herauszufinden, an die die Lösung geschickt werden muss. So musste man beispielsweise im Jahr 2005 die Zahlen, die als Lösung auf die Fragen herauskamen, mittels einer Tabelle in Noten umkodieren. Diese dann in die richtigen Oktaven gesetzt ergaben den Anfang eines berühmten Liedes. Gemeint war das Gitarrensolo aus dem Song "Hotel California" von den Eagles. Und auf dem Berliner Kurfürstendamm gibt es ein gleichnamiges Hotel, wohin die Antwort geschickt werden musste.

Wenn man bei diesen Fragen eine Lösung herausgefunden hat, gibt es diesen Aha-Effekt und man wundert sich, warum man da nicht sofort drauf gekommen ist. In diesem Jahr sind die ersten zwölf Fragen schon veröffentlicht worden und die zweite Hälfte folgt heute um 19:00 Uhr. Für alle, die sich das einmal antun möchten, gibt es hier die bisher als "am einfachsten" angesehene Frage des diesjährigen Rätsels als Kostprobe: 

MEIST SCHWARZE MUSIK 

 
Gesucht ist ein Werk, das »in der Geschichte der abendländischen Musik seinesgleichen sucht«. Seine Geburtsstunde schlug angeblich bei der Uraufführung des Parsifal. Der Titel, so das Fachbuch, aus dem wir zitieren, beruht auf einem Verleser. Demnach wäre das Werk nach einem Komponisten aus dem Jeverland benannt. Erwähnt wird auch der Graf von Sondershausen. Der Name des Werkes ist teilweise falsch, teilweise schwer erklärlich. Zahlenmystisch gesehen ergäben sich 3 hoch 3 x 2 Töne. Die behaupteten Anklänge an Präludien von Rachmaninoff und Schostakowitsch wollen uns nicht recht eingehen. Der Name des Stücks taucht im Episodentitel einer beliebten Fernsehserie auf. Unter welchem Namen ist das Stück bei uns bekannt?

Na, auf den Geschmack gekommen? Auf der Homepage des Süddeutschen Magazins gibts alle Fragen, mit denen man sich den Kopf zerbrechen kann. Und natürlich kann man da auch was gewinnen, was bei dieser Art Fragen allerdings eher nebensächlich wird.