Zensur bei Flickr?

Christoph Müller-Stoffels

Aufregung bei der Foto-Community Flickr. Gestern noch wurde mit Begeisterung verkündet, dass das beliebte Portal auch auf Deutsch gibt. Doch schon heute kocht die Community-Seele hoch: Ein Filter sorgt dafür, dass die deutsche Suchfunktion nicht mehr alle Bilder anzeigt. Die Blogosphäre spricht von Zensur.



Mit der Eröffnung der internationalen Filialen (Fudder berichtete) hat der Internetdienst Flickr auch neue Filter installiert. In den vergangenen Wochen waren Flickr-Nutzer dazu aufgefordert worden, ihre Bilder auf die Allgemeinverträglichkeit hin zu bewerten. Solche, die als "moderate" ("mittel") oder "restricted" ("eingeschränkt") markiert sind, werden über die Suchfunktion nicht mehr angezeigt. Flickr dazu: "Wenn Sie eine Yahoo!-ID aus Singapur, Deutschland, Hong Kong oder Korea verwenden, können Sie aufgrund der dortigen Geschäftsbedingungen die sichere Suche nicht abschalten."


Nur angemeldete Mitglieder über 18 Jahre können die sichere Suche abschalten. Allen anderen bleiben viele Inhalte verwehrt. Dabei erschließt sich nicht ganz, warum die deutschen Nutzer mit denen aus Korea in einen Topf geworfen werden. Von Flickr ist nur zu hören, dass es eine "complex situation" sei und das man keineswegs im Sinn habe, irgend jemanden zu zensieren. Gerade das sehen viele Nutzer anders. Von Zensur ist die Rede, und gerade dagegen soll sich zur Wehr gesetzt werden. Denn wer sich weigert, seine Bilder zu klassifizieren oder mit seinen Einschätzungen Flickrs Meinung nach daneben liegt riskiert, dass Flickr den gesamten Account als "mittel" oder "eingeschränkt" bewertet und damit für Nicht-Mitglieder sperrt.

In Foren bei Flickr oder Heise ist die Entrüstung dementsprechend groß. "Internet zensieren ist wie Bücher verbrennen", schreib ein User bei Heise. Auch die Frage, wer für die "Zensur" verantwortlich ist, wird diskutiert. Allerdings stellt sich die Frage, ob überhaupt von Zensur gesprochen werden kann, wenn ein privater Anbieter seine AGBs ändert. Auch wenn Flickr eine Plattform für alle ist, die ihre Bilder der Öffentlichkeit zugänglich machen wollen, bleibt es doch ein privater Service, für dessen Inhalte sich dessen Management verantworten muss.



Wenn Flickr nun also manche Inhalte sperrt, so kann das nur etwas mit den deutschen Gesetzen zu tun haben, die denen von Korea, Singapur oder Hongkong bedenklich ähnlich zu sein scheinen. Und diese drei (Teil-) Staaten gelten nun wirklich nicht als Hochburgen der freien Meinungsäußerung.

Wer damit argumentiert, dass es ja in erster Linie um den Jugendschutz gehe, lässt außer Acht, dass Flickr eine große künstlerische Spielwiese ist. Zu künstlerisch wertvoller Fotographie gehören auch Aktbilder, die nun aber als "mittel" oder "eingeschränkt" klassifiziert werden müssen. Das kann nicht nur dazu führen, dass sie Mitgliedern der gleichen Gruppe verwehrt werden, sondern, wie ein Nutzer festellen musste, dass der Fotograph selbst seine Bilder nicht mehr sehen kann.

Allerdings wird in den Foren auch diskutiert, wie die Beschränkung zu umgehen ist. Da sie sich an der Yahoo-ID orientiere, so schreibt ein User, könne man einfach einen neuen Yahoo-Account anlegen und diesen mit dem Flickr-Account verknüpfen.

Flickr selbst ist sich indessen vollauf bewusst, dass sie sich keine Freunde machen. Auch dürften die Aufrufe zur Demo nicht ungehört verhallen. Man höre durchaus die Proteste und arbeite daran. "We hope to have more to say soon." Diese Hoffnung dürften sie mit ihren Nutzern gemein haben. Allerdings sollte sich das Unternehmen beeilen, denn schon jetzt hat es an Reputation merklich eingebüßt.



Mehr dazu:

  • Der Protest gruppiert sich bei Flickr u.a. hier.