Zeno Gantner: Der Wikipedia-Autor

Adrian Hoffmann

Zeno Gantner gehört zu den Guten. Immerhin teilt der 25-jährige Informatikstudent aus Freiburg sein Wissen mit der ganzen weiten Welt, die einen Internetzugang hat. Er ist Autor für das Internetlexikon Wikipedia. "Ich profitierte davon, also kann ich auch etwas zurück geben", sagt er.



Mehrere hundert Beiträge hat Zeno schon geschrieben, den letzten über irgendeinen französischen Schriftsteller, den niemand kennt. Pierre Joulet Sieur de Chatillon heißt der, und Zeno hat herausgefunden, dass er zweimal verheiratet war und Kontrolleur königlicher Ländereien. Eine Freundin Zenos hat sich für ihr Studium mit dem Schriftsteller befasst, und Zeno hat zugeschlagen. Die Wikipedia ist so gut wie voll, einen Beitrag kann er fast nur noch mit Randthemen wie diesem veröffentlichen.


In Deutschland gibt es mittlerweile deutlich mehr als 1.000 Wikipedia-Autoren, in Freiburg aber sind es noch sehr wenige, man kann sie laut Zeno an einer Hand abzählen. Sie treffen sich ab und an zu einem Regio-Stammtisch.

Viele der Mitglieder sind mehr mit kleinen Rechtschreib-Korrekturen beschäftigt als mit dem Verfassen neuer Beiträge. Die meisten der freiwilligen Autoren haben einen Hang zur Perfektion. Auch Zeno korrigiert in letzter Zeit viel, außerdem kümmert er sich mit einem kleinen Kreis anderer Helfer um eine bessere Benutzbarkeit der Seite.

Dass der Ruf der Wikipedia ab und an durch Negativschlagzeilen etwas Schaden nimmt, stört Zeno nicht wirklich. "Da gibt es immer mal wieder ein Skandälchen, das liegt an der offenen Natur des Projektes", sagt er. Und es gebe ja im Schnitt mehr vernünftige als unvernünftige Menschen. Falls also irgendein dahergelaufener Idiot irgendwelchen Quatsch schreibt, löschen verantwortungsbewusste Autoren diesen Text einfach wieder raus. So unkompliziert läuft das.

Zeno hat seiner Ansicht nach nicht nur dank des vielen Wissens einen Nutzen von der Seite. "Man lernt auch, neutraler zu schreiben", sagt er. Das ist das oberste Prinzip der Wikipedia: keine Meinungsäußerungen. Wenn es mehrere populäre Sichtweisen zu einem Thema gibt, werden die eben aufgelistet. Allerdings ohne Stellung dazu zu nehmen.



Was viele Nicht-Wikipedianer am meisten verwundert: Das Lexikon funktioniert, obwohl keiner außer dem Gründer der Seite wirklich Geld damit verdient. Selbst der Hauptautor, Brion Vibber, verdient zwar seinen Lebensunterhalt damit, aber nicht wirklich viel. "Ich meine, das ist halt mein Hobby, das ist ja nix Schlimmes", sagt Zeno und lacht. Das Schöne an der Sache sei ja auch, dass es keine Verpflichtung gebe. Wer grade nichts schreiben kann, schreibt nichts. Es sind genügend Autoren da.

Als Informatikstudent und Programmierer kennt Zeno natürlich noch jede Menge anderer Seiten im Netz, er lebt ja quasi darin. Und natürlich arbeitet Zeno noch bei anderen Seiten freiwillig mit. Zu einer seinen aktuellen Lieblingsseiten gehört Wikitravel. Das ist eine Seite, auf der freiwillige Autoren alles Mögliche über Reisezeile schreiben. Der Vorteil davon ist, dass die News auf der Seite viel aktueller sind als in einem Reiseführer, außerdem spart man sich das Geld für die dicken Klötze, die sowieso immer viel zu schwer sind. Da diese Seite aber noch nicht so bekannt ist, gibt es auch noch wenige oder gar keine Freiburger Autoren außer ihm.

Doch Zeno wird das schon noch ändern. Es ist nur eine Frage der Zeit.