Zeitschriften-Trash (Teil 3)

Dominik Schmidt

Von den meisten kaum beachtet, verstauben im Freiburger Bahnhofskiosk Titel, die keiner haben will. Randgruppenjournalismus oder einfach nur Zeitschriften-Trash. Und das ist nicht böse gemeint, denn ein Blick in die Welt der speziellen Interessen zeigt Liebe fürs Detail von skurril verrückt bis süß detailliert. Dieses Mal: Teddy & Co. und Pulsar.



Teddy & Co

Der Teddybär ist die kuschelige Variante der Barbie. Mit geradezu süßem Fanatismus bringt die Zeitschrift „Teddy & Co“ den Bärenliebhaber in Wallung. Liebstes Stück der Leser ist das „Teddy Tuning“. Bummi und Falki schauen ganz mitgenommen auf dem Vorher-Foto drein. Abgewetzter Stoff und Brandverletzung im Gesicht. Nachdem Restauratorin Weigmann heilend Hand angelegt hat, strahlen die beiden unzertrennlichen Teddys  auf dem Nachher-Foto, Bildunterschrift: „Endlich wieder ohne Flicken!“ und „Die Unzertrennlichen sind wieder fit!“


Und wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, seinen „Teddy mal so richtig aufmotzen zu lassen, zum Beispiel als Motorradfahrer in stilechter Lederkluft?“. Sind Teddys doch mittlerweile eine Minderheit zwischen all dem Teletubbies- und Pokémonwahn, gibt es hier eine Plattform für nostalgische Plüschverehrer.

Semantische Stimuli

„Da sich der Mann von Brigitte N. aus Lübeck häufig über kalte Frühstückseier seiner Frau beschwerte, suchte sie nach einem Ausweg und entwarf diese bärigen Helfer (Anm. d. Red.: Bärige Eierwärmer. Foto liegt der Redaktion vor). Guten Appetit.“

Fotobeweis

Jean Claude taucht öfters im Heft auf. Er scheint so eine Art französischer Obdachloser zu sein.



Die beeindruckendste Werbung

„Diese hochwertige, abgeliebte Mohairserie, Florlänge ca. 12mm, mit stark verfilzter, fast matter Ausrüstung […] Jetzt für einen nostalgischen Preis von 59€ pro Meter!“

Informell

Teddy & Co. Ausgabe 2 / 2010 | Stückpreis 5 Euro | Web teddymagazin.de

Pulsar

Hermeneutische Aspekte:

Pulsar, die Zeitschrift für aktives Bewusstsein, geht richtig unter die Haut. Wer etwas über die Berufsgruppe „Energetiker“, die Tropenfrucht „Mangostan“, das Netzwerk „Heiler der Herzen“ oder die Rückenbehandlung „Ismakogie“ wissen möchte, sollte einen Blick in dieses ganzheitlich-wundervollbringende Bewusstseinsheftchen werfen.

Eine engelsgleiche Leichtigkeit beflügelt einen beim Durchblättern des Pulsar. Frauen um die 50 lächeln einem mit knalligem Lippenstift entgegen und angegraute Herren versprühen positive Astroenergien. Das ganze Blatt mutet als Resonanzkörper von wahren Energieheiligen an.

Semantische Stimuli:

„Ein spiritueller Weg hängt nicht davon ab, ob ich verheiratet bin oder nicht.“

Fotobeweis



Die exemplarische Kleinanzeige:

„Erlebnis Workshops finden monatlich in Weiz und anderen steirischen Städten statt […] Und das schönste, niemand muss seine Probleme aussprechen, der Gedanke daran reicht.“

Informelles

Pulsar – Ausgabe 1 / 2010 | Auflage: 18.000 Stückpreis 4,20 Euro | Web PulsarMehr dazu: