Zeitdokument: Hier sprechen die Täter und Opfer von Auschwitz

Christina Fortwängler

Ein bedrückendes Zeitdokument gegen das Vergessen: Das Fritz Bauer Institut hat Tonbandaufnahmen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses medial aufbereitet und online veröffentlicht. Audiodateien nebst Texten geben die Prozesserkenntnisse umfangreich wider. Nahe gehen die O-Töne der Überlebenden, die die unvorstellbare Grausamkeit des Lagers dokumentieren.



6 Millionen Menschen hat das NS-Regime systematisch ermordet, davon allein 1,5 Millionen in Auschwitz.

In welchem Ausmaß die Insassen der Lager gequält, zu Tode gefoltert und auf unmenschlichste Art und Weise hingerichtet wurden, konnte in seiner Vollständigkeit erst 20 Jahre nach der Befreiung des KZs erfasst werden: In 183 Verhandlungstagen zog der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess zwischen 1963 und 1965 Verantwortlichen zur Rechenschaft und brachte die traurige Wahrheit über das KZ Auschwitz zu Tage. Fünf weitere Prozesseinheiten folgten.


Das Frankfurter Fritz Bauer Institut bietet nun die Möglichkeit, die Tonbandaufnahmen des ersten Auschwitz-Prozesses im Original online anzuhören. In medial aufbereiteter Form sind die Audio-Aufnahmen und entsprechende Textprotokolle hinterlegt. Dazu gehören Aussagen der ehemals Inhaftierten und Überlebenden, der Angeklagten, die Anklageschriften der Staatsanwälte sowie die mündliche Urteilsverkündung des Vorsitzenden Richters Hans Hofmeyer. Die Bestürzung über das Erfahrene ist groß. Auch über das Winden und die Schamlosigkeit der Angeklagten:

"Die Angeklagten haben 1945 ihre Gesinnung zusammengeklappt wie ein Taschenmesser. Und was das Schlimme ist: Aus ihren Einlassungen hier geht hervor, dass  dieses Taschenmesser noch heute zusammengeklappt ist – und ein zusammengeklapptes Taschenmesser ist ein Messer", so formuliert es Staatsanwalt Kügler in seinem Plädoyer.

Fritz Bauer Institut:

[Foto: dpa]

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