Zehntklässler vom Berthold-Gymnasium drehen Kurzfilm zu Amoklauf und Selbstmord

Antonia Höft

Die Jugend von heute? Ist kreativ! Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man sich anschaut, was die beiden Zehntklässler Heinrich Hummel und Marius Förster vom Berthold-Gymnasium fabriziert haben: den gut achtminütigen Kurzfilm "Schlussendlich" zu den Themen Amoklauf und Selbstmord.



Entscheidung, Alleinsein und Nachdenken - diese drei Wörter beschreiben ihren gut achtminütigen Film am besten, meint Heinrich Hummel. Er hat dabei Regie geführt, sein Freund Marius Förster fungierte als Protagonist. Über zwei Monate haben sie daran gearbeitet, meistens am Wochenende oder in den Ferien, in Locations wie dem Wiehrebahnhof, dem Berthold-Gymnasium oder Privatwohnungen. Als Schauspieler und Mitwirkende dienten großteils Klassenkameraden. Ende Januar war der Film fertig.


Heinrich hat schon mit elf Jahren mit dem Filmen angefangen. „Meistens war es eher Schwachsinn als Qualität; manchmal gab es nicht mal ein erkennbares Thema“, sagt er. Ernsthafter ging er es zum ersten Mal vor einem Jahr an, als er einen Kurzfilm über Spielsucht und eine Komödie darüber drehte, wie die französische Sprache entstand. Seine Lieblingsregisseure: Alfred Hitchcock, Peter Jackson oder David Fincher.

Marius hingegen schaut gar nicht so viele Filme. "Das liegt aber weniger am Medium Film selbst, sondern mehr an der Umgebung, in der man sich Filme anschauen muss." Beim Kino störe ihn der hohe Eintrittspreis, beim Fernsehen die Werbung. "Emotional wird man völlig aus der Situation rausgezogen, wenn im Anschluss eine Autowerbung kommt", sagt er.



"Eigentlich geht es gar nicht so sehr um den Amoklauf, sondern vielmehr um die Entscheidung davor", sagt Heinrich zu "Schlussendlich". Ob es dann zum Amoklauf oder zum Suizid kommt, bleibt offen. Der echte Film beginnt nach dem Film. "Der Antrieb, der zum Nachdenken anregt, ist das, was ich als eigentlichen Film betrachte."

Aber wie geht man vor, beim Filmdreh? Heinrich hat die Erfahrung gemacht, dass man sich von vom Bild, das man sich im Kopf gemacht hat, nicht zu sehr beeinflussen lassen soll. So etwas könne Dreharbeiten negativ beeinflussen und verzögern. „Manchmal sieht das schöne Bild im Kopf auf dem Display nicht so gut aus, wie erwartet. Andererseits kann vorkommen, dass man während des Drehs zufällig an einem Ort vorbeikommt und denkt: Das ist der perfekte Drehort, einfach wow“, so Heinrich.

Aber auch andere unvorhergesehene Dinge passieren: „Ein paar Szenen mussten wir nachsynchronisieren und dabei musste ich Schreigeräusche aufnehmen", sagt Marius. Es war sieben Uhr morgens, und sie drehten draußen. "Natürlich sind Leute aus den Häusern gekommen und haben gefragt, ob alles in Ordnung sei. Viele standen auch an den Fenstern“, so Marius.

Aufgenommen hat Heinrich den Streifen mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Das restliche Equipment hat er sich selbst zusammengebastelt: eine Softbox aus einem Baustrahler, zwei Kameraschienen, eine Art Steadycam, einen Reflektor. "Auf dem Markt ist das Zubehör viel zu teuer und leihen kostet meist auch viel Geld, also hab ich's mir einfach selbst gemacht", sagt Marius.



Mit wenigen Ausnahmen - Kritik an den Laienschauspielern - war die Resonanz auf den Film positiv. Im Mai wurde er beim SchülerFilmForum im Kommunalen Kino vorgestellt; am vergangenen Montag außerhalb eines bestimmten Rahmens noch einmal. Aber das reicht den beiden Schülern nicht. Sie wollen, dass der Film auch außerhalb von Freiburg die Runde macht. "Wir wollen ihn im Winter beim 'Wettbewerb um den Jugendfilmpreis' in Stuttgart einreichen“, sagt Heinrich.

Auch wenn das nächste Filmprojekt schon in Planung ist, wissen die beiden noch nicht, ob sie nach der Schule an eine Filmhochschule gehen sollen. Heinrich ist sich nicht sicher, ob seine Filme dann so viel besser werden. Und Marius sagt: "Es ist auch immer schade, wenn man sein größtes Hobby zum Beruf macht." Weil: Dann hätte man das Hobby ja nicht mehr.

Schlussendlich - KURZFILM



Quelle: YouTube


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