Zehn Jahre Gonzales La Familia - ein Interview

Manuel Lorenz

Nach zehn Jahren belohnt sich die Freiburger Hiphop-Band Gonzales La Familia mit einem ganz besonderen Gig: Am 19. Juli spielen sie zum ersten Mal im Spiegelzelt des ZMF. fudder-Redakteur Manuel hat Gonzales-Rapper Moritz "Master Mo" Wangart gefragt, ob man als Rapper gegen Ende 20 nicht langsam mal verspießt.

 

fudder: In eurem Track „Rad der Zeit“ kommentiert ihr euren Status quo mit der Zeile „Früher wollt’ ich Rapstar werden, / heute will ich Frau und Kind“. Wird Gonzales La Familia in seinem zehnten Jahr spießig?

Moritz: Teilweise schon. Einer von uns, Marc, hat gerade geheiratet und wird bald Vater, und wir anderen ziehen mit der Freundin zusammen und werden sesshafter.

Die von dir zitierte Zeile war dann auch das Motto für Marcs Junggesellenabschied. Wir hatten alle ein T-Shirt an mit dem Slogan „Früher wollt’ ich Rapstar werden“ und er eines mit dem Spruch „Heute will ich Frau und Kind“. Das ist natürlich immer mehr ein Thema bei uns allen.

Marc? Ich dachte der heißt bei euch Leasure ...

Heißt er auch. Aber eigentlich verwenden wir unsere Pseudonyme nicht mehr.

Noch ein Zeichen der Verspießung?

Man findet halt zu sich selbst. Früher war’s angenehm, wenn nicht jeder sofort wusste, wer dahinter steckt. Dann findet man seinen Stil, wird immer selbstsicherer und will man selbst sein.

Eine andere Zeile lautet „Musik ist nicht die Welt“.

Das haben wir für uns alle erkannt. Zwei von uns haben zwar noch beruflich mit Musik zu tun, der Rest hat aber einen anderen Weg eingeschlagen. Ist halt doch nur noch ein Hobby.

Vor zehn Jahren habt ihr aber noch anders gedacht, oder?

Klar. Insgeheim haben wir uns alle gewünscht, Rapstars zu werden. Wir haben’s aber nie wirklich in Angriff genommen, hätten viel mehr investieren müssen. Unser erstes Album haben wir noch an ein paar Studios geschickt. Und dann davon geträumt, dass das Ding durch die Decke geht.

Und heute?

Wir sind froh, dass wir in Freiburg bekannt sind und uns darüber hinaus keine Sau kennt.

Das klingt ein wenig resigniert.

Nein. Aber das Ganze war schon immer auf Freiburg hin ausgerichtet, als Hobby. Unsere CDs verkaufen wird ja immer noch quasi nur an Leute, die wir kennen. 

Was hat sich bei euch am meisten verändert innerhalb der zehn Jahre?

Die Zugpferde haben immer gewechselt. Früher hat der eine mehr gemacht, dann war wieder der andere der Motor. Deshalb hat sich das Rad der Zeit auch immer gedreht.

Und musikalisch?

Da sind wir an dem Ding drangeblieben, das wir von Anfang an verfolgt haben. Wir sind nicht mehr ganz so poppig wie damals. Aber wir versuchen immer noch, authentische Musik zu machen – so wie wir sind. Die Leute erkennen uns wieder, wenn sie unsere Tracks hören.

Gonzales la Familia - Rad der Zeit

Quelle: YouTube
 

Wie hat sich die Freiburger Hiphop-Szene in der Zeit verändert?

Wir haben uns nie als Teil dieser Szene gesehen und uns nie wirklich mit ihr auseinandergesetzt. Außer am Anfang, auf Battles – siehe unseren Track „Schattenseite“.

Und deutscher Hiphop allgemein? Kommen da noch Sachen raus, die euch flashen?

In der Zeit von Aggro-Berlin hatten wir alle einen Durchhänger, hatten uns fast schon vom Hiphop distanziert und angefangen, andere Musik zu hören. Jetzt ist’s wieder besser, vielseitiger geworden. Da ist wieder einiges Cooles am Start.

Zum Beispiel?

Cro, natürlich.

Ihr rappt auch von „Aufbruch“. Wohin soll’s denn gehen in den nächsten zehn Jahren?

Das ist Selbstironie, also typisch Gonzales La Familia. Unser erstes Album hieß „Woran niemand mehr geglaubt hat“, das zweite „Alle Achtung“. Und wenn wir jetzt von „Aufbruch“ reden, meinen wir damit: Passt mal auf, jetzt kommen die nächsten zehn Jahre – oder die Zeit, bis wir Opas sind.

Also?

Wir haben das Ziel, unsere Band nie aufzulösen. Auch wenn’s irgendwann vielleicht nur noch ein Stammtisch ist oder wir nur noch auf irgendwelchen Hochzeiten spielen. Und nach unserem ZMF-Auftritt im Juli wollen wir das auch besiegeln. Wir wollen uns alle ein Band-Tattoo stechen lassen.

Oh. Wohin?

Das kann sich jeder selbst aussuchen. Wenn einer keinen Bock drauf hat, kann er sich’s auch auf die rechte Arschbacke machen lassen.

Und wo kommt’s bei dir hin?

Auf die linke Wade.

Fast schon unspießig!

Genau!  

Gonzales la Familia - Sport ist Medizin

Quelle: YouTube
 

Mehr dazu:

Was: Gonzales La Familia & Contenance in the Fridge
Wann: Donnerstag, 19. Juli 2012, 20:30 Uhr
Wo: ZMF Spiegelzelt
Eintritt: 10 Euro