Zaz im Zirkuszelt: Die fabelhafte Welt der quirligen Zahnfee

Alexander Ochs

Im Sturm hat Zaz in den vergangenen drei Jahren die Herzen der deutschen Radiohörer erobert. Bei ihrem umjubelten ZMF-Auftritt liegt ihr das Zirkuszelt binnen Minuten zu Füßen.

Begeisternd ist kein Ausdruck: Zaz fegt durchs Zirkuszelt wie eine Elfe auf Speed. Wie eine Fee, die allen etwas geben und mit auf den Weg geben will. Ganz wie Amélie Poulain aus dem märchenhaften Film. Wie die 34-jährige Zaz über die Bühne wirbelt, wie sie ihre Musiker bei deren Soli wortwörtlich ins Rampenlicht rückt und schiebt, wie sie mit unbändiger Freude sich, ihre Musik und ihre Fans feiert, zeugt von hoher Professionalität und schier unerschöpflicher Energie. Selbst beim Schlussapplaus flüchtet sie nicht wie die meisten Bandleader als erste von der Bühne, sondern verlässt diese als letzte, immer noch einmal für ein Späßchen, einen Hüpfer oder Jauchzer gut.

Eröffnet hatte Zaz den Abend mit dem Song „On ira“ vom zweiten Album, den sie auf ein breiteres Fundament stellt. Da sieht man, dass sie es mittlerweile gewohnt ist, in großen Hallen aufzutreten. Phasenweise stehen zehn Musiker auf der Bühne – darunter auch Klarinette, Kontrabass, Trompete, Saxophon, Akkordeon und Drehorgel.

Nach einigen opulenten Songs wechselt Zaz ins kleinere Fach – und schlägt ein neues Kapitel auf. Dafür wird ein großes „Buch“ auf die Bühne gebracht, an die drei Meter hoch, das aufgeklappt einen alten Jazzkeller aus den 30er-, 40er-Jahren auf die Bühne zaubert. Dabei erzählt sie auch, wie sie von der Zahnfee ein Buch geschenkt bekommen hat, als ihr der erste Milchzahn ausfiel. Und danach hat sie kurzerhand selber an ihren Zähnen gerüttelt und gezogen, um noch mehr Bücher einzuheimsen...

In der Jazzclub-Kulisse serviert Zaz im verkleinerten Bandformat eine souveräne, ständig die Stile wechselnde Mischung aus Gypsy-Swing, nettem Cabaret-Klamauk, funkelndem Chanson-Pop, Musette und Jazz-Einsprengseln. Darunter auch eine flotte Retronummer im Stil der 20er- und 30er-Jahre vom kommenden Album, das im November erscheinen wird. Später mischt sie noch Bigband-Sound und Salsa-Rhythmen drunter. Tosender Applaus, heftiges Fußgetrappel.

Die stimmungsvolle Akkordeonnummer "J’ai tant escamoté" geht fließend über in den Knaller Je veux, der natürlich gebührend gefeiert wird. Dann lässt Zaz ein, zwei Male kurz die Stimmtrompete aufblitzen, bevor mit der ausgelassenen Nummer "Déterre" wie wild flackernde Scheinwerfer zur Entgrenzung anleiten. Als Zugaben serviert die zierliche Französin noch zwei ruhigere Chansons, das umwerfend gut gelungene Edith-Piaf-Cover "Dans ma rue" und "Eblouie par la nuit". Wow!

Für die Statistiker: Durchschnittsalter und -temperatur: um die 40. Konzertdauer: gut 90 Minuten.

Held des Abends: Der kleine Junge, der es bei brütender Hitze stundenlang auf den Schultern seines Papas aushält. Und der Papa erst!

Spruch des Tages: Vor jedem Song liest Zaz radebrechend einen deutschen Text ab, zur Einführung in den Song. Als das Publikum dabei zu kichern anfängt, ballert sie lachend auf Französisch in die Menge: „Ihr macht euch lustig über mich! Mir egal! Ich lese das zu Ende vor, auch wenn es bis zum Jahresende dauert!“

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Foto-Galerie: Miroslav Dakov

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