Freiwillige vor

Zahnmedizin-Studierende der Uni Freiburg suchen Patienten zum Behandeln

Kathrin Blum

Um als Zahnarzt gut zu sein, braucht es vor allem Übung. Doch der Fachschaft Zahnmedizin in Freiburg fehlen Freiwillige, die sich in der Zahnklinik behandeln lassen wollen. Das hat aber viele Vorteile.

Niemand geht so richtig gerne zu ihm – und trotzdem sollte man ihn regelmäßig besuchen: den Zahnarzt. Um in diesem Beruf gut zu sein, braucht es nicht nur theoretisches Wissen, sondern vor allem Übung. Deshalb sucht die Fachschaft Zahnmedizin der Uni Freiburg Freiwillige, die sich von den Studierenden behandeln lassen. Im Gespräch mit Kathrin Blum zählen die angehenden Zahnärztinnen Marla Lechner und Larissa Tolsdorf auf, wie viele Vorteile das für Patienten hat.


BZ: Anderen Leuten im Mund herumzufuhrwerken klingt nicht gerade nach einem Traumberuf. Warum möchten Sie Zahnärztinnen werden?
Lechner: Ich wollte nach dem Abitur etwas mit Menschen machen und anderen helfen. Zwei Dinge haben mich von einem Studium der Humanmedizin abgehalten: Zum einen die lange Studien- und Ausbildungsdauer, zum anderen die Herausforderung, mit schweren Krankheiten und Tod konfrontiert zu werden. Ich glaube, dass mir das sehr nahe gehen würde. Für ein Zahnmedizinstudium sprach außerdem, dass ich gerne mit den Händen arbeite.
Tolsdorf: Zuerst wollte ich Zahntechnikerin werden, aber bei einem Praktikum haben sie mir zum Zahnmedizinstudium geraten, weil die Arbeit der Techniker aufgrund der Digitalisierung und Automatisierung weniger wird. Auch ich arbeite gerne mit den Händen, wollte etwas mit Menschen machen – und ekle mich nicht so schnell vor Dingen, die andere abstoßend finden.


BZ:
In den ersten Semestern üben Sie das Bohren, Schrauben und Reparieren an sogenannten Phantomköpfen. Geht es anschließend nahtlos mit echten Patienten weiter?
Lechner: Nicht direkt. Dinge wie beispielsweise das Setzen der Betäubungsspritzen üben wir zunächst untereinander – mit Wirkstoff! Die Unterrichtseinheit Lokalanästhesie erkennen Sie daran, dass alle mit hängenden Mundwinkeln den Raum verlassen.
Behandlung Bei Zahnmedizinstudenten

Das Zahnmedizinstudium in Freiburg umfasst zehn Semester. In den ersten fünf Semestern, dem sogenannten vorklinischen Abschnitt, geht es um naturwissenschaftliche Grundlagen in Fächern wie Biochemie und Physik, um Anatomie und Lokalanästhesie. Nach dem Physikum am Ende des fünften Semesters stehen weitere Kurse mit praktischen Übungen an sogenannten Phantomköpfen auf der Agenda, bevor die Studierenden Patienten behandeln. Weiterhin stehen Kurse zu Zahnerhaltung, Parodontologie, Prothetik, innere und allgemeine Chirurgie, Dermatologie, Histologie und Kieferorthopädie auf dem Stundenplan.
"Zweimal lächeln" lautet der Werbeslogan für die Zahnbehandlung im Studentenkurs. Wer mitmacht, spart Geld und fördert die Ausbildung. Zum Behandlungsspektrum gehören zahnerhaltende und prothetische Maßnahmen wie Füllungen, Wurzelkanalbehandlungen, (Teil-) Kronen und Brücken. Auch die Therapie von Zahnfleischerkrankungen ist möglich. Behandlungszeiten sind während der Vorlesungszeit (Montag, 21. Oktober 2019 bis Samstag, 15. Februar 2020) montags bis donnerstags von 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr. Nähere Infos gibt’s unter Tel. 0761/270-49470 oder uniklinik-freiburg.de/zmk.



BZ:
Wenn das gut klappt, wird es ernst. Wer lässt sich freiwillig von Studierenden behandeln?
Lechner: Die Bandbreite der Patienten ist groß und reicht von Arbeitslosen bis zu Anzugträgern, von Studierenden bis zu Senioren.


BZ:
Und trotzdem finden Sie zu wenige Behandlungswillige?
Lechner: Aktuell gibt es einen Engpass, weil der Prüfungsjahrgang um ein Drittel größer ist als in den Vorjahren. Deshalb brauchen wir auch mehr Patienten – die übrigens viele Vorteile haben, wenn sie sich von uns behandeln lassen.


BZ:
Die da wären?
Tolsdorf: Wir nehmen uns viel Zeit für die Patienten.
Lechner: Füllungen, die für Kassenpatienten beim Zahnarzt normalerweise zuzahlungspflichtig sind, gibt’s bei uns umsonst – und eine kostenlose Zahnreinigung ist obligatorisch. Viele weitere Behandlungen sind günstiger als üblich.
Tolsdorf: Wir arbeiten mit einer hochmodernen Ausstattung und vor dem Hintergrund des neuesten Stands der Wissenschaft. Uns stehen beispielsweise intraorale Scanner zur Verfügung, mit deren Hilfe wir dreidimensionale Bilder erzeugen können. Anhand dieser digitalen Abformung können dann am Computer Kronen oder Brücken entworfen werden. Außerdem gibt es regelmäßige Nachsorgeprogramme.
Lechner: Wir gehen sehr vorsichtig vor und alles was wir tun, wird kontrolliert. Es braucht also keiner Angst zu haben vor einer Behandlung im Studentenkurs.


BZ:
Angst ist ein gutes Stichwort. Viele Patienten fürchten sich vorm Zahnarzt, selbst wenn ein erfahrener Dentist am Stuhl steht. Wird das im Studium angesprochen?
Tolsdorf: Ja, wir haben ein paar Tipps in Sachen motivierende Gesprächsführung an die Hand bekommen und thematisiert, wie wichtig positive Botschaften sind.


BZ:
Wie beginnen Sie also ein Gespräch mit dem Patienten, der eine katastrophale Mundhygiene hat?
Lechner: Zum Beispiel mit: Wir freuen uns, dass Sie hier sind.

BZ: Patienten, die nur selten zum Zahnarzt gehen, haben häufig aufwendige und schmerzhafte Behandlungen vor sich. Wie erleben Sie es, wenn Patienten leiden?
Lechner: Sie können uns glauben: Es macht keinen Spaß, Patienten zu quälen. Natürlich ist es utopisch zu glauben, eine Zahnarztbehandlung wäre schön. Aber wir versuchen alles, um es für den Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten.
Zur Person

Marla Lechner, 24, kommt aus der Nähe von Karlsruhe, Larissa Tolsdorf ist 26 Jahre alt und im Raum Stuttgart aufgewachsen. Beide studieren im neunten Semester Zahnmedizin an der Universität Freiburg.