Zaghafte Sektduschen (25)

Eva Wallbrecher

Wie motiviert man eine Mannschaft, die mit 62 Punkten längst aufgestiegen ist? Das vermeintliche Spitzenspiel gegen die Köndringer "Ruebsäck" ging jedenfalls gründlich in die Hose. Dennoch stieg danach die Munzinger Meisterfeier.



SV Munzingen : TV Köndringen 0:2 (0:1)

Zu Beginn des Spiels eine nette Geste der Gäste. Sie gratulieren mit einem Blumenstrauß und einem selbstgemalten Plakat zur Meisterschaft. Richtig nett!


Der frischgebackene Meister empfängt den Tabellendritten. Ein Topspiel, sollte man meinen. Einige Tunibergstars haben so ihre Probleme mit der Motivation. sieht es jedoch nicht so aus, als könnten sie sich noch einmal motivieren. Bereits in der 7. Minute landet ein schlampiges Zuspiel beim Gegner, der lässt sich nicht lang bitten und zimmert den Ball in den Winkel.

Betretene Hausherrengesichter, aber kein Aufbäumen. Erst, als nach einer knappen halben Stunde die Köndringer ihre zweite Sturmspitze vom Feld nehmen, bringt der Tabellenführer so etwas wie Spielfluß in Gang, jedoch ohne zählbaren Erfolg. Die Gäste verlegen sich nun erfolgreich auf das, was sie perfekt beherrschen: aus einer sicheren Abwehr heraus lauern sie auf Konter.



Der zweiten Durchgang verläuft ähnlich. Trotz größerer Spielanteile sind die Angriffe des SV Munzingen höchstens so gefährlich wie Willi Wildpark, das KSC-Maskottchen. So erhöhen die Köndringer in der 54. Minute, ein schönes Kopfballtor nach einem Standard.

Wir versuchen es nun überwiegend mit langen Bällen, die aus der Abwehr geschlagen werden und meist prompt beim Gegner landen. Die Mittelfeldspieler schauen fasziniert den über ihre Köpfe segelnden Bällen hinterher, Pass- und Flügelspiel sind so gut wie nicht zu sehen.

David Renner zirka 10 Minuten vor Ende an der Seitenlinie: „Glaubt hier irgendjemand, dass wir heute noch ein Tor schießen?“ Die Köndringer verwalten souverän die Führung bis zum Schlußpfiff.

Jubel bei den Gästen, bedröppelte Gesichter bei den Hausherren. So hatte man sich die Meisterfeier nicht vorgestellt.



Spielausschuss „Wolfi“ Lang verteilt trotzdem die Meisterschafts-T-Shirts, Sektkorken knallen, Stimmung will trotzdem keine aufkommen.

Ein paar zaghafte Sektduschen, halbherzige „Spitzenreiter“-Gesänge, ansonsten sitzt man leicht geknickt auf dem bestens präparierten Rasen.

Ironischer Kommentar am Rande: „Ja, so ein Abstieg tut schon weh.“ Erst in den späten Abendstunden geht dann im Clubheim doch noch die Post ab. Was soll’s, wir sind Meister.