Zack, hasch e Messer im Ranze und des wars

David Weigend

Das sind Mentor Krasniqi (links) und Sherieff Halimay. Am Samstag feiern sie Geburtstag. In der Einladung heißt es salopp: "Das wird Freiburgs sicherste Party", weil die Geburtstagskinder hauptberuflich Türen bewachen. Das große Bouncer-Interview über Stress mit Albanern, onanierende Gäste und Gerüchte aus dem Nachtleben.



Mentor Krasniqi und Sherieff Halimay stehen in einem sonnigen Hinterhof, zwischen Café Journal und Tee Peter. Die beiden kennen sich seit ihrer Jugend, beinahe eine Brüderschaft, die schon in der Freundschaft ihrer Väter verwurzelt liegt.


Ende der 1960er Jahre kamen die Väter als Hilfsarbeiter aus dem Kosovo nach Deutschland. Sie wohnten gemeinsam in einem Raum, arbeiteten und aßen zusammen. Nun sind sie Rentner und ihre Söhne die vielleicht bekanntesten Türsteher Freiburgs. Untereinander sprechen sie einen Mix aus Albanisch und Deutsch, mit uns nur letzteres.

Mentor, erzähl doch mal die lustige Anekdote vom Waldsee.

Mentor: Okay. Letzten Sommer an einem Montag bei tageins, es ist rammelvoll. Zwischen 500 und 1000 Leute. Ein Mädchen kommt zu mir: 'Du, Mentor. Komm mal bitte. Da onaniert einer an der Tanzfläche.' Ich so: 'Hör auf, mich zu verarschen, ich schmeiss dich raus.' Sie so: 'Nee, nee, ich verarsch dich nicht.' Ich bin dann zur Tanzfläche gegangen und habe gedacht, ich sehe nicht richtig. Da stand so eine Couch, und da saß der. Hose unten, gut am Wedeln. Ich habe mir die Handschuhe angezogen und dem Typen geholfen, die Hose wieder hochzuziehen. Dann habe ich ihn raus begleitet und den Polizisten übergeben, die da schon süffisant grinsend gewartet haben.

Apropos Polizei: Wieviele Leute sind inzwischen eigentlich von diesem Freiburg-weiten Hausverbot betroffen?

Mentor: Unten habe ich die Liste hängen. Ungefähr 30 Personen.

Ihr scheint alle Hände voll zu tun zu haben.

Mentor: Es gibt immer Leute, die dich provozieren. Sie gehen auf dich los, dann haust du ihnen eine, dann zeigen sie dich an.

Beleidigungen aufgrund eurer Herkunft?

Sherieff: Mit Sicherheit.

Mentor: Aber du musst unterscheiden können. Wenn du an der Tür arbeitest, vergeht kein Abend, an dem du nicht irgendwie beledigt wirst. "Arschloch, Hurensohn", und so weiter. Aber das muss dir in einem Ohr reingehen und im anderen wieder raus. Wenn du darauf eingehst, bist du fehl am Platz.



Ihr werdet dafür bezahlt, zu schlucken.

Mentor: Sozusagen. Wenn wir bei jeder Provokation draufschlagen würden, wären wir schon längst nicht mehr an der Tür.

Sherieff: Als Türsteher musst du sehr viel schlucken. Ich mache den Job, seit ich 18 bin. Du musst die Zähne zusammenbeißen und höflich bleiben, auch, wenn du provoziert wirst. Es gibt Leute, die kommen zum Feiern, und andere, die kommen zum Stressen.

Was machst du im Stressfall?

Sherieff: Wenn jemand handgreiflich wird, müssen wir auch an unsere Gesundheit denken. Oft haben mich Schläge im Gesicht getroffen. Dann müssen wir auch Hand anlegen.

Mentor: Zu 90 Prozent klappt es auf die höfliche Weise. Auch, wenn ich jemanden rausschmeißen muss, gilt: reden, reden, reden. Den Blickkontakt nicht abreißen lassen. Die anderen 10 Prozent wollen es wissen: Was hat der Türsteher drauf? Schlägt er sich jetzt mit mir? Lässt er sich auf sowas ein?

Konkreter, bitte.

Mentor: So eine Auseinandersetzung hatte ich mal mit meinen eigenen Landsleuten, letztes Jahr, im F-Club. Eine Gruppe Albaner habe ich nicht reingelassen. Die waren alkoholisiert. Ein Albaner hat nicht unbedingt großen Respekt vor einem anderen Albaner. Wenn ich denen den Einlass verweigere, gibt es eher Diskussionen, als wenn ein anderer Landsmann das täte. Dieser Konflikt ist für die Abgewiesenen, meinen Arbeitskollegen und mich ziemlich schlecht ausgegangen. Die haben viel abgekriegt, wir haben viel abgekriegt. Ich war im Krankenhaus, hatte eine Platzwunde am linken Auge. Hier, da sieht man noch eine kleine Narbe. Als sie wieder nüchtern waren, sind sie gekommen und haben sich entschuldigt. Man hat sich die Hand gegeben, die Sache ist vergessen.

Immerhin, die Narbe bleibt.

Mentor: Das ist unser Berufsrisiko. Du stehst da, es kommt irgendeiner und, zack, hasch e Messer schon im Ranze und des wars.
Sherieff: Ich habe bisher einen Schutzengel über mir gehabt. Es ist noch nichts Schlimmes passiert. Ich rede viel mit den Gästen und bemühe mich, immer ein Lächeln im Gesicht zu haben.

Trotzdem habt ihr einen Job mit viel Adrenalin. Wie kommt man nach so einer Schicht wieder runter?

Sherieff: Wenn ich heimkomme, lege ich leichtere Musik ein und schlafe so ein. Adrenalin habe ich erst, wenn was passiert. Den Adrenalinspiegel habe ich auch durch tägliches Kampfsporttraining im Griff. Das ist sehr wichtig. Wir trainieren auch Abwehr gegen Waffen. Ich habe alles erlebt an der Tür. Messer, auch Schusswaffen.

Wieviele Türsteher gibt es eigentlich in Freiburg?

Mentor: Hm, vielleicht 70 oder 80. Jeder Club hat zwei bis vier. Im Funpark sind es mehr.



Türsteher sind häufig auch recht negativ im Gespräch. So ist zum Beispiel im Zusammenhang mit einer Freiburger Discothek immer wieder von einem "Kämmerle" die Rede, in der Gäste angeblich nach Strich und Faden von Türstehern verprügelt worden sind. Das Beängstigende ist, dass dies auch Mitarbeiter der Freiburger Uniklinik behaupten.

Mentor: Ich habe diese Gerüchte auch gehört. Aber solche Gerüchte darf man, besonders wenn sie in der Gastroszene herumwandern, nicht für bare Münze nehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da einen Raum gibt, wo die Türsteher die Leute reinzerren und sie aufschmieren. Ich weiß es nicht. Ich will es weder abstreiten noch bestätigen, dass es diesen Raum gibt.

Sherieff: Nicht jeder kann die Tür machen. Es ist kein leichter Job und kostet sehr viel Kraft und Mut.

Mentor: Du brauchst Menschenkenntnis. Und du musst umschalten können. In einer Sekunde höflich sein, in der nächsten, in einer anderen Situation, einen Polizeigriff anwenden. Ein guter Türsteher kriegt den Gast so aus dem Club raus, dass die anderen Gäste das nicht mitbekommen.

Wie erklärt ihr euch, dass Fatmir, Türsteher am Kagan, in den fudder-Kommentaren so heftig kritisiert wurde? Im Artikel ging es ja gar nicht um ihn, sondern um Peter Bitsch.

Mentor: Fatmir hat, genauso wie wir, seine guten und schlechten Seiten. Als Türsteher hast du nicht nur Freunde. Du musst selektieren, einige darfst du nicht reinlassen. Warum auch immer. Ich glaube, die Leute, die über Fatmir herziehen, sind Leute, die Probleme mit ihm gehabt haben. Weil er sie nicht reingelassen oder sie rausgeschmissen hat. Fatmir ist in Ordnung. Er macht nur seinen Job. Und unser Job ist nun mal manchmal scheiße. Ein Freiburger Polizist, der abends die Freiburger Discotheken im Auge hat, der hat einmal zu mir gesagt: "Mentor, ein Türsteher steht immer mit einem Bein im Knast und mit einem Bein draußen."



Was erhaltet ihr für Anweisungen für den Einlass?

Mentor: Keine Trainingsanzüge, zum Beispiel. Oder: Ab drei Männern auf einmal ist es nicht gern gesehen, dass die reinkommen. Ich sage denen dann: ,Sorry, nur mit Begleitung. Lauft bitte nochmal um den Block, ihr werdet sicher ein paar Mädels finden, die mit euch hier her kommen.' Meistens klappt das. Frauen sind immer gern gesehen, auch in Zwanzigergruppen. Generell: House und Black-Publikum, das geht nicht gut zusammen.

Bekommt man Angebote?

Mentor: Ha ja. Hauptsächlich Geldangebote. Das kommt vor, wenn ein großer Act im Club auflegt. Da streckt dir einer, den du noch nie gesehen hast, die Hand hin, und in der ist dann ein Fuffi verborgen. Aber bestechlich darf ein Türsteher nicht sein.

Angst?

Sherieff: Klar hat man die.

Mentor: Angst hält dich wach. Du bist konzentrierter. Mein Trainer im Thaiboxen hat früher immer gesagt: Angst hält dich fit. Wenn jemand sagt, er habe keine Angst, dann ist das für mich ein Dummkopf. Das heißt aber nicht, dass man Angst als Türsteher zeigen sollte.

Wovor hast du Angst?

Mentor: Vor ansteckenden Krankheiten. Du hast in diesem Job mit so vielen Leuten zu tun.



Heiterkeit?

Mentor: Wenn Gäste nüchtern und sehr diskret reinkommen. Nach zwei, drei Stunden sind sie total voll und schwätzen dich zu.

Die härteste Tür in Freiburg?

Mentor: Kagan und Karma.

Frauen an der Tür?

Sherieff: Das gab es mal im Karma, mittlerweile nicht mehr. Wenn eine Frau selektiert, wird sie beleidigt, hin und her. Dann gibt's noch mehr Stress.

Mentor: Frauen können meiner Meinung nach viel besser selektieren. Aber wenn's drauf ankommt, kann eine Frau nicht viel helfen. Es sei denn, sie heißt Regina Halmich.

Biographisches

  • Sherieff Halimay ist am Samstag 32 Jahre alt geworden. Aufgewachsen in St. Georgen, albanischer Abstammung. Türsteher seit dem achtzehnten Lebensjahr: Kagan, Budda-Club (Freiburg), Manege (Auggen), diverse Diskotheken in Basel. Halimay ist gelernter Raumausstatter, außerdem hat er die Ausbildung zum Sicherheitsmann absolviert; aus seiner mittlerweile geschiedenen Ehe sind drei Kinder hervorgegangen. Zur Zeit ist Halimay Cheftürsteher im Karma und erledigt Sicherheitsdienste bei diversen Veranstaltungen. Er spricht Rumänisch, Albanisch, Serbokroatisch und Deutsch.
  • Mentor Krasniqi hatte auch am Samstag, 7. April, Geburtstag. Er ist 28 geworden. Geboren wurde er im Kosovo, mit acht Jahren zog er nach Freiburg. Seit fünf Jahren Türsteher in diversen Freiburger Clubs, mittlerweile Geschäftsführer des Liquid Clubs. Mentor ist Thaiboxtrainer und ausgebildeter Sicherheitsfachmann.  Für den Sommer plant er eine Thaiboxgala im Freiburger Eisstadion.



Mehr dazu:

  • Was? Geburtstagsparty von Mentor und Sherieff mit folgenden DJ's: A. Deluxe und Tomo (Karma); Johannes Hörr, Pete Curleen und Adriano Russo
  • Wann? Samstag, 14. April, 21 Uhr (geladene Gäste); ab 2 Uhr mit regulärem Einlass