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Youtuberin Fräulein Chaos will Jugendliche für Diskriminierung sensibilisieren

Leonie Möck

Auf Youtube erzählt Sina Bormüller alias Fräulein Chaos gerne Geschichten. Am Wochenende war sie bei Kongress "Inklusion leben" – und leitete einen Workshop über Vorurteile.

Sina Bormüller alias Fräulein Chaos ist Youtuberin. Bekannt ist sie im Internet für ihre Videos auf dem Portal Youtube, in denen sie lustige und ernste Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Die Stuttgarterin war am Samstag zu Gast in Freiburg: Auf dem Kongress "Inklusion leben" leitete sie einen Workshop zu den Themen Vielfalt und Toleranz.


Die 24-Jährige ist ein Beispiel dafür, dass man es nicht nur mit Schminktipps zu Popularität auf Youtube bringen kann: Gut 180 000 Abonnenten hat der Kanal von Fräulein Chaos. Sina Bormüller lädt seit 2012 Videos hoch, bislang 88.



Der Inhalt variiert: Von Flirttipps über Haarfarben bis zum Erwachsenwerden – Bormüller spricht über das, was sie beschäftigt. "Ich erzähle gerne Geschichten. Außerdem möchte ich meine Erfahrungen teilen. Über Videos geht das am besten." Sie wolle Botschaften vermitteln und zum Nachdenken anregen. "Ich rede mittlerweile mehr über ernste Themen." Sie bezeichnet sich als Nerd, hat viel Zeit mit Computerspielen und Serien verbracht.

Sina Bormüller hat Medien- und Kommunikationsdesign studiert, ist zwischen Stuttgart und Berlin hin- und hergezogen, und lebt seit Mai wieder in der Landeshauptstadt. Eigentlich ist sie Fotografin, aber im Moment bestimme die Arbeit als Youtuberin ihr Leben, sie steht bei dem Fernsehsender Prosieben unter Vertrag. Bei Veranstaltungen des Bundesamtes für politische Bildung spricht sie außerdem über ihre Erfahrungen als Frau im Internet und in der Computerbranche.

"Ich möchte den Dialog unter den Jugendlichen anregen." Fräulein Chaos
Beim Kongress des Freiburger Vereins "Bildung neu denken" ist Sina Bormüller zum zweiten Mal. Mit Helen Schneider, Pädagogikstudentin mit Schwerpunkt Inklusion an der Uni Siegen, und Carina Utz vom Verein "Fluss – Bildungsarbeit zu Geschlecht und sexueller Orientierung", bietet sie einen Workshop an. "Ich möchte den Dialog unter den Jugendlichen anregen." Es wird vor allem über Vorurteile und Diskriminierung gesprochen, unter anderem von Homosexuellen. "Viele urteilen einfach aus Unwissenheit oder stützen sich auf die Religion", meint der 18-jährige Schüler Patrick. "Ich finde vor allem Verallgemeinerungen blöd", sagt die 16-jährige Kira, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kita Immergrün in Vauban absolviert. Besonders im Internet werde viel generalisiert, meint auch Sina Bormüller. Was man an Schulen für mehr Toleranz tun könne?



Lehrkräfte sensibilisieren und Kinder in ihrer Neugierde fördern, darin sind sich alle einig. "Es ist wichtig, ihnen beizubringen, offen durch die Welt zu gehen", ergänzt Sina Bormüller. Sie lernt selbst viel bei Workshops, meint sie danach. Und auch wenn sie ihren Beruf teils als stressig empfindet, genieße sie ihn sehr: "Man lernt so viele nette Leute kennen."

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