Youssou N'Dour im Zirkuszelt: Voodoo-Rhythmen mit Seele

Bernhard Amelung

Beschämend leer war das ZMF-Zirkuszelt am Freitagabend beim Konzert von Youssou N'Dour. Warum fudder-Autor Bernhard Amelung froh ist, dagewesen zu sein:

Der dumpfe, dunkle Klang der Trommeln verzaubert, hypnotisiert. Seine Wucht wächst minütlich. Er brandet heran an das Ohr der Konzertbesucher, die sich an diesem Abend im Zirkuszelt auf dem ZMF versammeln. Wenige sind es, das Zelt ist zu einem Drittel ausgelastet, wenn überhaupt. Diesen Eindruck verstärkt, dass viele auf der Tribüne gegenüber der Konzertbühne sitzen. Sitzen bei Youssou N'Dour? Nun gut.


Die Band des senegalesischen, 2004 mit einem Grammy für das beste Weltmusik-Album ausgezeichnete Sängers und Musikers betritt die Bühne. Die Supernova aus Dakar, so könnte man ihre Bezeichnung "Le Superétoile de Dakar" übersetzen, ist eigentlich ein Zwölfersternsystem. Es besteht aus einem Gitarristen, Bassisten, Keyboarder, mehreren Bläsern - Posaunist, Saxophonist, Trompeter -, einer Feature-Sängerin, Schlagzeuger und zwei Perkussionisten.

Auf deren rhythmischen Fundament bauen die Songs auf, mit denen Youssou N'Dour, 54, aufgewachsen im senegalesischen Dakar seit seinem Debütalbum "Ndiadiane Ndiaye" (1982) einem internationalen Publikum bekannt geworden ist. Doch eigentlich sind es Lieder wie "Shakin' The Tree" (1989, zusammen mit Peter Gabriel), "Undecided" (1994) oder "7 Seconds" (1994), beide mit Neneh Cherry als Feature-Sängerin aufgenommen, die ihn aus der Afrobeat- und Worldmusik-Nische in Richtung Charts und Radio-Airplay katapultiert haben.

Solche Crowdpleaser will das Publikum, im Schnitt zwischen Ende 40 und Mitte 60 Jahre alt, an diesem Abend hören. Solche Crowdpleaser bekommen sie auch. Youssou N'Dour, zwischen 2012 und 2013 auch mal Minister für Tourismus und Kultur im Senegal, ist da ganz Profi, der weiß, wie man in den Popmusik-Arenen zwischen Chicago und Atlanta, zwischen Montreux Jazz Festival und Zelt-Musik-Festival auftritt.

Dort, im Zirkuszelt, ist es zunächst "Mame Bamba", quasi die B-Seite des 1994 erschienenen, überpräsenten "7 Seconds". Mit diesem Stück eröffnen Youssou N'Dour und seine Band "Le Superétoile de Dakar" ihr Konzert. 'N dour singt die Verse mit Bedacht, mit großem Herz und viel Gefühl. Wer ihm da Sentimentalität und Weinerlichkeit unterstellt, tut ihm Unrecht. Zu sehr treiben, drängen, drücken die Drums, die Voodoo-Rhythmen.

Ihre Wurzeln liegen im Mbalax, der in Gambia und im Senegal, eigentlich in ganz Westafrika weit verbreiteten Tanzmusik. Es ist eine auf rasende Trommelrhythmen konzentrierte Musik, die zuletzt von Hardwax-Mitgründer und Basic Channel-Mitglied Mark Ernestus in seinem Jeri-Jeri-Projekt auf die Ebene der Clubmusik gehoben wurde.

Dorthin drängen, dorthin zielen der konzentrierte Groove der Trommeln und Perkussion im Zirkuszelt. Er bringt Menschen und, so es sie geben sollte, Geister und Gottheiten auf dasselbe Energieniveau. Dazu kann, dazu muss man sich bewegen.

Mehr dazu:


Mehr ZMF auf fudder

    [Bild: dpa; Paleo Festival, Nyon]