Young Irish Rock: Shane Brady und Co. im Spiegelzelt

Anselm Müller

Drei Musikeinheiten für einen Preis versprach die Folknacht mit Shane Brady, Gavin Glass & The Holy Shakers und Crete Boom. Warum es eigentlich nur zu zwei erwähnenswerten Auftritten kam und die meisten Besucher den eigentlichen Höhepunkt des Dreifachgigs verpassten, berichtet Anselm.



Samstagabend im halbgefüllten Spiegelzelt: Irish Folk steht an. Leider weist Alexander Heisler zu Beginn des Gigs aufs Rauchverbot hin. Komisch, warum darf dann hier während der Parties geraucht werden?


Opener enttäuscht

Zuerst kommt die Band Crete Boom, benannt nach einem gesunkenen Schiff in ihrer irischen Heimat. Das weckt in mir die Erinnerung an eine Szene in einem Buch von Günter Grass, die auch auf einem gesunkenen Schiff spielt. Sollten die Jungs von Crete Boom denselben "potenten" Elan besitzen, so wäre dies der perfekte Beginn für eine lange Folknacht. Doch leider enttäuschen sie auf ganzer Linie - dazu später mehr.

Der Knaller kommt zuletzt und die meisten sind weg

Was zeichnet ein gutes Konzert aus? Meiner Meinung nach ist ein Konzert dann ein Höhepunkt, wenn ich danach den Drang verspüre, mir die CD des Künstlers zu kaufen. Dies ist der Fall bei Gavin Glass and the Holy Shakers. Ich harre über dreieinhalb Stunden aus, damit ich diesen Gig nicht verpasse.

Als Glass und Co gegen kurz nach 23 Uhr auf die Bühne kommen, hat schon Shane Brady mit seinem träumerischen und ruhigen Folk das Publikum verzaubert, was Crete Boom nicht gelungen ist. Gavin Glass meistert den späten Auftritt mit Bravour. Die Songs Red Dress, Underneath the Stars und Southern Comfort rufen Tanzlust hervor und animieren einige Brady-Anhänger, wieder ins Zelt zu kommen.  Glass ist mit Abstand der folkigste Verteter der drei auftretenden Bands. Nicht nur seine Songs und die Arrangements, sondern auch die für einen Folksänger obligatorische Mundharmonika hat er dabei.

Kunstvoll bindet er sie in die Songs ein. Aber auch der Wechsel von Liedern mit akkustischer Gitarre und E-Gitarre gelingt dem jungen Dubliner hervorragend. Bei den Höhepunkten von Glass' Show sind fast alle Stammhörer von Shane Brady schon längst Richtung Sektstand verschwunden und erleben so nicht mehr den eigentlichen Höhepunkt des Abends.

Shane Brady: Stimmgewalt und musikalisches Können

Was macht guten Folk aus? Shane Brady zeigt es bei seinem recht kurzen Auftritt in Reinform. Eine Stimme, die sich gegenüber den Instrumenten behaupten kann, gute Musiker, die den Sänger begleiten. Bei Brady ist dies vor allem seine ausgezeichnete Saxophonistin. Sieben Songs spielt der Hauptact. Doch die reichen aus, um zu zeigen, dass es Brady auch nach vierjähriger Bühnenabstinenz immer noch drauf hat. Alle Songs von Brady sind eher von ruhiger Langsamkeit, Musik zum Träumen. Gitarre und Stimme und gut ists.

Leider kann man das nicht von Crete Boom behaupten, da hier eine wilde und leider unausgegorene Tour de Force durch viele Musikrichtungen vollzogen wird. Der Hinweis darauf, dass dies alles auf eine 26 Lieder fassende Doppel-CD gepackt wurde, ruft in mir keine Kauflust hervor.

Zuviele Genres

Crete Boom haben noch nicht herausgefunden, welcher Stil zu ihnen passt. Die zehn Stücke streifen die Genres Rock, Blues, Pop, Folk und Psychedelic. Wobei das Stück "Broken Teeth", das ganz im Stil der 1970er-Psychedelik steht, noch am meisten überzeugt, da sich die Band hier viel Zeit nimmt. Die Arrangements werden ausgespielt und die einzelnen Musiker haben genügend Raum, um ihr Können zu beweisen. Auch der Sänger nimmt sich bei diesem Titel zurück. Dies ist bei den anderen Stücken leider nicht der Fall.

Shane und Gavin überzeugen

Der Produzent Shane Brady hat auf dem ZMF zweierlei bewiesen. Erstens ist er immer noch in der Lage, sein Publikum mit ruhigen und elegischen Balladen zu verzaubern. Zweitens hat er auch als Produzent zumindest im Falle von Gavin Glass and the Holly Shakers einen Rohdiamanten unter Vertrag. Wenn Crete Boom ihre psychedelische Spielart weiterentwicklen würden, wäre das ein Gewinn.