Yellowfoot: Freiburger Surfboards mit Tradition

Bernhard Amelung

Benjamin Heer, 31, und Florian Jähne, 32, fertigen in Handarbeit Surfboards aus Balsaholz. Sie sind europaweit die einzigen, die Balsa-Surfbretter vom Rohling bis zum fertigen Werkstück selbst herstellen. fudder-Autor Bernhard Amelung hat sie in ihrer Werkstatt besucht.



Die Luft in der ehemaligen Autogarage riecht nach Holz. Schleifstaub liegt auf dem Boden. In einer Ecke stapeln sich Bretter. In der anderen stehen zwei Werkbänke. Auf diesen liegen Schraubzwingen, Konstruktionspläne und ein Hobel. An den Wänden lehnen, an den Decken hängen Surfbretter in verschiedenen Größen. „Das sind Rohlinge, sogenannte Blanks. Wir stellen sie ausschließlich auf Anfrage her. Keines unserer Bretter gleicht dem anderen“, sagt Benjamin Heer, 31 (Bild oben rechts). Zusammen mit seinem Partner Florian Jähne, 32, unterhält er seit rund fünf Jahren die Surfwerkstatt Yellowfoot in der Schopfheimerstraße in Freiburg.


Bis auf eine dünne Fiberglasschicht und Epoxidharz als Kleber bestehen die Surfbretter von Yellowfoot aus Balsaholz, das sie von ökologisch angelegten Plantagen in Ecuador beziehen. Das Holz des immergrünen Tropenbaum ist sehr leicht und trotzdem bruchfest, die Holzfaser stabiler und verwindungssteifer als polymere Werkstoffe. „Die Bretter nehmen sehr schnell Geschwindigkeit auf und gleichen die Unebenheiten des Wassers besser aus“, erklärt Jähne.

Jähne und Heer sind Traditionalisten. Sie stellen ihre Yellowfoot-Boards so her, wie es in den Anfangstagen des Surfsports üblich war. In den 30er- und 40er-Jahren wurden Surfbretter aus Balsa- und Redwood- Holz hergestellt; Konstrukteurslegenden wie Bob Simmons brachten es mit dieser Machart zu Weltruhm. Doch das Aufkommen der Polymerchemie verdrängte diese Bauweise. Nur auf Hawaii und an der Pazifikküste Südamerikas bewahrten Shaper, so heißen die Konstrukteure, die Holzbautradition.



Jähne macht sich mit der Technik während eines Aufenthalts in Ecuador vertraut. „Nach meinem Management-Studium habe ich dort von 2005 bis 2008 gelebt. Ich habe in einer Bar gearbeitet und bei einem Shaper ausgeholfen.“ Noch vor seiner Rückkehr ruft er seinen Jugendfreund Heer an und erzählt dem studierten Forstwirt von seinem Traum, selbst Surfbretter herstellen zu wollen. „Bist du dabei?“ fragt er. Heer, selbst leidenschaftlicher Surfer, sagt sofort zu.

Der meeresferne Produktionsstandort Freiburg sei für sie kein Nachteil, sagen die Surfbrettbauer. „Vertrieb und Kommunikation laufen übers Internet. Zudem ist die Surfergemeinschaft gut vernetzt. Wenn jemand etwas Besonderes macht, spricht sich das schnell rum“, sagt Heer. Heute sind die Freiburger europaweit die einzigen, die Balsa-Surfbretter vom Rohling bis zum fertigen Werkstück selbst herstellen. Andere Anbieter kaufen ihre Rohlinge fertig in Indonesien oder Ecuador ein. Wer ein Holzsurfbrett aus Freiburg will, der muss geduldig sein: Drei Monate Wartezeit liegen zwischen Bestellung und Lieferung. Heer und Jähne denken bereits über eine Serienfertigung nach.

Yellowfoot Surfboards

Heer & Jähne GbR
Schopfheimerstraße 11
info@yellowfoot.de
 

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