YARD: Botschafter der Landbevölkerung

Joana Jäschke

Die Zukunft liegt auf dem Land. Davon ist Elena Kruspkaia Mejia Villacis (24) überzeugt. Sie ist im Amazonasgebiet von Ecuador aufgewachsen. Als Yard (Young Ambassador for Rural Development) setzt sie sich für die bessere Entwicklung ländlicher Gebiete ein. Außerdem studiert sie in Freiburg Umweltpolitik. Am Wochenende in Straßburg kamen die jungen Yards aus aller Welt zu einem Kongress zusammen. Joana Jäschke hat Elena gefragt, warum sie sich für das Landleben starkmacht.



„In zehn Jahren werden über 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Das müssen wir verhindern. Wer soll die Menschen in den Städten ernähren und wer kümmert sich um unsere Ressourcen, wenn nicht die Landbewohner?


In meiner Heimat gibt es viele arme Menschen. Sie holzen illegal den Regenwald ab, um ein wenig Geld zu verdienen. Man kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Sie wissen nicht, dass sie unsere Umwelt gefährden und den Klimawandel vorantreiben. Aber genau deshalb brauchen wir engagierte Menschen, die den Menschen den nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen zeigen.

Es mag pathetisch klingen, aber die Jugend ist die Zukunft. Wir brauchen sie auf dem Land! Viele denken, dass sie dort keine Chance haben. Weil Bildungsmöglichkeiten und kulturelle Angebote fehlen, ziehen sie in die Städte. Dort lernen sie Berufe, mit denen sie unmöglich in ihre Heimatdörfer zurückzukehren können. Dort braucht man Forstwissenschaftler, keine Rechtsanwälte.

Wir müssen jungen Menschen zeigen, dass es möglich ist, einen akademischen Abschluss zu haben und trotzdem zurückzukehren. Dafür müssen wir ihnen dieses Leben auf dem Land aber auch schmackhaft machen. Das heißt in erster Linie Infrastruktur schaffen. Wir brauchen Straßen, Wasser, medizinische Versorgung und einen besseren Zugang zur Bildung. Wenn das Ländliche eine wirkliche Alternative ist, müssen unsere Jugendlichen nicht mehr von einem besseren Leben in Amerika oder Europa träumen.

Bevor die Politiker irgendetwas anpacken, bin ich längst tot. Deshalb nehme ich es lieber selbst in die Hand. Wenn ich meinen Master in Umweltpolitik in Freiburg abgeschlossen habe, gehe ich mit meinem Wissen zurück nach Ecuador. Dort möchte ich in meinem Heimatort Tena für eine Nichtregierungsorganisation arbeiten. Und den Jugendlichen als Rückkehrer ein Vorbild sein. Mein Ziel ist es nicht, die ganze Welt zu verändern. Aber wenn ich das Leben von 20 Menschen ändern kann, habe ich viel gewonnen.“

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