XO Bahar: Bahar bloggt ab jetzt auf fudder über ihren Solo-Neustart

Carolin Buchheim

Im Herbst 2006 wurde Bahar Kizil aus Freiburg durch die Pro7-Casting-Show 'Popstars' genau das: ein Popstar. Mit Monrose heimste Bahar sieben Top-Ten-Hits, diverse Publikumspreise und goldene Schallplatten ein, tourte durch Europa und versuchte ihr Glück beim deutschen Grand Prix-Vorentscheid. Ende 2010 war Schluß mit Monrose. Jetzt will die 23-Jährige als Solokünstlerin durchstarten. Und wird auf fudder über ihren selbstorganisierten Neustart bloggen.


"Bahar, das war wunderbahar!". Als diese Headline im Oktober 2006 auf fudder erscheint, ist Bahar Kizil seit wenigen Tagen 18 Jahre alt - und in der fünften Staffel der Casting-Show Popstars gerade ins Bandhaus gezogen. Sechs Wochen später steht fest: Bahar hat's geschafft. Die ehemalige Schülerin des Droste-Hülshoff-Gymnasiums wird zusammen mit Senna Guemmour und Mandy Capristo die Band Monrose. Und der Song, mit dem Bahar sich ins Finale gesungen hatte, "Shame", für die Band ein Nummer Eins-Hit.


In der vorletzten Entscheidungsrunde der Show hatte Bahar sich so intensiv in ihre Performance hineinversetzt, dass sie bitterlich zu weinen anfing - und Juror Detlef Dee! Soost gleich mit. Selbst im einzigen zur Zeit auf YouTube erhältlichen Video ihres Auftritts - einer super-pixeligen Aufnahme einer Aufnahme - ist ihr Auftritt ein außergewöhnlich berührender Moment in der perfekt durchorganisierten Casting-Show-Maschine. "Ich werde immer noch dauernd auf diese Performance angesprochen", erzählt Bahar heute. "Gerade letzte Woche sagte jemand zu mir 'Wow, damals, Shame, da habe ich auch geweint.' Es war ein Mann."

Bahar war der Gefühlsausbruch während des Shame-Auftritts unangenehm ("so nah!"), heute bewertet sie ihn aber positiv. "Ich habe mich während Popstars so stark verändert, und das merkte man in der Performance. Als ich zu Popstars gegangen bin, war ich ein ganz normales Mädchen, 17 Jahre alt, mit wenig Make-up und normalen Klamotten und einem kurzen Haarschnitt. Die anderen hatten wahnsinnig viele Sachen dabei, Glätteisen, wahnsinnig hohe Schuhe. Ich war noch so jung."

Bahar wird als Mitglied einer erfolgreichen Popband erwachsen. Die Bilanz von vier Jahren Monrose: vier Alben ("Temptation", "Strictly Physical", "I Am", "Ladylike"), sieben deutsche Top Ten-Singles ("Shame", "Even Heaven Cries", "Hot Summer", "Strictly Physical", "What You Don't Know", "Strike The Match", "Like A Lady"), 1,5 Millionen verkaufte Tonträger, drei Bravo Ottos, zwei Cometen. Außerdem ungezählte Auftritte in Deutschland und im europäischen Ausland, eine große Deutschland-Tour und der zweite Platz beim deutschen Vorentscheid zur Teilnahme am Grand Prix d'Eurovison.

Die Karriere einer Casting-Band, klar - aber deutlich langlebiger und erfolgreicher als andere Bands gleichen Ursprungs. Jedes neue Monrose-Album verkauft sich zwar deutlich schlechter als das davor, doch selbst das vierte und letzte Album schafft es noch auf Platz 10 der Albumcharts - dank einer treuen Fanbasis.



Das Ende von Monrose sieht Bahar nicht als Scheitern an. Selbstbestimmt sei die Band 2010 auseinander gegangen. "Wir haben unseren Plattenvertrag nicht verlängert. Das war auf dem Tisch, aber wir wollten nicht mehr." Schon vor den Aufnahmen zum letzten Album sei klar gewesen, dass es die letzte gemeinsame Aufnahme sein würde und der gemeinsame Abschluss ein guter. "Es hat auch gereicht. Wir wollten nicht, dass es irgendwann endet, weil irgendjemand anderes nicht mehr ans uns glaubt."

Das Ende von Monrose ist auch ein bisschen eine Befreiung. Denn so schön das Band-Leben ist, so anstrengend ist es auch, so fremdbestimmt. Bei der Songauswahl mit der Plattenfirma haben Bahar, Mandy und Senna zwar Mitspracherecht, doch natürlich werden nur Songs Probe gehört, die in die Vorauswahl der Plattenfirma passen; Outfits und Videos werden geplant, ein Choreograph bestimmt die Bühnenshow. Zum Videodreh muss Bahar nur topfit erscheinen, der Rest ist schon entschieden.

Hinter dem Glamour auf der Bühne stecken harte körperliche Arbeit ("Ich habe mit hohen Fieber auf der Bühne gestanden und mich gesund spritzen lassen vom Arzt."), ein Leben im Hotel, lange Reisen, kurze Nächte, viele Wartezeiten. "Irgendwann habe ich mir angewöhnt, einfach immer zu schlafen, wenn es ging, zwischen den Proben einer Fernsehshow, bei Autofahrten, im Flugzeug", sagt Bahar. "Man ist eigentlich immer müde, und muss immer auf irgendwas warten."

Im Leben als Popstar wird für einen entschieden: "Man wird morgens nach zu wenig Schlaf geweckt und bekommt einen Zeitplan für den Tag, man muss von einem Termin zum anderen. Gegessen wird im Auto, auf der Autobahn. Abends ist man im Hotel. Wenigstens waren immer die Mädels dabei."

Jetzt ist Bahar Alleinunternehmerin. Das erste Jahr Post-Monrose hat sie mit Auftritten im Musical "Die 10 Gebote" verbracht, einen Song für den im kommenden Frühjahr erscheinenden "Hanni & Nanni"-Soundtrack aufgenommen, hat sich für Integration engagiert, ihre Fühler in die Musikszene der Türkei ausgestreckt und ist nach einiger Zeit in Berlin wieder nach Freiburg gezogen. Von hier aus will sie ihre Solo-Karriere neu starten - selbstorganisiert. Eine Agentur übernimmt zwar Booking und Promotion, ein Manager hilft mit den Verträgen, aber Bahar ist die Entscheiderin, konzipiert alles - hochambitioniert und sehr genau. "Ganz alleine schaffe ich das nicht", sagt sie, und verweist auf Tänzer, Choreographen, Fitnesstrainer,  Gesangslehrerin und Musiker.

Bahar hat sich ein Netzwerk aufgebaut, Freunde vermitteln ihr Kontakte zu Produzenten, die Musik entsteht in Kollaboration. "Ich weiß sehr genau, was ich musikalisch will, und mein Songschreiber und meine Band unterstützen mich dabei." An ihrer ersten Single hat sie mitgeschrieben; zielstrebig und selbstbewusst geht sie das neue Kapitel ihrer Karriere an. Der neue Sound soll poppig sein, mit einem Hauch Elektro. Robyn nennt Bahar immer wieder als Inspiration. "Sie macht seit Jahren genau das, was sie will, hat eine feste Fanbasis, die alles mögen, was sie macht. Und wenn sie ein kleines Clubkonzert macht, ist das rappelvoll."

"XO Bahar" wird Bahars Blog auf fudder heißen: Hugs and Kisses, Bahar. So unterschreibt Bahar ihre Mails, so signiert sie Fotos, CDs, Poster ihrer Fans. Bahar will über all das schreiben, was sie gerade beschäftigt, was ihre Tage füllt: Fitnesstraining, Proben, Aufnahmen, Planung, Videodrehs. Die nächsten Monate werden ereignisreich.

XO Bahar startet am Donnerstag, 9. Februar 2012 auf fudder.

Mehr dazu:

  [Foto 1: Ruben Jacob Fees; Foto 2: Caro - Monrose in der Rothaus Arena, Mai 2007]