Xavier Naidoo tritt beim ESC an - für ein Land, das es gar nicht gibt

Daniel Laufer

Xavier Naidoo vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016. Das hat die ARD an diesem Donnerstagmorgen bekanntgegeben. Was für eine grandiose Idee, kommentiert fudder-Redakteur Daniel Laufer:



"Ich will nicht wieder beleidigend werden
Aber es ist verheerend, ihr habt keinen Funken Anstand mehr"

Xavier Naidoo in "Raus aus dem Reichstag"

Gerade hat die ARD ein Promo-Video veröffentlicht.Darin fragt sie Xavier Naidoo: "Warum bist Du die beste Besetzung für Deutschland?" Bei dem Sänger schrillen da wohl schon wieder die Alarmglocken. Deutschland! Besetzung! Jetzt nichts Falsches sagen!

Er denkt nach, druckst rum. "Also ich bin auf jeden Fall jemand, der diese Sache ernst nimmt, der genügend Erfahrung hat, um auf so 'nem Event bei sich zu sein." Gute Antwort! Oder zumindest: eine politisch korrekte Antwort.

Naidoo war nicht immer so "bei sich", auch nicht in der ARD. Vor vier Jahren sitzt er auf der Couch des Morgenmagazins. "Sind wir denn in Deutschland frei?", fragt die Moderatorin im Plauderton. Da denkt Naidoo nicht nach. Deutschland! Besetzung! ZOOOM!

Er hebt die Hand, erklärt: "Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei."

Die Moderatoren lachen verlegen. Es ist 6.50 Uhr. Gut, dass die Leute von der Europäischen Rundfunkunion um diese Zeit noch schlafen. Deutschland, kein Land? Man hätte uns geradewegs aus dem Eurovision-Wettbewerb geschmissen. Das war knapp!

Du bist gekauft, Xavier!

Wie nur löst man dieses Problem, bringt diesen Quertreiber, der alles versauen kann, zum Schweigen? Die Antwort findet die ARD wohl in einem von Naidoos Songs: "Du bist gekauft, Angie!", singt der 2009 in "Goldwaagen/Goldwagen". Ja, und Du jetzt auch, Xavier!

Sorry, Zwischenfrage: Ist das ok, wenn ich Dich duze und mit dem Vornamen anspreche? Du machst das ja auch? Ja? Danke, Xavier.

Also. Im Promo-Video greift der Fernsehsender das alte Problem auf, fragt knallhart: "In einem Interview im ARD-Morgenmagazin hast Du gesagt, wir seien in Deutschland nicht frei, Deutschland sei immer noch ein besetztes Land. Was meintest Du damit?"

Xavier antwortet brav: "In der globalisierten Welt, in der wir ja leben, muss man doch feststellen, dass viele Entscheidungen - wir haben's gesehen in der Bankenkrise und bei anderen Dingen - außerhalb von Deutschland entschieden werden."

Das Thema scheint damit durch, sein Ruf bereinigt. Vergessen, dass er vor einem Jahr auf eine Berliner Bühne kletterte, zu 300 selbsternannten "Reichsbürgern" sprach, zu Rechten, die der Verfassungsschutz beobachtet. Vergessen, dass er in einem Song behauptete, hinter Al-Qaida stecke die CIA, die deshalb die Anschläge auf den World Trade Center, London und Madrid zu verantworten habe. Vergessen, sein antisemitisches Gebrabbel gegen die Rothschild-Familie. Vergessen, seine homophoben Mordfantasien gegen Pädophilie.

"Wofür stehst Du, wenn Du für Deutschland antrittst?", fragt die ARD den Xavier. "Ich glaube, ich stehe wirklich für dieses weltoffene Deutschland, ein demokratisches, freiheitsliebendes Deutschland", flötet er.

Ich glaube nicht, Xavier.

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[Foto: dpa Picture Alliance/Bearbeitung: fudders Photoshop-Praktikant]