WW vs. SC 2:2: "Auf in die Brita!"

Christian Heigel

Der SC Freiburg verabschiedet sich von seinen Fans mit einem Auswärtspunkt in die Winterpause. Beim Aufsteiger SV Wehen-Wiesbaden holte die Mannschaft von Robin Dutt ein 2:2-Unentschieden. Der gebürtige Wiesbadener und SC-Fan Christian hat für fudder das Spiel im Freiburger Gästeblock verfolgt - ganz ohne Äppelwoi.



„Wir sind Badner, ihr seid Hessen,“
rufen die Freiburger Fans, als sie am Wiesbadener Hauptbahnhof ankommen. Ich bin eigentlich beides: geboren in Wiesbaden, aber fußballerisch (und darüber hinaus) daheim in Südbaden. Unterm Strich bedeutet das für mich: im Stadion bin ich voll und ganz Freiburger.


Der heutige Gegner des SC kommt eigentlich auch nicht aus Wiesbaden, sondern aus Wehen. Das ist ein 6700-Seelen-Dorf, 15 km von der hessischen Landeshauptstadt entfernt. Seit Oktober 2007 spielt Wehen im neu gebauten Stadion in Wiesbaden. Vom Wiesbadener Hauptbahnhof bis zur Brita-Arena sind es gerade mal 10 Minuten zu Fuß.



Dann mal auf „in die Brita“, wie die Freiburger vor dem Gästeeingang skandieren. Das Stadion ist übrigens nach der Tochter von Heinz Hankammer benannt, dem Präsidenten des SVWW und Hersteller von Wasserfiltern, der den Dorfclub aus Wehen mit seinem Geld in die zweite Liga katapultiert hat.

Die Freiburger Fans lassen sich deshalb auch zu einem kurzen „Sch… Millionäre“ hinreißen. Millionenteure Stars wie etwa in Hoffenheim sucht man allerdings bei Wehen-Wiesbaden vergeblich. Auch wenn die Mannschaft von Trainer Christian Hock vor dem Spiel als bester Aufsteiger auf dem 7. Tabellenplatz liegt: In der Brita-Arena haben die Wehener bisher nicht gewonnen.



Im Fanblock angekommen reift bei den Freiburgern schnell die Erkenntnis „die Mauer muss weg“. Aber da ist nichts zu machen: die zwei Freiburger Stehplatz-Fanblöcke sind durch einen hohen Gitterzaun getrennt. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch. Stimmlich liegen die Freiburger im mit 10.354 besetzten Wiesbadener Stadion lange Zeit vorne.

Auf dem Platz erobern sich allerdings die stark aufspielenden Wehener in der 16. Minute die Führung: Benjamin Siegert trifft aus spitzem Winkel. Von da ab geht es Schlag auf Schlag. Der SC schlägt bereits nach neun Minuten durch ein Kopfball-Tor von Pavel Krmas zurück.



Die Tatsache, dass der Stadionsprecher das Tor für den SC nicht verkündet, bringt in mir die letzten Sympathien für meine Wiesbadener Landsleute zum Erliegen. Und neuer Ärger ist schon im Anmarsch: Bereits drei Minuten nach dem Freiburger Ausgleich gibt es Elfmeter für den SVWW. Der Wehener Alex Kokot verwandelt und es steht 2:1.

Bis zur Pause erspielen sich die konterstarken Hessen noch einige gute Chancen, Freiburg lässt seine sonstige Spielstärke weitgehend vermissen. Die größte Überraschung bei Freiburg ist, dass Youngster Manuel Konrad erstmals in der Startelf steht.

In der Pause steht mein Sinn nach einer Aufwärmung. Doch Glühwein suche ich vergeblich. Stattdessen wird heißer Äppelwoi (hochdeutsch: Apfelwein) angeboten. Die Freiburger in der Schlange hinter mir schütteln nur den Kopf. Und selbst mir als gebürtigem Hessen ist das zu heftig. Da kann ich ja gleich warmes Bier trinken.



In der zweiten Halbzeit ändert sich auf dem Rasen zunächst nicht viel. Freiburg kriegt die Partie zwar besser in den Griff, hat aber auch ein paar Mal Glück, nicht noch weiter in Rückstand zu geraten. Und die stimmliche Übermacht der Fans hat auch abgenommen.

Als ich mir gerade überlege, wie es ist, über eine Niederlage zu schreiben und dass ich den Wiesbadenern den ersten Sieg im neuen Stadion ausgerechnet gegen Freiburg nun wirklich nicht gönne, scheint Henrich Bencik meine Gedanken zu lesen: In der 85. Minute trifft er zum Freiburger Ausgleich, wieder nach einer Ecke.



Puh, die Erleichterung ist grenzenlos. Und im Freiburger Fanblock wird es endlich wieder laut. Lange zittern müssen wir auch nicht mehr, der Schiedsrichter pfeift sehr pünktlich ab. Mein persönliches Duell alte gegen neue Heimat nimmt ein versöhnliches Ende.