Wüstenfeeling oder billiger Abklatsch? Der Nightlife-Guru auf dem Burning-X Festival

Nightlife-Guru

Das Burning Man-Festival ist weltweit bekannt für seine Extravaganz in Sachen Musik, Kunst und Kultur. Daran hat sich das Burning X-Festival im Hans-Bunte orientiert. Ob’s eine gute Party war? fudders Nightlife-Guru war da.

Die Jungs vor der Tür

Sind noch tiefenentspannt und haben wenig zu tun. Obwohl das Festivals offiziell um 16 Uhr startet, haben es um kurz vor fünf erst eine Handvoll Leute ins Hans-Bunte geschafft. Kein Ding – umso mehr Zeit, sich in Ruhe die Deko und das Gelände anzuschauen.

Außeneinrichtung und Deko

Im Außenbereich steht eine Art Turm aus Metallstühlen, im Inneren bläst eine Seifenblasenmaschine ihre Blasen in die Luft. Schön ist die neue Dachterrasse (mit Pool!) im Hans-Bunte, hier lässt sich’s aushalten. Läuft man in den Club, begrüßt einen eine gut zwei Meter große Holz-Hand mit ausgestrecktem Stinkefinger. Was ist hier die Message?

Auf dem Hauptfloor entdeckt der Guru außerdem eine Art Papppanzer mit Plastikfolien-Figur darauf, und kann sich keinen Reim draus machen. Der schönste Floor ist – keine Überraschung – der Goa Floor. Obwohl die Licht-Show auf dem Hauptfloor natürlich auch ballert. Fazit: Die Deko steht manchmal etwas verloren in der Gegend rum, manchmal ist sie aber auch nett anzuschauen.

Party-Atmosphäre und Klangwaren-TÜV

Absoluter Höhepunkt: Das Set von Monolink gegen halb elf auf dem Draußen-Floor. Die Menge ist schon gut aufgeheizt, tanzt, umarmt, kaut, lacht. Baller-Techno würde jetzt auch ziehen. Trotzdem nimmt sich Monolink alle Zeit der Welt, um sein atmosphärisches Set aufzubauen. Langsam und behutsam zieht er die Meute mit, umgarnt sie mit seinen sanften Gitarren-Riffs und verhalltem Gesang, sodass selbst der letzte Bademeister-Raver weich wird. Wunderbar!

Kurzkritik der anderen Headliner. Chris Schwarzwälder: Gute Sache, so richtig hängengeblieben ist aber nichts. Jan Blomqvist: Verpasst, da gerade auf dem Goa-Floor hängengeblieben. Allgemein ist der Sound im Hans-Bunte natürlich super, eine der besseren Anlagen der Stadt. Wenn nicht sogar die Beste. Auf dem Draußen-Floor klingt alles ein bisschen dünner, schon klar, man kann nicht halb Zähringen mitbeschallen. Passt so!

Der druffste Typ der Party

Optimistisch hat der Veranstalter den Dresscode "Wüstenmensch/Mad Max" ausgegeben. Als Freund der gepflegten Verkleidung hat sich der Nightlife-Guru in Schale geschmissen, nur irgendwie leicht am Motto vorbei in die Richtung druffester Typ auf der Party. Gleich drei Mal kommen Suchende auf den Guru zu und fragen nach "was". Nach Verneinung und wiederholtem Blick aufs Outfit auch gerne mit Nachschlag: "Du kannsch mir doch ned verzähle, dass du nüchtern bisch!" Doch, doch. Enttäuscht ziehen sie in die Nacht.

Sehr wohlwollend geschätzt hat sich überhaupt nur die Hälfte der Besucher Gedanken über ihre Klamotte gemacht. Der Rest kam im Straßenanzug. Es ist aber wirklich schwierig, das Verkleidungs- Motto irgendwie zu treffen. Zumindest, ohne sich in Unkosten oder ausufernde Bastelarbeit zu stürzen.

Aufheiterle

These: Wenn auf einer Party die Toilettengespräche gut sind, dann ist auch die Party gut. Ein Auszug:

Auswärtiger Partymensch: (beim Reinkommen in die Toilette) "Bääh isch ja voll eklig hier"
Irgendein Hans-Bunte-Kenner: "Ähm, joa."
Auswärtiger Partymensch: "Sin des die oinzige Kloos?"
Irgendein Hans-Bunte-Kenner: "Nein, gibt auch drinnen noch welche. Aber keine Angst – die sehen noch schlimmer aus."

Aufregerle

Der angekündigte Foodtruck stellt sich als Würstlebude heraus. Technisch korrekt, aber 2018 assoziiert man "Foodtruck" mit etwas anderem. Und das Ding öffnet erst gegen 20 Uhr. Pommes gibt’s dann auch erst mal nicht, da der Strom für die Fritteuse fehlt. Kein gefundenes Fressen für Vegetarier. Aber hey: Wir sind auch nicht zum Schlemmen da. Die mitgebrachte Raver-Nussmischung rettet über den Abend.

Fazit

So richtiges Wüstenfeeling will nicht aufkommen: Es waren kaum Leute da, die sich beim Verkleiden ins Zeug gelegt haben, und nun ja, es ist eben keine Wüste da. Spaß hat die Party trotzdem gemacht! Gute Leute, gute Musik und vor allem der Draußen-Floor mit riesigem Außenbereich, Feuerstellen sowie Chill-Plätzen überzeugt.