Woog Riots im Swamp: Zwei Dutzend musizieren, Zehn schauen zu

Alexander Ochs

Bei den Woog Riots gehen Spaß und Aufstand, Politik und Pop Hand in Hand – auf die Tanzfläche. Ein Swamp-Konzert mit Mitmach-Charme erlebte Alex.



Quizfrage: Wie kann man einen Sumpf in einen Naturbadesse verwandeln? – Einfach die Woog Riots einladen! Das deutsch-italienische Duo stammt aus Südhessen, und da gibt es einen Naturbadesee namens Woog.


Naja, und jetzt zetteln sie noch charmant und pädagogisch brillant riots an, also Aufstand, Revolte, Rebellion. Rein musikalisch, versteht sich.



Dazu braucht es Parolen und den richtigen Rhythmus. Für ersteres sind vor allem Silvana Battisti und Marc Herbert zuständig, um letzteres kümmert sich bei Konzerten die Rhythmussektion bestehend aus Lolo Blümler am Schlagzeug und Tepe Rockstar am Bass. Lolo spielt ein aufgeräumtes Set, trocken und lakonisch, während die kleine und junge Basserin ihr Instrument mit dem ganzen Körper spielt – sehr, sehr cool. Silvana drückt Tasten jeglicher Art, Marc zupft die Saiten seiner Seventies-Gitarre.

Die Woog Riots machen Pop mit politischem Anspruch, Indie-Elektro-Mucke mit Tanzappeal und hintersinnigen Texten. Sehr melodisch, sehr eingängig – und trotzdem herrlich schräg, nicht glattgebügelt. Das Ganze ist eine einzige überwältigende Charmeoffensive, so natürlich und locker kommen die manifestartigen Texte rüber.



Gespickt mit Musikzitaten (von The Other Half und The Fall bis hin zum Italo-Punk von CCCP), servieren die Vier a priori schwer Verdauliches oder als Songinhalt Unmögliches in berückend leichter Art.

Sie schwören dem Patriotismus ab („Paul McCartney“), wundern sich über das Unverständnis gegenüber künstlerisch aktiven Müttern („Backstage Lemonade“), besingen Paviane („White Baboons“), fragen sich: Was denkt der Elefant, wenn er sich im Spiegel sieht? („Elephants & Mirrors“) und informieren über das Liebesleben der Tintenfische („Octopussy“).



Am Ende werden die viel zu wenigen Zuschauer voll gefordert, als die Band rund zwanzig Instrumente verteilt – zum Mitmachen. Darunter sind neben Triangel, Kuhglocke, Schellenkranz und Rasseln auch so lustige Dinge wie ein Stylophone, ein uraltes Mini-Keyboard mit Stift. Nun werden fast alle zur Band. 25 musizieren, 10 schauen zu, über den Daumen gepeilt. Großartig, witzig, spaßig!

Und all jenen, die nicht da waren, kann man eigentlich nur den Song „Living Room“ ans Herz legen: Er thematisiert die Lethargie von Enddreißigern, die nicht mehr vor die Tür gehen.

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