Woodkid in der Kaserne Basel: Künstler, Ästhet und Dirigent

Zuliàn Wuazo

Über 12 Millionen YouTube-Klicks können nicht lügen: Am Dienstagabend brachte Yoann Lemoine alias Woodkid die Kaserne Basel zum kochen. Was er dazu brauchte: Piano, Pauken und Posaunen. fudder-Außenkorrespondent Zuliàn Wuazo war vor Ort und versucht, uns das Phänomen Woodkid zu erklären.

 

Der moderne Künstler

Der gebürtige Franzose Yoann Lemoine ist ein „All-Inclusive“-Angebot, wie man es sonst nur im Reisekatalog findet. Als Videokünstler stellt er seine Dienste den zur Zeit bekanntesten Popsternchen zur Verfügung. Er führt die Feder in einer preisgekrönten Anti-AIDS-Animation. Sein jüngster Streich heißt Woodkid und führt in nun selbst zur Musik. Er beherrscht die verschiedene Disziplinen der digitalen Gefilden - ein durch und durch moderner Künstler im audiovisuellen Zeitalter.

Der Ästhet

Lemoines Handschrift ist in all seinen kreativen Schöpfungen in überzeugender Weise klar zu erkennen. Mit einem ausgeprägten Sinn fürs Detail vermag sein eigenes Musikprojekt Woodkid mit einer bombastischen ausgefeilten und doch zerbrechlichen Ästhetik zu begeistern. „Man kann mit nur einem Song berühmt werden“, wie er sagt. Den eindrücklichen Beleg dazu liefern die mittlerweile beinahe 13 Millionen YouTube-Klicks zum sehr sehenswerten Musikvideo „Iron“.

Auch live in Basel bleibt sich Woodkid treu. Das Bühnen-Setting ist symmetrisch: ein Schlagwerk links, ein Schlagwerk rechts, die drei Bläser zur einen Seite kontrastieren das E-Piano, ein „Beat-und-Melodie-Bastler“ im Hintergrund und Lemoine als Frontmann am Mikrofon.



Die Setlist ist durchdacht: Er spiele all seine traurigen Lieder zuerst. Dies schadet zwar der Abwechslung, baut aber die Spannung zum klaren Höhepunkt „Iron“ auf. Das gänzlich in weiß gehaltene Lichtkonzept folgt der Dynamik der Songs muster-gültig.

Der frenetische Applaus für „Iron“ dauert eine gefühlte Ewigkeit. „Wow, das war laut!“, meint Lemoine bescheiden und versucht zu beschwichtigen, dass er noch nicht durch sei mit seinen Songs. Darüber ist der kochende Rossstall natürlich ganz und gar nicht traurig und freut sich umso mehr über die letzte besinnliche Zugabe, eine aufwühlend reduzierte Version von „Iron“.

Der Dirigent

Die Musik des 29-Jährigen ist eine spezielle Mischung aus Piano-Melodien, Drumline-Rhythmen bis hin zu Bläser-Intermezzi in bester „Also Sprach Zarathustra“-Manier. Woodkid mit seiner berührenden Stimme als klassischen Singer/Songwriter zu bezeichnen, geht somit zum Glück nicht in Ordnung. Lemoines Musikprojekt ist eine willkommene Abwechslung zur viel gehörten Gitarren-Musik.

Dass Lemoine erst seit kurzem persönlich auf der Bühne steht, sieht man ihm an, nimmt es ihm aber nicht übel. Passender als mit der adaptierten Songzeile „Here in Basel the rain is falling“ kann man die Herzen des Publikums wohl an einem verregneten Dienstagabend nicht gewinnen.



Wer nach dem Durchhören von Woodkids EP „Iron“ (2011) noch nicht genug hat und eine sommerliche Reise südwärts in Betracht zieht, sollte sich den 4. Juli vormerken. Dann steht Woodkid nämlich zusammen mit seiner Video-Muse Lana Del Rey auf den erlauchten Brettern des diesjährigen Jazzfestival Montreux. Des Weiteren darf man sich sicherlich auf seine erste Platte freuen, welche er gegen Ende Jahr veröffentlichen will.

All den Unglücklichen, die seinen exklusiven Auftritt in Basel verpasst haben, seien hier die Aufzeichnungen seines Konzerts im Eifelturm als Trost an Herz gelegt.

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[Zuliàn Wuazo]